Reiseführer-Autor im Interview  111 kleine Geschichten aus der Krummhörn und wie es dazu kam

Dorothee Hoppe
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Von Dorothee Hoppe
| 28.09.2022 15:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Das ist Autor Dr. Bernd Flessner. Foto: Andreas Riedel
Das ist Autor Dr. Bernd Flessner. Foto: Andreas Riedel
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Dr. Bernd Flessner hat mit seiner Tochter für das Buch „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“ viele Geschichten gesammelt. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam.

Krummhörn - „Durch einen lächerlichen Zufall in Göttingen geboren“, in Greetsiel aufgewachsen und nun immer noch mit einem Zweitwohnsitz in Rysum, hat Dr. Bernd Flessner im August dieses Jahres eine Art Reiseführer über seine Heimat geschrieben. Das Buch trägt den Titel „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“. Trotz des Fakts, dass er in Erlangen arbeitet und die meiste Zeit dort ist, versteht er sich „immer noch als Krummhörner“.

Zusammen mit seiner Tochter Hannah Fleßner hat er die alte Heimat erkundet und so 111 kleine Geschichten zu den Orten zusammengetragen – „ein Vater-Tochter-Projekt, das ganz gut läuft“. Über die Hintergründe und wie man dazu kommt, in Zeiten des Internets noch einen Reiseführer herauszubringen, hat er im Interview erzählt.

Was und warum

Darum geht es: um das Buch „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“, wie es dazu kam und was einen Reiseführer heute ausmacht

Vor allem interessant für: Krummhörnerinnen und Krummhörner, die ihre Heimat noch ein bisschen besser kennenlernen möchten, und alle, die gerne verreisen

Deshalb berichten wir: Im August kam der etwas andere Reiseführer „111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss“ auf den Markt.

Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de

Wie kam es dazu, dass Sie das Buch über Orte in der Krummhörn geschrieben haben?

Dr. Bernd Flessner: Der Emons Verlag in Köln hat dieses Format mit 111 Orten und so weiter erfunden. Zu Anfang waren es große Städte und die großen Regionen und jetzt sind auch kleine Regionen dran. Ich habe schon mehrere unterschiedliche Bücher – unter anderem für diesen Verlag – geschrieben. Da ich Krummhörner bin, lag es nahe, ein Buch über die Krummhörn zu schreiben. Ich habe dem Verlag das Thema vorgeschlagen, als ich gefragt wurde, was man noch machen könne. Meine Tochter hat dann gesagt, sie macht die Fotos, und ich habe die Texte geschrieben.

Wie haben Sie die 111 Orte ausgesucht?

Flessner: Ich habe zunächst eine Liste gemacht, auf der viel mehr standen. Das Konzept des Verlags ist, nicht immer unbedingt die bekannten Highlights aufzunehmen, sondern auch mal Sachen am Wegesrand, skurrile Dinge oder einen Ort, von dem man einen schönen Blick irgendwo hin hat. Eben Sachen, die in den anderen Reiseführern nicht drinstehen, die übersehen oder vergessen werden – so wie dieser alte Flakturm in Pilsum, der heute als Ferienwohnung dient. Oder auch die alten Torf-Anleger in der Krummhörn, die sind in keinem anderen Reiseführer. Einfach interessante Orte, zu denen man auch eine kleine Geschichte erzählen kann. Also weniger das Übliche, was man kennt. Natürlich kann man die Highlights nicht ganz vermeiden, aber davon dann vielleicht Details nehmen, die unbekannter sind.

Von der eigentlichen Krummhörn sind alle Orte drin, weil jeder Ort irgendeine interessante Option zu bieten hat. Dann haben wir auch noch ein paar Orte genommen, die geographisch nah liegen, zum Beispiel Groß Midlum oder Wybelsum. Das ist natürlich eine sehr subjektive Auswahl, das ist auch bei allen Büchern zu 111 Orten von irgendwo so. Da bekommt man dann auch immer E-Mails, warum das oder das nicht drin ist. Für mich gehörte auf jeden Fall Rysum mit rein, weil es als Warftendorf noch komplett erhalten ist und nicht überlaufen.

Wie kreativ muss man beim Schreiben von solchen Reiseführern sein?

Flessner: In der Krummhörn muss man nicht sehr kreativ sein, weil es da genug Orte und interessante Sachen gibt. Die Muschelwege, die Pünte, die Anleger, Mühlsteine, Naturschutz – da gibt es genug. Extrem kreativ musste ich auf Juist sein. 111 Orte auf Juist waren schon eine richtige Herausforderung. Da standen bei der ersten Liste, die ich angefertigt habe, etwa 30 interessante Orte drauf. Das waren zu wenige. Dann habe ich ganz viele Juister befragt und musste wirklich zusammenkratzen. Das entfiel in der Krummhörn, da ist genug Auswahl. Da haben wir auch vieles nicht genommen und auch immer hin und her entschieden. Ich weiß gar nicht, wie das der Kollege von Baltrum gemacht hat. Da wäre der Titel „11 Orte auf Baltrum“ vielleicht angemessener gewesen. (lacht)

Wie lang hat es gedauert, bis sie alle Bilder und Geschichten zu den 111 Orten zusammen hatten?

Flessner: Etwa ein Jahr, aber daran haben wir nicht ununterbrochen gearbeitet, sondern meine Tochter und ich sind immer mal zu meinem Haus in Rysum gefahren und haben von dort aus Vater-Tochter-Ausflüge gemacht. Das dauert dann ein bisschen, bis man das zusammen hat. Zwischendurch war dann noch Corona, wodurch man hier und da gar nicht hin konnte. Wir haben das ohne Stress gemacht.

Ich hatte noch den Vorteil, dass ich noch ostfriesisches Platt spreche. Das hat bei den Recherchen sehr geholfen, zum Beispiel bei dem alten Flak- und heutigen Wohnturm in Pilsum. Da ist das Plattdeutsche bei der Familie, der der Turm gehört, schon der Türöffner gewesen. Wenn man dann freundlich fragt: „Dür ik mi dat even ankieken?“, ist es gleich etwas anderes.

Vieles an Reiseinformationen findet man heutzutage online – was muss ein Reiseführer heute haben, um neben dem Digitalen zu bestehen?

Flessner: Das ist schwierig zu beantworten. Das versuchen die Verlage schon seit vielen Jahren herauszufinden. Darauf gibt es einen ganzen Fächer an Antworten. Viele – das weiß man aus den Leser-Mails – kaufen sich so einen Reiseführer, bevor sie irgendwo hinfahren, und orientieren sich erstmal. Die haben dann oft schon eine kleine Internet-Recherche hinter sich und an zweiter Stelle kommt dann so ein Buch. Das ist dann detaillierter und kompakter, dabei kann man sich zurücklehnen und eben auch die durchaus unterhaltsamen Geschichten lesen. Bei der Buch-Reihe geht es nicht um aktuelle Reisetipps oder wann welcher Bus hält, sondern um die Orte und deren Geschichte.

Die Reihe ist als Taschenbuch angelegt, man kann sie also gut mitnehmen. Anders als in anderen Reiseführern ist es bei uns so, dass es zu jedem Foto immer eine kleine Geschichte gibt. Diese selbst zu recherchieren, wäre im Internet sehr aufwändig, denn dazu reicht Wikipedia nicht. Da sind sehr viel Buchliteratur und sehr viele Interviews drin, die wir mit Besitzern, Eigentümern und so weiter gemacht haben. Das bekommt man nicht so ohne Weiteres zusammen. Aber ich könnte mir auch vorstellen, dass das Ganze mal als App oder online erscheint.

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