Millionen-Projekt in Emden  Scheitern der Apollo-Mission „nicht ganz ausgeschlossen“

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 23.09.2022 19:11 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So soll das Apollo künftig von vorne aussehen: Das Dachgeschoss wird rekonstruiert. Grafiken: awp
So soll das Apollo künftig von vorne aussehen: Das Dachgeschoss wird rekonstruiert. Grafiken: awp
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Alte Architektur und neue Studentenwohnungen: Die Pläne für das ehemalige Apollo-Theater im Emder Stadtzentrum stehen. Aber es gibt dennoch Probleme.

Emden - Die „Apollo-Mission“ in Emden ist gefährdet: Das Vorhaben einer Investorengruppe um den Emder Geschäftsmann Udo Fuhrmann, das ehemalige und emotional besetzte Apollo-Kino im Stadtzentrum zu neuem Leben zu erwecken, erweist sich offenbar als schwierig. Die Planer schließen mittlerweile auch ein Scheitern des millionenschweren Projekts „nicht ganz“ aus, weil es sich bislang wegen drastisch gestiegener Kosten und gestrichener Förderungen kaum wirtschaftlich umsetzen lässt. Es muss deshalb nach neuen Töpfen gesucht werden.

Was und warum

Darum geht es: die Zukunft des ehemaligen Apollo-Kinos im Emder Stadtzentrum

Vor allem interessant für:alle, die wissen wollen, was dort an zentraler Stelle in Emden geschieht, sowie die vielen früheren Besucher des Kinos

Deshalb berichten wir: Im zuständigen Fachausschuss des Rates stellten die Planer den aktuellen Planungsstand vor. Wir haben die Sitzung verfolgt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Stadtbaurätin Irina Krantz und Arne Wollers, Chef des von den Investoren beauftragen Architektur- und Ingenieurbüros AWP, äußerten sich am Donnerstag bei der Vorstellung des Planungsstandes im Ratsausschuss für Stadtentwicklung dennoch zuversichtlich, dass die Investoren an ihrem Ziel festhalten und das Projekt verwirklicht werden kann. „Wir arbeiten intensiv und mit Hochdruck daran“, so Wollers. Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit gibt es aber noch Hürden.

Gastronomie und Kleinkunst im Haupthaus

Das im Mai 2021 auf den Weg gebrachte Vorhaben sieht im Haupthaus des ehemaligen Kinos das „Teeater“ mit einer Kombination aus Gastronomie und Kleinkunstbühne im Erdgeschoss und Büroräumen in den Obergeschossen vor. Im hinteren Teil sollen Wohnungen entstehen. Neu ist, dass auch Klein- und Kleinstappartements geplant sind. Sie sollen vor allem für Studierende geeignet sein. Dafür gibt es Bedarf.

Auflagen des Denkmalschutzes hatten das Projekt zunächst ausgebremst. Mittlerweile seien aber alle Vorgaben umgesetzt worden, so Wollers. Dafür wurden die ersten Entwürfe aus dem vergangenen Jahr überarbeitet. Das Ergebnis: Das Gebäude bekommt äußerlich ein anderes Aussehen.

AOK-Gebäude und Apollo bilden ein Ensemble

Ein Grund dafür ist, dass das Apollo-Theater und das gegenüberliegende AOK-Gebäude in ihrer Wirkung als Denkmalensemble erhalten bleiben sollen. Beide Häuser entstanden in den Jahren zwischen 1929 und 1931 im gleichen Stil. Sie stammen aus der Ära des damaligen Stadtbaurats Reinhold Haasis, der das Gesicht der Stadt maßgeblich prägte.

So ähnliche sah es früher auch aus: die Ansicht des Apollo entlang des Straße Zwischen beiden Bleichen.
So ähnliche sah es früher auch aus: die Ansicht des Apollo entlang des Straße Zwischen beiden Bleichen.

„Klinkerakrobatik“ nannte der Volksmund das, was die Gebäude aus dieser Ära charakteristische Züge gibt: klare Linien, schlichte Ornamente und dunkle Klinker. Diese Handschrift von Haasis tragen unter anderem auch das Finanzamt, die Oberschule Herrentor, das Gebäude der Sparkasse Aurich-Norden, das Eichamt, die Boltentorbrücke und der Chinesentempel.

Dachgeschoss wird rekonstruiert

Die Denkmalschützer gaben laut Wollers für das Apollo-Theater unter anderem vor, dass die ursprüngliche und geradlinige Architektur des Gebäudes erhalten bleibt und auch das Dachgeschoss des einst vierstöckigen Hauses so rekonstruiert wird, wie es nach seiner Fertigstellung im Jahr 1931 aussah. Nach den Vorstellungen der Investoren sollte anstelle des kompletten Geschosses ursprünglich eine Art luftige Lounge entstehen.

Die Anforderungen der Denkmalpflege haben auch zur Folge, dass weniger Nutzungsflächen zur Verfügung stehen. Das hat die Wirtschaftlichkeit des Projektes ebenso ins Wanken gebracht wie die laut Wollers um bis zu 40 Prozent gestiegenen Baukosten und die Zinsen, die sich um das Vier- bis Fünffache erhöht haben. Zudem sind in der Zwischenzeit Förderprogramme gestrichen worden, aus denen man sich Zuschüsse erhofft hatte.

Baubeginn im kommenden Jahr?

Investoren und Planer stehen deshalb in engem Kontakt und suchen nach neuen Möglichkeiten und Wegen, das Vorhaben mit öffentlichen Mitteln zu fördern. „Wir sind in Gesprächen, was im Rahmen der Städteförderung möglich ist“, sagte Stadtbaurätin Irina Krantz.

Gerade Linien statt ausladender Balkone und Terrassen: Die Pläne für das Apollo-Theater nach Vorgaben der Denkmalpfleger überarbeitet.
Gerade Linien statt ausladender Balkone und Terrassen: Die Pläne für das Apollo-Theater nach Vorgaben der Denkmalpfleger überarbeitet.

Davon hängt auch der weitere Zeitplan ab. Bislang hat die Investorengruppe noch keinen Bauantrag gestellt, weil noch nicht alles in trockenen Tüchern ist. Das Genehmigungsverfahren könnte nach Einschätzung der Beteiligten aber zügig abgewickelt werden, weil sich Stadt, Investoren und deren Planer schon in der Planungsphase eng miteinander abgestimmt haben.

Die Genehmigung könnte den Angaben der Fachleute zufolge im kommenden Jahr vorliegen. Die Planer kalkulieren mit einigen Monaten Vorlauf und einer reinen Bauzeit von 18 Monaten. Allerdings gab Wollers zu bedenken, dass ein Bestandsgebäude „immer eine Wundertüte“ ist und es „sehr, sehr viele Unwägbarkeiten“ geben könne. „Aber jeder Monat länger kostet alle Beteiligten Geld“, fügte er hinzu.

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