Berlin  Elyas M‘Barek: Mein Medienanwalt ist gut beschäftigt

Daniel Benedict
|
Von Daniel Benedict
| 29.09.2022 09:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Elyas M‘Barek bei der Premiere von „Tausend Zeilen“ im Berliner Zoo-Palast. Foto: dpa
Elyas M‘Barek bei der Premiere von „Tausend Zeilen“ im Berliner Zoo-Palast. Foto: dpa
Artikel teilen:

Aktuell ist Elyas M‘Barek in der Mediensatire „Tausend Zeilen“ zu sehen. Wie geht er selbst mit Fake-News um? Weiß er, wie Journalisten über ihn lästern? Und lästert er nach Interviews vielleicht selbst?

Vor vier Jahren erschütterte der Skandal um gefälschte Reportagen den „Spiegel“. Der Film „Tausend Zeilen“ bringt den Fall ins Kino. Hauptdarsteller ist Elyas M‘Barek. Im Interview erklärt er, wie er selbst mit den Medien umgeht - als Leser, Interviewpartner und Gegenstand der Boulevard-Berichterstattung.

Frage: Herr M‘Barek, wie sind Sie auf den Relotius-Skandal aufmerksam geworden?

Antwort: Ich habe den Artikel gelesen, in dem der „Spiegel“ auf die Fälschungen aufmerksam gemacht hat. Ich lese das Magazin regelmäßig; und einige von Claas Relotius‘ Fake-Geschichten hatte ich vorher auch selbst gelesen. Wie die meisten Leute habe ich mich betrogen gefühlt. Natürlich habe ich gerade einem Medium wie dem „Spiegel“ vertraut. Und ich traue den Medien auch immer noch: Relotius war und ist für mich ein Einzelfall.

Frage: Hätte es schauspielerisch nicht mehr Spaß gemacht, den Hochstapler zu spielen.

Antwort: Nee – es macht mir schon deutlich mehr Spaß, den Helden zu spielen.

Karoline Herfurth im Interview: Mein Hund Balu hat Angst und ständig Durchfall

Frage: Bully Herbig soll Sie ermuntert haben, für den Film ein paar Kilo zuzunehmen. Warum half das der Rolle? Das Vorbild Ihrer Figur ist doch schlank.

Antwort: Es geht darum, eine fiktive Figur zu gestalten. Der echte Juan Moreno sieht nicht so aus wie ich im Film; worum es Bully ging: Man sollte vergessen, dass ich es bin. Viele Leute haben ein bestimmtes Bild im Kopf, wenn sie meinen Namen hören. In den „Fack ju Göhte“-Filme zum Beispiel haben wir die Äußerlichkeiten auf die Spitze getrieben, bis hin zum Ausstellen eines Sixpacks. Juan Romero sollte eine Figur sein, die man von mir noch nicht gesehen hatte.

Frage: War das auch ein Wunsch von Ihnen: Den eigenen Körper verändern, um das Rollenfach zu ändern?

Antwort: Nein, ich habe mich ja früher auch schon für Rollen verändert. Um wie Zeki Müller auszusehen, muss ich vorher ein halbes Jahr Sport machen und nichts als Broccoli und Hühnchen essen. Diesmal war es leichter. Ich habe einfach nur mehr gegessen als sonst und konnte mir das Gym ersparen. Und ich habe eine Perücke auf; das gab es vorher, glaube ich, auch noch nie.

Frage: Zur Vorbereitung haben Sie Juan Moreno getroffen. Was haben Sie ihn gefragt?

Antwort: Ich wollte wissen, wie es ihm bei der Sache gegangen ist. Was ihn angetrieben hat. Wie er es geschafft hat nicht aufzugeben. Er hat bei der Sache ja fast seine Karriere verloren. Er hat große Risiken in Kauf genommen, einfach nur, weil er die Wahrheit wissen wollte. Und keiner hat ihm geglaubt. Es ist ein schreckliches Gefühl, wenn einem so großes Unrecht getan wird. Und ich wollte wissen, wie er damit umgegangen ist.

Frage: Haben Sie sich auch etwas aus seiner Körpersprache abgeguckt? Bully Herbig berichtet, dass Sie am Set über das typische Gestenrepertoire von Journalisten diskutiert haben.

Antwort: Na, klar, ich habe mich gefreut, Juan treffen zu können. Aber natürlich kennen wir Journalisten alle auch aus Interviewsituationen – und beobachten, wie sie Vertrauen aufbauen und an Informationen rankommen, die man ihnen vielleicht gar nicht geben wollte.

Frage: Was erzählen sich Schauspieler nach einem Interviewtag denn über die Journalisten?

Antwort: Ach, das ist wie bei Ihnen auch: Manche mag man und über manche wird gelästert. Manchmal kommt man bei Interviews in unangenehme Situationen.

Frage: Welche Fragen können Sie am wenigsten leiden?

Antwort: Ich finde es superunangenehm, wenn private Fragen kommen. Ich verstehe, dass das die Leserschaft interessiert. Aber es müsste sich mittlerweile rumgesprochen haben, dass ich kein großer Fan davon bin, ständig aus meinem Privatleben zu berichten. Wenn das nicht respektiert wird, wenn dann immer noch eine Frage kommt und jede tiefer in die Privatsphäre eindringt – dann ist es schon unangenehm.

Frage: Das hat sich wirklich rumgesprochen. In einem Podcast wurde ein Interview mit Ihnen neulich mit diesen Worten anmoderiert: „Elyas M‘Barek zu interviewen, ist, als würde man versuchen, mit seifigen Händen einen Aal einzufangen.“

Antwort: Wirklich? Das ist mein Ruf? Das wusste ich gar nicht, dass ich so einen schlimmen Ruf habe! (Elyas M‘Barek lacht.)

Frage: Wer Sie Privates fragt, weiß ganz sicher, worauf er sich einlässt.

Antwort: Ich verstehe aber auch Kollegen nicht, die in Interviews alles von sich preisgeben. Das will doch kein Mensch.

Frage: Es stimmt: Ich würde einen Freund nicht einfach so fragen, was er nachts geträumt hat. Aber wenn Sie einen Film voller Traumsequenzen promoten, würde ich Sie genau das fragen.

Antwort: Träume sind vielleicht sogar in Ordnung. Da geht es ja um mich; aber wenn ich nach meinem Privatleben gefragt werde, geht’s auch um andere Leute, die ich dann schützen muss. Die Menschen aus meinem Privatleben sitzen nicht mit im Raum und die wollen vielleicht auch gar nicht in der Öffentlichkeit stattfinden. Prinzipiell gilt natürlich: Man kann mich alles fragen. Man muss nur damit klarkommen, wenn ich keine Antwort gebe.

Frage: Haben Sie das Problem, dass über Sie oft erfundene Geschichten erscheinen?

Antwort: Das Problem habe nicht ich, sondern die Leute, die das tun, – weil sie Post vom Anwalt bekommen.

Frage: Also, das heißt: Es passiert schon immer wieder?

Antwort: Ich habe einen Medienanwalt, und der ist gut beschäftigt.

Frage: Würden Sie uns ein, zwei schrille Fake-Geschichten über sich erzählen, von denen Sie selbst erst aus der Zeitung erfahren haben?

Antwort: Wahrscheinlich darf ich das aus rechtlichen Gründen gar nicht im Detail zitieren. Aber was vielen Kollegen passiert, läuft auch bei mir: Es wird viel über meine Sexualität spekuliert. Das kann ich beantworten: Ich bin heterosexuell. Ich würde mich outen, wenn es anders wäre. Aber ich bin halt hetero. Ich habe auch keine acht Kinder. Solche Geschichten habe ich schon oft über mich gehört. Ich habe nicht fünf Ehefrauen. Man liest und hört viel Unwahres und dagegen gehe ich konsequent vor. Das muss man auch. Es geht schließlich nicht nur darum, dass keine Unwahrheiten über mich erscheinen – was ich natürlich nicht will. Es geht auch darum, dass die Leser nicht verarscht werden. Jedes Mal, wenn irgendjemand Unwahrheiten erzählt, schürt ein Misstrauen in die Medien. Und dann nutzen das die einen und schreien Fake News. Das erschüttert unsere Gesellschaft. Die Unwahrheit zu schreiben, ist ganz einfach demokratiefeindlich. Es ist gefährlich für unser Zusammenleben. Also ist es wichtig, darauf zu beharren, dass die Wahrheit gesagt wird – auch wenn es um mein Privatleben geht.

Frage: Welchen Medien trauen Sie so sehr, dass Sie ein Abo bezahlen?

Antwort: Ein ganzes Potpourri: Ich bin Abonnent von „sueddeutsche.de“ und „bild.de“. Ich hab die Digitalausgabe vom „Spiegel“; früher war ich auch Abonnent der Print-„Süddeutschen“, vor allem, weil ich die „jetzt“-Beilage am Montag geliebt habe. Das lese ich jeden Morgen alles quer. Dazu kommt Twitter, wobei ich da weniger den Kommentaren folge als den Nachrichtenmagazinen. Und abends gucke ich meistens die „Tagesschau“.

Ähnliche Artikel