Pläne für den ÖPNV  Politik stellt Bedenken gegen neues Emder Buskonzept zurück

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 28.09.2022 09:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Emder Innenstadt soll künftig mit den Stadtbussen besser erreichbar sein. Foto: F. Doden
Die Emder Innenstadt soll künftig mit den Stadtbussen besser erreichbar sein. Foto: F. Doden
Artikel teilen:

Der grobe Fahrplan für das künftige System des Stadtbusverkehrs in Emden steht – und zwar im doppelten Sinn. Aber im Stadtrat haben sie noch Bauchschmerzen.

Emden - Der grobe Fahrplan steht. Das gilt sowohl für das künftige System des Stadtbusverkehrs in Emden als auch für das komplizierte Verfahren, das notwendig ist, um dieses Konzept zu Beginn des Jahres 2025 umsetzen zu können. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt hat bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig grünes Licht gegeben, obwohl die meisten Fraktionen und Gruppen noch Bedenken mit Blick auf die künftige Anbindung der Vororte an den innerstädtischen Busverkehr haben.

Was und warum

Darum geht es: den künftigen Fahrplan des Stadtbusverkehrs in Emden

Vor allem interessant für: Bewohner und Besucher Emdens, die auf den Bus angewiesen sind, und diejenigen, die künftig häufiger mit dem Bus innerhalb er Stadt fahren wollen

Deshalb berichten wir: Der Emder Stadtrat soll an diesem Donnerstag das Grobkonzept des künftigen Busverkehrs auf den Weg bringen. Wir haben mit Blick darauf den aktuellen Diskussionsstand deshalb noch einmal zusammengefasst.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

An diesem Donnerstag muss noch der Stadtrat dem Grobkonzept zustimmen, damit die Stadtverwaltung das von der EU vorgeschriebene Verfahren fristgerecht auf den Weg bringen kann. Eine Mehrheit dafür gilt als sicher. Denn abgesteckt ist bislang nur der grobe Rahmen für das neue System des Stadtbusverkehrs, das der Experte Mathias Schmechtig aus Kassel im Auftrag und mit der Stadt entwickelt hat. Der Politik wurde es erst vor knapp drei Wochen erstmals vorgestellt.

Die Abkehr von den Rufbussen

Demnach will die Stadt sich von dem vor drei Jahre eingeführten und nach wie umstrittenen System des kombinierten Linien- und Rufbusverkehrs wieder verabschieden. Im Wesentlichen plant sie die Rückkehr zu einem Linienverkehr. Das Netz aus Haupt- und Nebenstrecken soll ausgedünnt und so für Fahrgäste leichter verständlich werden. Geplant sind nur noch drei Hauptlinien, die im 30-Minuten-Takt bedient und stündlich auch in Vororte führen.

Zudem soll die Innenstadt mit einem 15-Minuten-Tag besser angebunden werden. Der neue Fahrplan ist so gestrickt, dass Fahrgäste von jeder Haltestelle aus in die City fahren können, ohne umsteigen zu müssen. Vorgesehen ist auch ganztägiger Bedarfsverkehr, den Taxiunternehmen abwickeln sollen.

Die Stadt steht etwas unter Zeitdruck

Ziel ist es, das Busfahren innerhalb Emdens attraktiver zu machen, nachdem sich die Zahl der Fahrgäste innerhalb von zwei Jahrzehnten mehr als halbiert hat. Damit liegt Emden weit unter dem Niveau vergleichbarer Städte.

Angesichts der EU-Vorschriften für eine Neuvergabe des Busverkehrs steht die Stadt unter einem gewissen Zeitdruck. Noch in diesem Herbst muss sie den Rahmen festlegen und europaweit bekanntmachen, wie das System ab 2025 grob gestaltet werden soll.

Um Feinheiten geht es noch nicht

Um Feinheiten des Fahrplans geht es dabei aber noch nicht. Mehr sei immer noch möglich, weniger als im Grobkonzept beschrieben aber nicht, heißt es seitens der Fachleute. Der Zeitplan sieht vor, dass im Frühjahr des nächsten Jahres nach mehreren Verfahrensschritten ein neuer und verbindlicher Nahverkehrsplan verabschiedet wird.

Vor diesem Hintergrund haben die Fraktionen und Gruppen des Stadtrates ihre Bedenken bezüglich der Anbindung einiger Vororte zunächst zurückgestellt. In der SPD-Fraktion, die stärkste Kraft im Stadtrat ist, sei das neue Bussystem „heftig und lautstark“ diskutiert werden, sagte Fraktionsvize Harald Hemken im Ausschuss. Er zeigte sich allerdings beruhigt, dass über bessere Anbindungen von Vororten wie Logumer Vorwerk und Marienwehr das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Unterschiedliche Reaktionen in den Fraktionen

Bauchschmerzen mit Blick auf die Außenbereiche gibt es auch in den Ratsgruppen Grüne feat. Urmel und Die Fraktion sowie in der GfE-Fraktion. Das neue System sei aber „in jedem Fall eine Verbesserung“, sagte Christian Nützel (Grüne). Auch die CDU-Fraktion befürwortet die Stoßrichtung. Ihr Mitglied Bernd Gröttrup kritisierte allerdings das Eiltempo, mit dem die Stadt vorgeht: „Wir hätten uns einen längeren Vorlauf gewünscht.“ Auch die Informationslage sei bislang „sehr dünn“.

Uneingeschränkte Zustimmung signalisierte hingegen FDP-Fraktionschef Erich Bolinius. Er begrüßt vor allem die Abkehr vom Rufbusverkehr, die seine Fraktion schon immer gefordert habe. Ganz anders sieht der Emder Kreisverband der Linken. Er bewertet das Rufbussystem als „ein gutes Mittel, um unsere Dörfer an die Stadt anzubinden“, schreibt Linken-Sprecher Lars Mennenga in einer Mitteilung. Bislang sei es aber zu wenig beworben und deshalb kaum genutzt worden. „Sehr kritisch“ bewertet die Partei, dass das neue System einige Ortschaften ganz abhänge.

Ähnliche Artikel