Kampagne für mehr Sicherheit Radfahrer brauchen Abstand
1,5 Meter Abstand müssen Autofahrer einhalten, wenn sie Radfahrer überholen. Mit einer Aktion in Aurich machten Polizei und Verkehrswacht am Mittwoch verstärkt auf diese Regel aufmerksam.
Aurich - Dass die Zahl der Radfahrer steigt, ist eine gute Nachricht. Dass mit ihr auch die Zahl der verunglückten Radfahrer steigt, ein dramatischer Nebeneffekt. Um den zu verringern, beteiligt sich die Verkehrswacht Aurich an einer landesweiten Radverkehrs-Kampagne. Sie soll die Sicherheit für Radfahrer erhöhen.
Was und warum
Darum geht es: Die Verkehrswacht wirbt mit verschiedenen Aktionen für mehr Rücksicht mit Radfahrern.
Vor allem interessant für: alle, die in Aurich am Straßenverkehr teilnehmen.
Deshalb berichten wir: Die Verkehrswacht hatte uns zu einem Ortstermin eingeladen. Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Dafür liefen am Mittwochvormittag sechs Schüler der Realschule Aurich durch die Auricher Innenstadt. Auf dem Rücken trugen sie Promotion-Rücksäcke, an denen Transparente mit Slogans und Grafiken für mehr Sicherheit beim Überholen warben. Jeweils drei Schüler bildeten mit ihren Transparenten ein grafisches Triptychon, das zusammen mit dem Slogan „Lasst bitte Platz“ auf die Abstandsregel hinweist.
Weitere Aktionen sind geplant
Die Sechstklässler, die mit den Transparenten unterwegs sind, haben zum Teil schon gefährliche Situationen mit Autofahrern erlebt. Metkel (12) und Zoe (11) wären fast von Autos übersehen worden. Mohammed (13) wurde sogar schon einmal am Vorderrad getroffen und stürzte. „Insgesamt ist im Bereich der Polizeiinspektion Aurich/Wittmund die Zahl der Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern gestiegen“, erklärt Ewald Einnolf, Verkehrssicherheitsberater der Polizei. „Besonders zuletzt in den Sommermonaten.“ Heinz Kleemann von der Verkehrswacht verdeutlicht die Situation für Niedersachsen. „Dort gab es bis Mai schon 4700 Unfälle mit Radfahrern. Das sind 56 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und immer noch 11 Prozent mehr als vor Corona-Zeiten. Im Schnitt gerät in Niedersachsen alle 57 Minuten ein Radfahrer in einen Verkehrsunfall.“
Die Aktion vom Mittwoch ist Teil einer mehrstufigen Kampagne für mehr Radfahrersicherheit. Bereits einige Tage vorher wurden mehrere Litfaßsäulen mit Slogans plakatiert. Als nächster Schritt werden in der kommenden Woche Fahrrad-Installationen an besonders unfallträchtigen Punkten aufgestellt. Sie erinnern ein wenig an die weißen Räder, die mancherorts zum Gedenken an einen tödlich verunglückten Radfahrer aufgestellt werden. „Unsere Fahrräder sind aber grün lackiert und mit entsprechenden Botschaften versehen“, erklärt Kleemann. Außerdem ist geplant, mit Sprühschablonen Piktogramme an einigen einspurigen Radwegen anzubringen. Sie sollen dort vor „Geisterradlern“ warnen, die in der falschen Richtung unterwegs sind. „In der Kirchdorfer und der Oldersumer Straße haben wir dieses Problem häufig“, sagt Kleemann.
Willkürliche Regeln verunsichern Radfahrer
Albert Herresthal vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) begrüßt die Aktion. „Es geht dabei nicht nur um die tatsächlichen Unfälle“, sagt er. „Wenn Radfahrer zu eng überholt werden, erzeugt das vor allem auch Angst bei ihnen. Die fahren dann das nächste Mal viel unsicherer in solchen Situationen.“ Besonders riskant sei die Situation außerorts. „Dort beträgt der Sicherheitsabstand zwei Meter“, sagt Herresthal. „Wenn dort ein Lkw mit 70 Stundenkilometern einen Radfahrer überholt, erzeugt er einen Fahrtwind, der den Radfahrer aus dem Gleichgewicht bringen kann.“
Innerhalb Aurichs spricht er sich für stärkere Kontrollen und weitere Schutzmaßnahmen aus. So sollte es etwa an schmalen Straßen wie im Fischteichweg ein generelles Überholverbot für Fahrräder und Roller geben. Das Problem mit Geisterradlern wiederum sieht Herresthal in oft willkürlichen Verkehrsregelungen in Aurich begründet. „Mal muss man auf dem linken Radweg fahren, weil es rechts von der Fahrbahn keinen gibt, ein paar Hundert Meter weiter muss man dann aber rechts fahren“, sagt er. „Und an anderen Stellen darf man dann auf beiden Seiten fahren. Damit verunsichert man die Radfahrer nur.“