Frust in Plaggenburg  Feuerwehrautos bei Einbruch geklaut – und nicht mehr einsatzfähig

Ole Cordsen
|
Von Ole Cordsen
| 27.09.2022 15:26 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Gähnende Leere klaffte in der Fahrzeughalle nach dem Einbruchdiebstahl. Fotos: Cordsen
Gähnende Leere klaffte in der Fahrzeughalle nach dem Einbruchdiebstahl. Fotos: Cordsen
Artikel teilen:

Beide Einsatzfahrzeuge gestohlen und dann im Wald zum Teil demoliert: Die Feuerwehr in Plaggenburg ist fassungslos nach einem Einbruch. Ein Tatverdächtiger ist gefasst.

Aurich - Der Schock traf Marco Mäcken frühmorgens auf dem Heimweg von der Nachtschicht. „Da rief ein Bekannter aus dem Ort an, er habe im Wald unser Löschfahrzeug stehen sehen“, sagte der Ortsbrandmeister von Aurich-Plaggenburg. „Ich habe sofort gesagt: ,Das kann doch gar nicht sein. Wir haben doch keinen Einsatz und schon gar nicht im Wald‘“, sagte Mäcken. Doch kurz später war klar: Die Nachricht stimmte.

Beide Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr Plaggenburg – das gut 300.000 Euro teure Löschfahrzeug und ein 30.000 bis 40.000 Euro teurer Ford Transit als Mannschafts-Transportwagen – wurden in der Nacht zu Dienstag geklaut. Beide landeten im nahegelegenen Plaggenburger Wald. Beschädigt sind offenbar beide Fahrzeuge. „Beim Löschfahrzeug sieht es nach ersten Infos nicht ganz so schlimm aus, doch ist der Transit womöglich ein Totalschaden und muss ersetzt werden“, sagte Mäcken und presst die Lippen zusammen.

Irgendwo in den Tiefen des Plaggenburger Waldes wurden die Einsatzfahrzeuge, offenbar zum Teil deutlich beschädigt, gefunden. Wo genau, dazu schweigt die Polizei.
Irgendwo in den Tiefen des Plaggenburger Waldes wurden die Einsatzfahrzeuge, offenbar zum Teil deutlich beschädigt, gefunden. Wo genau, dazu schweigt die Polizei.

„Das gab es so in der Region noch nie“

Heinz Hollwedel, Stadtbrandmeister von Aurich, ergänzte: „Das ist wirklich ein Hammer. Einbrüche in Feuerwehrhäuser hat es vor Jahren schonmal mehrere gegeben, aber dass jemand die kompletten Fahrzeuge klaut und dann auch noch demoliert? Das hat eine ganz andere Qualität, das gab es so meines Wissens in der Region noch nie, und das macht mich fassungslos.“

Gegen 7.15 Uhr war das Löschfahrzeug von einem Passanten im Wald entdeckt worden, bestätigte die Sprecherin der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, Wiebke Baden. Und in dem Fahrzeug habe der Passant eine verdächtige Person gesehen. Vor Ort stellten die Beamten fest, dass das Fahrzeug gestohlen war. Ein 18-jähriger Tatverdächtiger wurde von der Polizei vorläufig festgenommen, er wurde zur Dienststelle verbracht und erkennungsdienstlich behandelt: Sprich, seine Personalien wurden aufgenommen. Inwiefern er sich zur Tat eingelassen hat, ist offen. Klar ist bislang, dass der oder die Täter eine Scheibe im Rolltor der Fahrzeughalle einschlugen und sich so Zutritt verschafften. Die Polizei sicherte am Dienstag noch Spuren an den entwendeten Fahrzeugen und bittet Zeugen um Hinweise unter Telefon 04941/606 215.

In dieser Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr kam es zum Einbruchdiebstahl.
In dieser Fahrzeughalle der Freiwilligen Feuerwehr kam es zum Einbruchdiebstahl.

Hintergründe der Tat sind schleierhaft

Was das Ganze sollte, ob das etwa ein bitter geendeter, völlig misslungener Böse-Buben-Streich war, oder was sonst die Motivation gewesen sein kann, ist noch offen. Auch ist unklar, ob der mutmaßliche Täter allein mit beiden Fahrzeugen nacheinander in den Wald gebrettert sein könnte oder der Einbruchdiebstahl samt Sachbeschädigung ein Werk von mehreren war. „Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Zu den Hintergründen und möglichen weiteren Tatbeteiligten liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Erkenntnisse vor“, teilte Polizeisprecherin Baden am Dienstagmittag mit. Zwei Stunden lang blieb zunächst auch noch unklar, was mit dem zweiten Fahrzeug, dem Transit, überhaupt passiert war und wo der steckte. Gegen 9.15 Uhr wurde er dann aber „nach einer umfangreichen Suche“ ebenfalls im Plaggenburger Wald gefunden, sagte Baden.

Da waren sie noch vorhanden und unversehrt: die beiden Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr in Plaggenburg. Foto: Feuerwehr
Da waren sie noch vorhanden und unversehrt: die beiden Einsatzfahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr in Plaggenburg. Foto: Feuerwehr

Für die Feuerwehr-Kameraden in Plaggenburg ist der Einbruchdiebstahl „niederschmetternd, ein Stich ins Herz des Ehrenamts“, sagte Ortsbrandmeister Marco Mäcken. Er schüttelte frustriert den Kopf. „Wir hatten schon nachgerüstet und zahlreiche Räume sicherer gemacht, nachdem es vor Jahren ja eine Einbruchserie in Feuerwehrhäuser gab. Umso bitterer ist das jetzt – auch, weil wir eine wirklich motivierte Truppe haben. Alle kümmern sich hier liebevoll um die Fahrzeuge, reparieren mögliche Schäden selbst, rücken sogar verrutschte Aufkleber gerade, pflegen sie wie ihre eigenen Wagen – auch, weil wir wissen, welchen Wert sie haben, weil wir wissen, wie schwierig und teurer geworden es aktuell ist, an neue Teile oder Fahrzeuge zu kommen.“

Feuerwehr ohne Einsatzfahrzeuge

Dennoch stehe man jetzt erst mal völlig ohne Einsatzfahrzeuge da. „Das Löschgruppenfahrzeug wird jetzt überprüft. Mit Glück haben wir das bald wieder. Aber dass ausgerechnet wir, die wir versuchen, anderen zu helfen, jetzt zum Ziel einer solchen Aktion geworden sind: Das erschrickt einen und das macht fassungslos“, sagt Mäcken. „Wenn jemand Mist bauen will oder frustriert ist: Das kommt ja schon mal vor. Aber so was?“ Der Sprecher des Feuerwehrbezirks Weser-Ems, Thomas Giehl (Ramsloh), spricht von einem „Schlag ins Gesicht“. Etwas Vergleichbares sei ihm in Jahren nicht untergekommen..

Ein Anhänger ist das einzige Fahrbare, das die Plaggenburger Feuerwehr für den Moment noch nutzen könnte.
Ein Anhänger ist das einzige Fahrbare, das die Plaggenburger Feuerwehr für den Moment noch nutzen könnte.

Auch Aurichs Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) zeigte sich „erschrocken“ über den Vorfall. „Ich habe schon vieles erlebt, aber sowas wie das hier? Das ist unfassbar und unglaublich“, sagte er. „Und wir als Stadt haben zuletzt ja schon in Tannenhausen gemerkt, wie schwierig es ist, aktuell an Einsatzfahrzeuge zu kommen.“ Zur Frage, wie es in so einem Fall denn versicherungsrechtlich aussieht, und wie realistisch ein baldiger Ersatz für den mutmaßlich total beschädigten Transit sein könnte, gab es keine Auskunft von der Stadt Aurich unter Verweis auf die noch laufenden Ermittlungen.

„Was sollte das nur?“

Mäcken und zahlreiche Kameraden der Plaggenburger Feuerwehr kümmerten sich am Dienstagvormittag nach der Freigabe des Tatorts durch die Polizei darum, die Einbruchschäden zu beseitigen. „Bitter ist auch, dass wir jetzt bei einem Brand oder Notfall vorerst nichts selbst tun können“, sagte Mäcken. Für solche Fälle springen laut Stadtbrandmeister Hollwedel jetzt erstmal die Nachbarwehren in Middels und Sandhorst ein.

„Aber wenn was ist, will man ja selbst helfen. Deswegen ist man ja bei der Feuerwehr“, sagte Mäcken. Immerhin sei niemand verletzt worden bei der Diebstahlfahrt. „Das Löschfahrzeug wiegt ja immerhin 15 Tonnen, da hätte ja auch was passieren können“, sagte Mäcken. Er schüttelte ein weiteres Mal den Kopf und fragte laut ein weiteres Mal: „Was sollte das nur?“

Ähnliche Artikel