Energiekrise  Warum die Sparkasse Leer-Wittmund Filialen schließen wird

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 26.09.2022 18:23 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Geld abheben wird in Ostfriesland bei der Sparkasse im Winter schwieriger. Foto: Ortgies
Geld abheben wird in Ostfriesland bei der Sparkasse im Winter schwieriger. Foto: Ortgies
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Acht Standorte der Sparkasse Leer-Wittmund werden bis Ende März geschlossen. Die Maßnahmen des Kreditinstitutes sind umfangreich.

Leer/Wittmund - Diese Nachricht zu überbringen, fiel Carsten Rinne und Ingo Fortkamp, Vorstand der Sparkasse Leer-Wittmund, nicht leicht: Das Kreditinstitut hat entschieden, acht Filialen zu schließen. Betroffen sind Filsum, Flachsmeer, Heisfelde, Jemgum, Möhlenwarf, Neermoor, Ostrhauderfehn und Westerholt. Grund ist die Energiekrise. Die Schließung ist nur eine vorübergehende Maßnahme, betonen die Sparkassen-Chefs. Vom 10. Oktober an bis März 2023 sollen die Filialen geschlossen werden.

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„Stand heute ist laut Regierung die Gasversorgung gewährleistet. Aber wir müssen davon ausgehen, dass eine sichere Versorgung im Winter ohne weitere Einsparungen von Gas zumindest gefährdet ist“, sagte der Vorstandsvorsitzende Carsten Rinne. Daher wolle die Sparkasse Verantwortung übernehmen und 25 Prozent ihres Energieverbrauchs reduzieren. Die Sparkasse ist als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut allerdings auch an die Verordnungen des Bundes gebunden, die Vorgabe liegt bei 15 Prozent Einsparung.

Windräder und Braunkohlewerke

Bei der Auswahl der Filialen habe man sich die Energiebilanz und die Verhältnismäßigkeit genau angeschaut. So seien die Filialen am Hauptstandort Leer, aber auch in Moormerland, Rhauderfehn und Wittmund auf neuestem energetischen Stand. „In Moormerland, Rhauderfehn und Wittmund haben wir nicht mal mehr eine Gasheizung“, sagt Fortkamp. Anders sei es in den kleinen Filialen. Zum Beispiel habe der Standort Westerholt einen Energieverbrauch wie die Hauptfiliale in Leer – sei aber bedeutend kleiner und beherberge deutlich weniger Mitarbeiter. Fortkamp vergleiche die Filialen mit Energieproduzenten: „Wir haben Standorte wie Windkrafträder und Braunkohlewerke. Die Braunkohlewerke haben wir jetzt eben vom Netz genommen“, sagt er.

Die Mitarbeiter würden in dieser Zeit in die benachbarten Standorte wechseln und von dort aus die Kunden betreuen. „Außerdem bieten wir an, dass wir Kunden auch zu Hause beraten“, sagte Rinne. Wer gar nicht weiter wisse, wie er zum Beispiel an Bargeld komme, der könne sich auch im telefonischen Kundencenter der Sparkasse melden. Dort finde man Lösungen. „Für ältere Kunden haben wir zum Beispiel einen Bringservice“, sagt Rinne. In den Filialen von Filsum und Westerholt werde es weiterhin einen Geldautomaten und SB-Geräte geben. „Dort sind wir in der näheren Umgebung nicht vertreten“, sagte Rinne.

Gefährdete Bankautomaten

Komplett geschlossen, allerdings aus einem anderen Grund, werden die SB-Geschäftsstellen in Oldersum, Stapelmoor und Velde. Eine Sicherheitsprüfung habe ergeben, dass diese Standorte bei einer möglichen Sprengung durch Bankräuber gefährdet seien. Zum Wohle der im Gebäude Wohnenden und Arbeitenden habe man sich zur Schließung ab dem 10. Oktober entschieden. In Velde könnten Kunden der Sparkasse auf die Automaten der Raiffeisenbank ausweichen, mit der die Sparkasse eine Kooperation abgeschlossen habe.

Doch nicht nur mit den Filialschließungen wolle man Energie sparen. Die Sparkasse hat sich ebenfalls entschieden, die 78 Geldautomaten im gesamten Verbreitungsgebiet ab 22 Uhr auszuschalten. Bisher waren sie bis 0 Uhr noch erreichbar und liefen die ganze Nacht durch. Mittlerweile sei es aber betriebswirtschaftlich und energetisch sinnvoller, die Geräte herunterzufahren und erst um 6 Uhr wieder hochzufahren, erklärte Fortkamp. Während die Maßnahme bei den meisten Automaten bereits umgesetzt sei, werde man in Leer noch den Gallimarkt abwarten. „Bis nach dem Gallimarkt sind die Automaten noch bis 0 Uhr erreichbar“, sagte Rinne.

Neben den gesetzlichen Vorgaben, wie das Ausschalten von Werbetafeln zwischen 22 und 6 Uhr und dem Heruntersetzen der Raumtemperatur auf 19 Grad, werde man in Geschäften, die zwei oder mehrere Eingänge haben, nur noch einen Eingang nutzen. „So kühlen die Geschäftsräume nicht so schnell aus“, erklärt Rinne. Die beiden Vorstände bedauerten die Entscheidungen. Allerdings sind sie auch optimistisch: „Die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass einiges geht“, sagt Rinne.