Es wird grün So will die Hochschule die Region in die Zukunft der Mobilität führen
Mit 1,5 Millionen Euro will die Hochschule Emden/Leer ein neues Transferzentrum aufbauen. Das sind die sechs Projekte, mit der sie die nachhaltige Mobilität anstoßen will.
Emden - Die Hochschule Emden/Leer bekommt 1,5 Millionen Euro für ein grenzübergreifendes deutsch-niederländischen Transferzentrum, durch welches praxisnahe Projekte zu nachhaltiger Mobilität besser koordiniert und auch präsentiert werden können. Davon soll die gesamte Region profitieren. Unternehmen jeder Größe sollen sich an die Hochschule wenden und auf die Kompetenzen wie die Infrastruktur der Einrichtung zugreifen können.
Das Transferzentrum ist dabei kein Gebäude, sondern wird als Rahmen für die Projekte verstanden. Das Geld ist für drei Jahre vorgesehen und soll die Forschung ankurbeln. Einige Projekte werden auch bereits anderweitig gefördert. Langfristig will man sich auf weitere Fördertöpfe bewerben und auch durch die Zusammenarbeit mit Firmen finanzieren. Die sechs Projekte, an denen zehn Professoren mit ihren Teams arbeiten, sind teilweise schon weit gediehen. Wir wollen sie uns genauer anschauen.
Das „grüne“ Wassertaxi
Am weitesten ist ein Projekt, das viel mit dem alltäglichen Leben in Ostfriesland zu tun hat: dem Transport von Personen und Waren zu und von den Inseln. Bis auf ganz wenige Ausnahmen - etwa die LNG-Fähre der AG-Ems - laufen die Wassertaxis und Fähren mit Diesel und Schweröl. Die Frisia-Reederei aus Norden möchte das mithilfe der Hochschule ändern. Gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer Partner wird an einem E-Katamaran gearbeitet, der schon erste Testfahrten unternommen hat, erklärte Diplom-Ingenieur Thomas Peetz von der Hochschule. In anderen Ländern wie Norwegen und Kanada ist man da schon weiter: Dort gibt es verhältnismäßig viele Stromer zu Wasser.
Der E-Katamaran soll im kommenden Jahr in Einsatz kommen und rund 180 Passagiere befördern können. Mit einem Zwei-Megawatt-System soll das Schiff von Norddeich nach Norderney und wieder zurück fahren können. Danach sollen 30 Minuten Ladezeit ausreichen, um erneut durchzustarten. Eine einfache Überfahrt soll mit dem Elektroschiff nur noch 25 Minuten dauern, also etwa eine halbe Stunde weniger als bisher mit den großen „Verbrenner“-Fähren. Die große Batterie soll eine Lebenszeit von zehn Jahren haben. Sollte Wasserstoff das gängigere Betriebsmittel für Fähren werden, sei die Umrüstung der E-Fähre leichter als die eines Verbrenners, erklärte die für das Thema Elektromobilität zuständige Frisia-Mitarbeiterin Maraike Frank gegenüber dieser Zeitung im Februar.
Der futuristische Waren-Transport
Hyperloop klingt nach Zukunftsmusik. Der „Loop“ meint eine Röhre, durch die im Vakuum Waren oder Personen mit rund 1000 Stundenkilometern transportiert werden können. Gemeinsam mit Partnern aus Groningen arbeitet die Hochschule schon seit Jahren an der Technologie. Denkbar wäre zunächst ein Warentransport zwischen zwei fixen Punkten, sagte Prof. Dr. Thomas Schüning. Dann könnte ein Netz aufgebaut werden, so die Idee.
Demnächst soll eine kleine Röhre bei der Hochschule aufgebaut werden, um stärker in die praktische Anwendung zu gehen. Auf langer Sicht war aber auch schon im Gespräch, die Transrapid-Strecke in Lathen (Emsland) als Teststrecke für den Hyperloop zu reaktivieren. Dieses Mal aber nicht unter freiem Himmel wie die Schwebebahn, sondern in einer möglichst luftleeren Röhre.
Autoverkehr und Biologie
Prof. Dr. Thorsten Schmidt und sein Team beschäftigen sich indes mit innovativen Ansätze für die Verkehrsflusssimulation im ländlichen Raum. Dabei geht es nicht darum, an der Emder Neutorstraße zu stehen und zu zählen, wie viele Autos diese passieren, klärte Hochschul-Präsident Prof. Dr. Gerhard Kreutz auf.
Stattdessen sollen andere Ansätze entwickelt werden, um zu verstehen, wie der Verkehr in der Region besser fließen kann. Eine Möglichkeit ist der Blick in die Biologie, so Schmidt. Beispielsweise wird geschaut, wie sich Zellen in einem gesunden Körper störungsfrei bewegen und wie das „auf die Straße transferiert“ werden kann, so Schmidt.
Labor Windkraft
Innerhalb des „Labors Windkraft“ beschäftigt sich das Team von Professor Dr. Iván Herráez sowohl numerisch als auch experimentell mit der Erforschung von Windkraftanlagen. Man arbeite bereits eng mit Industrie als auch mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen zusammen.
Mithilfe von Computer-Simulation wird geschaut, wie die unterschiedlichen Strömungen auf die Windkraftanlage wirken und wie die Anlage optimal ausgerichtet werden kann. Zwei Windkanäle auf dem Campus sowie eine Windkraftanlage in direkter Nähe können für praktische Forschungen verwendet werden. Windparkbetreiber würden sich bereits öfter mit Nachfragen an die Hochschule wenden, so Herráez.
Die zwei weiteren Projekte behandeln das Begleiten von Transformation begleiten, die Anpassung von Prozessen, Arbeitsweisen und Führungsstrukturen - und die Gestaltung von Elektromobilität im ländlichen Raum.
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CO2-neutrale Kickers, Segelschiffe und mehr – daran wird geforscht
In Groningen und Emden gucken sie hoffnungsvoll in die Röhre