Tierisches Problem in Emden Politiker drängen auf Lösung für Petkumer Gänse-Posse
Der Streit um die wachsende Schar verwilderter Hausgänse in einem Wohngebiet des Emder Ortsteils Petkum zieht Kreise. Es sei „Gefahr in Verzug“, heißt es.
Emden- Die Posse um eine herrenlose und verwilderte Schar von Hausgänsen in einem Wohngebiet von Petkum zieht Kreise und wird jetzt auch zu einem Politikum. Mit Kopfschütteln und Unverständnis haben einige Emder Ratsmitglieder während der jüngsten Sitzung des zuständigen Fachausschusses auf die Haltung der Stadtverwaltung in dieser Frage reagiert - allen voran der Petkumer Lokalmatador und FDP-Fraktionschef Erich Bolinius. Er und weitere Anlieger fühlen sich von den bisweilen aufdringlichen Tieren und deren Kot massiv gestört und gefährdet.
Was und warum
Darum geht es: Eine Schar verwilderter Hausgänse sorgt im Emder Ortsteil Petkum nach wie vor für ein tierisches Problem.
Vor allem interessant für: Tierliebhaber und -schützer, Bewohner von Petkum und diejenigen, die kuriose Geschichten mögen.
Deshalb berichten wir: Im zuständigen Fachausschuss stand das Thema jetzt auf der Tagesordnung. Wir haben die Diskussion verfolgt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Die Stadt sieht aber in diesem Fall keine öffentlich-rechtliche Grundlage, selbst einzugreifen und das Problem zu lösen. Sie empfiehlt vielmehr, die Gänse „vor Ort zu belassen“. Der zuständige Fachbereichsleiter Rainer Kinzel stützte sich dabei in der Sitzung auf Stellungnahmen mehrerer Fachbehörden.
Eine Umsiedlung ist rechtlich nicht zulässig
Demnach ist es wegen der Gefahr von Tierseuchen nicht zulässig, die Gänse einzufangen und auf einen landwirtschaftlichen Betrieb umzusiedeln, schreibt das für Emden zuständige Veterinäramt des Landkreises Aurich. Weil es keinen gesicherten Nachweis für die Herkunft der Tiere gebe, könnten sie auch nicht geschlachtet und vermarktet werden.
Allenfalls ein Fütterungsverbot der Gänse könnte möglicherweise helfen, die Gänse zu vertreiben, sagte Kinzel. Er griff damit eine Anregung aus dem Ausschuss auf. Zuvor hatte die Stadtverwaltung genervten Anwohnern in Petkum lediglich empfohlen, den Gänsen zum Beispiel mit Zäunen den Zutritt zu ihren Grundstücken und Gärten zu verwehren.
Das Problem existiert schon seit Jahren
Das Problem mit den Gänsen brennt einigen Petkumern schon seit Jahren auf den Nägeln. Betroffen sind vor allem Bewohner des von Kanälen durchzogenen Neugebietes Zum Bind am Petkumer Sieltief, aber auch in umliegenden Bereichen. Anlieger klagen vor allem über die Hinterlassenschaften der Tiere in den Gärten.
Auch dem Privatgrundstück von Erich Bolinius haben die Gänse schon einen Besuch abgestattet und dort im Garten ihre Notdurft verrichtet. Er wohnt an der Straße Zum Bind. „Es kann nicht sein, dass die Bewohner damit seit fünf Jahren allein gelassen werden“, echauffierte sich der FDP-Politiker im Fachausschuss. Es müsse eine Lösung her: „So kann es nicht weitergehen“.
Das Thema soll bundesweit Wellen schlagen
Bolinius und andere Petkumer sehen auch Gefahren für Kinder und Autofahrer, wenn die Gänse sich auf den Straßen aufhalten. Es könne nicht sein, dass Bürger in solchen Fällen einfach im Stich gelassen werden und man seitens des Staates einfach darüber hinwegsehe. Notfalls werde er das Thema bundesweit publik machen, sagte der Politiker.
Unterstützung bekam Bolinius unter anderem von SPD-Politiker Andreas ten Hove, der ebenfalls in Petkum wohnt und sich mit der Haltung der Stadt nicht zufrieden gab. Auch dessen Fraktionskollege Gregor Strelow verlangte eine Lösung. „Es ist Gefahr in Verzug“, sagte der SPD-Mann.
Population hat sich „erheblich vergrößert“
Nach Auffassung von Stefan Rölling, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Stadt, hätte sich der Investor des Baugebietes frühzeitig um die Gänse kümmern müssen. Sein Kollege Habbo Wildeboer habe schon 2017 Vorschläge für eine Umsiedlung gemacht, die Gänseschar sei aber „einfach hingenommen worden“.
Rainer Kinzel zeigte grundsätzlich Verständnis für den Ärger. Er will noch einmal Kontakt mit dem Veterinäramt aufnehmen. „Eine Patentlösung habe ich im Moment nicht“, räumte der Fachbereichsleiter ein. Allerdings halte er es für denkbar, dass betroffene Bewohner das Thema zivilrechtlich prüfen lassen. Möglicherweise könnten der ursprüngliche Halter der Gänse oder dessen Nachfahren in die Pflicht genommen werden, etwas zu unternehmen.
Ursprünglich sollen die Hausgänse nach Aussagen älterer Petkumer von einem Privatmann stammen, der sie zunächst auf seinem Grundstück gehalten haben soll. Um wie viele Tiere es sich mittlerweile genau handelt, ist unklar. Die Stadt hat bei einem Ortstermin im Juli nach eigenen Angaben circa 35 Tiere festgestellt. Tatsächlich könnten es deutlich mehr sein. Die Population habe sich „erheblich vergrößert“, bestätigt die Stadt. Einige Anlieger wollen mehr als 50 Gänse gezählt haben.
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