Vorteil durch Marschboden  Krummhörn kann Ernte-Erfolge feiern – im Gegensatz zu anderen

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 26.09.2022 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Trockenheit in diesem Sommer setzt der Maisernte in vielen Teilen Niedersachsens zu. In der Krummhörn sieht das anders aus. Foto: Sina Schuldt/dpa
Die Trockenheit in diesem Sommer setzt der Maisernte in vielen Teilen Niedersachsens zu. In der Krummhörn sieht das anders aus. Foto: Sina Schuldt/dpa
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Viel Regen im Frühjahr und dann Hitze-Perioden: Getreide, Mais und Co. mussten in diesem Jahr viel mitmachen. Dennoch gibt es in der Krummhörn gute Nachrichten – nicht so bei anderen Landwirten.

Krummhörn - Verdorrte Pflanzen und zu kleine oder gar keine Kolben: Viele Landwirte im Kreis Oldenburg, Kreis Cloppenburg, dem Emsland und Teilen des Ammerlands beklagen eine schlechte Maisernte. Schuld daran sind die hohen Temperaturen in Kombination mit der direkten Sonneneinstrahlung, nur wenig Regen – und der Boden. Denn dort, wo der Mais in diesem Jahr schlecht aussieht, steht er auf sandigem Boden.

In der Krummhörn hingegen ragt der Mais auf den Feldern in den Himmel. Das haben die Bauern in der Küstenregion dem sogenannten Marschboden zu verdanken. Denn der kann das Wasser besser speichern. Oder wie es Landwirt Gerd-Udo Heikens ausdrückt: „Auf dem Marsch können wir mit Trockenheit gut umgehen.“ Wenn es sonst auch viele Probleme mit dem Boden gebe, das sei ein großer Vorteil, der in diesem Jahr für die Krummhörn entscheidend gewesen sei. „Kollegen aus Cloppenburg, Oldenburg und dem Emsland mussten den Mais teilweise noternten“, weiß der Landwirt.

Was und warum

Darum geht es: um die Ernteerträge in der Krummhörn und wie sich das Wetter auf diese ausgewirkt hat

Vor allem interessant für: für alle, die gerne regional kaufen und sich für Landwirtschaft interessieren

Deshalb berichten wir: Die Erntezeit neigt sich dem Ende zu. Wir wollten wissen, wie die Bilanz des Jahres aussieht.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de

Marschböden helfen auch bei Getreide und Raps

Im Süden Deutschlands, aber auch in Nordrhein-Westfalen und Teilen Niedersachsens gab es durch den vielen Regen im Frühjahr und dann durch zu viel Sonne einige Einbußen – und zwar nicht nur beim Mais. Auch in Ostfriesland selbst sind regional Unterschiede zu bemerken. „Der Mais an der Küste ist schöner als der im Osten Ostfrieslands“, nennt Maren Ziegler vom Landwirtschaftlichen Hauptverein (LHV) für Ostfriesland ein Beispiel. Nachdem sich nun die Erntezeit dem Ende neigt, zieht die Geschäftsführerin des LHV-Kreisverbands Norden-Emden auf Nachfrage eine Erntebilanz für die Krummhörn.

Traditionell wird als erstes im Frühjahr Gras für die Rinder geerntet. „Die ersten beiden Schnitte sind von der Qualität und den Erträgen gut ausgefallen“, teilt Ziegler mit. Bei Getreide und Raps, welche im Juli und August geerntet wurden, sei es „gerade in der Krummhörn aufgrund der Marschböden gut gelaufen“. So habe der trockenere Sommer nicht viel ausgemacht. Die Erträge seien gut und auch die Inhaltsstoffe wie der Proteingehalt des Getreides, der bestimme, wie es weiterverarbeitet wird, war „zufriedenstellend“. Der Krummhörner Landwirt Heikens, der Raps, Weizen, Gerste und Mais anbaut, geht sogar so weit, seine diesjährige Ernte als „überdurchschnittlich“ zu bezeichnen.

Bestes Ernte-Wetter

„Dazu hatten wir noch super Ernte-Wetter, das hat richtig Spaß gemacht“, erzählt Heikens. Das hatte laut der LHV-Geschäftsführerin von Norden-Emden noch einen weiteren Vorteil: „Das Getreide konnte dadurch auch gut abtrocknen.“ Denn normalerweise müsse mehr der Ernte noch in die Abtrocknung, da sich sonst Schimmel bilden könne. Das habe aber „fast überall ganz gut ohne geklappt“. Was Ziegler außerdem aufgefallen sei, ist die Farbe des Getreides: „Es sah überall sehr hell aus. Das ist gut.“ Wenn es dunkler scheint, sei es nämlich oft von Fusarien, einer speziellen Pilzart, befallen. Der Raps, der meist zu Öl verarbeitet wird, weise zudem gute Ölgehalte auf, so die LHV-Expertin. Ebenso gut sei auch die Qualität und Quantität der Akkerbohne gewesen, die in den vergangenen Wochen ab Mitte August geerntet wurde.

„Kartoffeln leiden in der Regel bei Hitze ein bisschen“, sagt Ziegler. Doch von den Bauern, die teils noch bei der Kartoffelernte sind, habe sie bisher weder Gutes noch Schlechtes gehört. „Die Kartoffel-Bauern klagen nicht“, bestätigt Landwirt Heikens. Teils sei der Boden etwas hart gewesen, das habe sich durch den Regen nun aber gebessert. „Aktuell scheint es sehr gut zu laufen.“

Insgesamt ziehen beide ein positives Fazit – und das, obwohl es durch den vielen Regen im Frühjahr schwierig gewesen sei, Düngemittel aufzubringen, wie Ziegler weiß. Dennoch findet sie: „In der Krummhörn ist eigentlich alles sehr gut gewachsen.“

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