Emder Innenstadt im Wandel  Hat die Werbegemeinschaft Schaufenster noch eine Zukunft?

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 22.09.2022 10:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Um Wilhelm Eilers ist als Chef der Emder Werbegemeinschaft Schaufenster ziemlich einsam geworden. Foto: Ortgies/Archiv
Um Wilhelm Eilers ist als Chef der Emder Werbegemeinschaft Schaufenster ziemlich einsam geworden. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Emder Werbegemeinschaft Schaufenster leidet unter dem schwindenden Interesse der Einzelhändler. Vieles deutet mittlerweile auf das Aus dieser Organisation hin.

Emden - Es kriselt schon länger, jetzt rückt das Ende der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden aber offenbar rasch näher. Beim jüngsten Treffen in der vergangenen Woche deutete zumindest vieles darauf hin, dass dieser Verein keine lange Zukunft mehr haben wird. Er vertritt seit Jahrzehnten vor allem die Interessen des Einzelhandels und organisiert Feste, Aktionen und verkaufsoffene Sonntage, um die City zu beleben.

Was und warum

Darum geht es: das Emder Stadtmarketing und die Zukunft der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden

Vor allem interessant für: alle, die sich für die Entwicklung von Innenstädten und den Einzelhandel interessieren

Deshalb berichten wir: Beim jüngsten Treffen der Werbegemeinschaft Schaufenster Emden gab es Hinweise auf eine ungewisse Zukunft dieses Vereins. Wir haben genau hingehört und die Situation analysiert.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Zum jüngsten Treffen - es war das erste nach langer Corona-Zwangspause - kamen gerade mal neun Männer und Frauen, von denen drei ein eigenes Geschäft im Stadtzentrum betreiben und eine in einem Buchladen angestellt ist. Die geringe Beteiligung ist bezeichnend für den Zustand der Werbegemeinschaft. Sie hat zwar noch etwa 60 Mitglieder. Der größte Teil davon beschränkt sich aber mittlerweile darauf, die jährliche Umlage zur Finanzierung der Gemeinschaftsaktionen zu entrichten.

Wilhelm Eilers fühlt sich überlastet

An der Spitze des Schaufensters steht seit mehr als 20 Jahren Wilhelm Eilers. Er gilt als umtriebiger Organisator und hat sich in seiner langen Amtszeit verdient um die Innenstadt gemacht hat. Der 73-Jährige ließ beim jüngsten Treffen mehrmals durchblicken, dass die Arbeit ihn mittlerweile an die Grenzen der Belastbarkeit bringt und er mit dem Gedanken spielt, den Vorsitz abzugeben. Zudem stellte er offen die Frage, ob es sich angesichts des geringen Interesses überhaupt noch lohnt, die Werbegemeinschaft am Leben zu erhalten.

„Es wird für einen einfach zu viel“, klagte Eilers. Im selben Atemzug wies er auf die Neuwahlen hin, die im kommenden Jahr anstehen: „Dann werden wir weitersehen“. Und er fügte hinzu: „Dieses Jahr müssen wir noch durchziehen“. Solche Äußerungen können als Hinweis auf bevorstehende Veränderungen gewertet werden. Ein Nachfolger für Eilers ist zumindest nicht in Sicht.

Das Stadtmarketing hat neue Strukturen

Es kommt noch Entscheidendes hinzu: Denn die Strukturen des Stadtmarketings haben sich in den vergangenen zwei Jahren stark gewandelt. Wenn es um große Feste und Aktionen in der City geht, hat sich das Kräfteverhältnis verschoben. Die frühere Emden Marketing & Tourismus GmbH (EMT), deren Gesellschafter die Stadt, der Wirteverein und die Werbegemeinschaft waren, ist abgewickelt. Das Schaufenster, das 24,5 Prozent der Anteile hielt, verlor allein dadurch deutlich an Einfluss.

An die Stelle der EMT ist vor allem auf Betreiben von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) die Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing GmbH gerückt, die zu 100 Prozent in der Hand der Stadt ist. Das Stadtmarketing wird seit Beginn dieses Jahres von Martje Merten geleitet, die sich zuvor als City-Managerin überraschend schnell einen Namen in der Stadt machte. Ihre frühere Aufgabe als Innenstadt-Koordinatorin hat im März Julia Lüder übernommen.

Die anfängliche Skepsis ist gewichen

Im Team und mit Unterstützung von kreativen Köpfen aus der Stadt, aber auch mit Zuschüssen aus Innenstadt-Förderprogrammen des Landes, hat das neue Stadtmarketing in diesem Sommer gezeigt, was es kann. Ihr Gesellenstück lieferte es mit dem Kultursommer und damit verbundenen Aktionen ab.

Der Kultursommer auf dem Stephansplatz hat sich als Erfolg für das "neue" Stadtmarketing erwiesen. Foto: Päschel/Archiv
Der Kultursommer auf dem Stephansplatz hat sich als Erfolg für das "neue" Stadtmarketing erwiesen. Foto: Päschel/Archiv

Das dürfte sich mittlerweile auch Eilers eingestehen. Vor der Auflösung der EMT hatte er sich noch von der Stadt überrumpelt gefühlt und nichts davon gehalten, die Verantwortung für die Geschicke in der Innenstadt dem öffentlichen Dienst zu überlassen. Er befürchtete vielmehr, dass darunter die Kreativität leide. Doch Eilers hat sich in der Zwischenzeit vom Gegenteil überzeugen lassen. Er sei „am Anfang eher skeptisch gewesen“, räumte er in der vergangenen Woche ein. Aber beim Stadtmarketing seien „gute Leute“.

„Gute Leute“ gründeten neuen Kreis

Diese „guten Leute“ haben mittlerweile weitere Strukturen etabliert. So gibt es die Interessengemeinschaft Stadtgutschein, die auf Initiative von Julia Lüder entstand und im Oktober ihr drittes Treffen hat. Die Versammlungen haben deutlich mehr Zulauf als die des Schaufensters.

Es geht dabei auch nicht nur um den Stadtgutschein, sondern ebenso um andere Aktivitäten in der Innenstadt. Auf der Tagesordnung der nächsten Runde stehen der Emder Museumstag, das Erntefest und die Planungen zu Weihnachten - alles Aktionen, die einst die Werbegemeinschaft auf den Weg gebracht hat.

Auch beim Emder Weihnachtsmarkt, der immer schon beim Schaufenster angesiedelt war, könnten sich die Verantwortlichkeiten von 2023 an ändern. Irritationen darum hat es womöglich in diesem Jahr schon gegeben. Die Äußerung von Martje Merten beim jüngsten Schaufenster-Treffen spricht diesbezüglich Bände: „Wir haben uns doch tief in die Augen geschaut und vereinbart, dass die Werbegemeinschaft dieses Mal das ausführende Organ ist“, antwortete sie auf eine verunsicherte Frage von Eilers nach den Zuständigkeiten. Der Schaufenster-Chef dürfte genau verstanden haben, wie das gemeint war.

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