Osnabrück Nach Missbrauchsstudie: So will Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode sein Bistum reformieren
Die Ergebnisse der Wissenschaftler wiegen schwer - der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode reagiert nun auf die Vorwürfe und will Veränderungen in seinem Bistum herbeiführen.
Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode hat umfassende Veränderungen im Umgang mit Missbrauchstaten in seinem Bistum angekündigt. Bei einer Pressekonferenz reagierte Bode auf schwere Fehler und Organisationsmängel, die ihm eine Studie der Universität Osnabrück bescheinigt.
Forscher hatten dem Bistum am Dienstag massive Pflichtverletzungen im Umgang mit sexualisierter Gewalt attestiert. Bis in jüngste Zeit seien insbesondere Rechte Betroffener verletzt worden.
Auch dem Bischof werden in der 600 Seiten starken wissenschaftlichen Forschungsarbeit gravierende Fehler vorgeworfen. So habe Bode in seiner Amtszeit gefährliche Priester im Amt belassen, Entscheidungen nicht nachgehalten oder Maßnahmen ergriffen, die nicht geeignet waren, weitere Taten zu verhindern. Zudem sei Bode seinem Anspruch nicht gerecht geworden, Hilfsmöglichkeiten für Betroffene ganz auszuschöpfen.
Der Bischof ging daher bei einer Pressekonferenz am Donnerstag zunächst auf seine persönliche Verantwortung ein. Bode räumte ein, er habe „in einigen Fällen fahrlässig gehandelt”. Der Bischof betonte: „Das war vielleicht meiner Leichtgläubigkeit oder meiner Zögerlichkeit geschuldet. Aber es geschah niemals in der Absicht, vorsätzlich zu vertuschen oder Recht zu beugen.” Bode bat „alle, denen aufgrund meiner Fehler und Versäumnisse noch größeres Leid geschehen ist, als sie bereits zuvor erlebt hatten, um Vergebung, auch alle, die durch mein Handeln enttäuscht worden sind”.
Er habe intensiv erwogen, ob er nach den Ergebnissen der Studie noch im Amt bleiben könne, sagte Bode. Ihm sei bewusst, „dass meine Glaubwürdigkeit schwer beschädigt ist”. Im Anschluss präzisierte der Bischof, er habe über einen Rücktritt nachgedacht. Insbesondere nach Erscheinen der Studie habe er gezweifelt. Bode erklärte, er habe sich „mit engen Mitarbeitenden beraten” und dann entschieden, in seiner verbleibenden Amtszeit mit aller Kraft den Aufgaben nachzugehen, die der Zwischenbericht der Universität Osnabrück aufzeige. „Diese Entscheidung habe ich Dienstagabend gefällt”, sagte der Bischof.
Video: Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode reagiert auf Vorwürfe
Bode fügte hinzu: „Es macht mich sehr nachdenklich, wie eingeschränkt mein Blick war.” Der Zwischenbericht führe ihm das deutlich vor Augen und gebe Hinweise, wie die Situation im Bistum geändert werden könne.
Der Bischof kündigte daher eine Vielzahl von Maßnahmen an, die direkt auf die Erkenntnisse des Gutachtens reagieren. So will das Bistum einen unabhängigen Beauftragten einzustellen, der künftig den „ordnungsgemäßen Ablauf in jedem einzelnen Verdachts- oder Missbrauchsfall, der uns bekannt wird” sicherstellen soll, erklärte Bode.
Bislang war dafür die Rechtsabteilung des Bistums zuständig. Deren Vorgehen hatte jedoch vielfach Kritik erfahren. Die neue Stelle sei bereits ausgeschrieben. Die zuständige Person sei ebenfalls dafür zuständig, dass Auflagen, die Tätern gemacht wurden, eingehalten werden.
Zudem soll eine Ombudsstelle für Betroffene eingerichtet werden, die als Mittlerin gegenüber dem Bistum agieren soll. Aufgabe dieser Person wird sein, sicherzustellen, dass das Bistum seinen in der Studie formulierten Pflichten nachkommt.
Gleichzeitig soll sie Betroffenen juristische, therapeutische, beratende und geistliche Hilfe vermitteln können. Dazu erhält sie Verfügungsgewalt über den Fonds zur Finanzierung von Therapiekosten, die derzeit noch bei der Bistumsverwaltung liege. Durch diese Ombudsstelle soll außerdem sichergestellt werden, dass Bearbeitungszeiten angemessen bleiben.
Eine Gruppe, die sich im Bistum mit Tätern und Beschuldigten auseinandersetzt, bekommt einen neuen Vorsitz: Der soll nicht mehr bei einem Mitarbeiter des Bistums liegen.
Bode kündigte auch an, künftig Geld zur Verfügung zu stellen, um Betroffenen bei Bedarf “zum Beispiel notwendige Unterstützung zur Lebenshaltung zu finanzieren”. Der Zugang dazu werde über die Ombudsstelle geregelt. In Sachen Entschädigung erklärte der Bischof, er wolle sich auf Ebene der Deutschen Bischofskonferenz dafür einsetzen, Zahlungen zu erhöhen. Auf Nachfrage fügte Bode später hinzu, er schließe nicht aus, dass das Bistum selbstständig Zahlungen erhöhe, wenn das auf Bundesebene nicht funktioniere.
In puncto Personalführung will der Bischof Zuständigkeiten professionalisieren. “Die Personalverantwortung für Priester darf nicht allein in priesterlichen Händen liegen”, sagte Bode. Gleichzeitig wolle er seine eigene Doppelrolle als Seelsorger und Personalverantwortlicher für Täter auflösen: Künftig wolle er die Seelsorge bei Verdachtsfällen abgeben, ausschließlich als Personalverantwortlicher agieren und allen geltenden Meldepflichten nachkommen.
Video: Osnabrücker Bischof Bode zur Studie der Uni Osnabrück (Pressekonferenz)
Bode fügte hinzu: “Als Bischof möchte ich mich stärker als bisher von Gremien überprüfen und kontrollieren lassen”. Dazu wolle er unter anderem einem Rat aus Vertretern aller Gremien im Bistum jährlich einen Rechenschaftsbericht vorlegen, in den auch zentrale Entscheidungen in den Bereichen Personal, Pastoral und Schutzprozess einfließen sollen. Ebenso solle die Aktenführung des Bistums professionalisiert werden. Mit Betroffenen wolle er im Austausch bleiben und ihre Expertise einbinden.
Generalvikar Ulrich Beckwermert sagte anschließend gegenüber unserer Redaktion: „Heute ist nicht der Tag, das Ansehen der Kirche zu verbessern. Heute gibt es nur ein Thema: Wir müssen uns unserem Versagen stellen und vor allem mit Blick auf die Betroffenen Konsequenzen ziehen - hier und jetzt durch die Maßnahmen, die der Bischof angekündigt hat.“
Am Donnerstag, den 29. September, um 17 Uhr bietet die Universität einen Online-Dialog zur Studie an. Interessierte können den Wissenschaftlern Fragen dazu stellen. Der Link wird auf der Internetseite der Uni veröffentlicht.