Vereine in der Energiekrise 32.000 Euro für die eigene Halle – Emder TV in Not
Die Sportvereine ächzen unter der Energiekrise. Die Bronshalle ist Eigentum des Mehrspartenvereins Emder TV. Der Vorstand hat schon verschiedene Maßnahmen ergriffen - auch unpopuläre.
Emden - Am 10. September feierte der Emder Turnverein sein 160+1. Bestehen. Aus Pandemiegründen wurde die Feier ein Jahr nach hinten geschoben. An diesem Tag zeigte der Mehrspartenverein den Mitgliedern und Gästen bei verschiedensten Darbietungen seine beeindruckende Vielfalt. Ansonsten ist dem Vorstand aktuell eher nicht nach Feiern zumute. Denn auch viele Sportvereine ächzen massiv unter der Energiekrise.
Die Sorgenfalten sind besonders bei jenen Vereinen groß, die eigene Sportstätten besitzen. Beim Emder TV ist dies die Bronshalle. „Wir haben einen ganzen Hallenkomplex, der natürlich auch schon in die Jahre gekommen ist“, erzählt Vorsitzender Daniel Schipper. Schon frühzeitig habe sich der Vorstand mit der Frage beschäftigt, wo die Reise hingehen könne.
Appell an die Mitglieder
Dabei ging es dann um Themen, wie hoch die Räumlichkeiten geheizt werden und wie warm die Duschwassertemperatur sein wird. „Zum Glück haben wir eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, das hilft ein wenig. Unser altes Gebäude ist natürlich nicht 100 Prozent energetisch“, erklärt Schipper, der den Verein seit fünfeinhalb Jahren leitet. Zunächst appellierte der Vorstand an die Mitglieder, das Licht gewissenhaft auszuschalten und möglichst zu Hause zu duschen. Zudem wurde die Duschtemperatur heruntergefahren, auch das Intervall soll heruntergesetzt werden.
Jeder Privathaushalt bekommt die Kostensteigerungen mit, beim Emder TV geht die Erhöhung in die Tausende. Der Abschlag an die Stadtwerke Emden betrug 2021 rund 1500 Euro im Monat, dazu kam noch eine Nachzahlung in Höhe von 5000 Euro. Die Nachzahlung kam laut Schipper auch durch die Pandemie zustande. „Wir hatten höhere Heizkosten, da wir ja auch ständig lüften mussten. Die Tür in der Halle war fast immer auf.“
Massive Erhöhung der Abschläge
In diesem Jahr gab es schon eine kräftige Anpassung: „Anfang des Jahres wurde der Abschlag auf 2200 Euro erhöht, jetzt haben wir ihn noch einmal mit den Stadtwerken auf 2700 Euro angepasst. Bei diesen Summen bekomme ich Magenschmerzen“, erzählt Kassenwartin Erika Bastan. Insgesamt würden somit Kosten von 32.000 Euro jährlich anfallen. Vom Stadtsportbund erhält der Verein zwar einen Energiekostenzuschuss, dieser reicht natürlich nicht, um die Steigerungen zu finanzieren.
Um die Erhöhungen stemmen zu können, wurde Anfang September auf der Mitgliederversammlung eine unpopuläre Maßnahme beschlossen. „Es gibt keinen guten Zeitpunkt für eine Beitragserhöhung. Wir haben uns dazu durchgerungen, die Beiträge für Erwachsene um einen Euro pro Monat anzuheben“, erzählt Daniel Schipper. Seit zehn Jahren seien die Beiträge stabil geblieben, künftig zahlen Erwachsene monatlich 9,50 Euro, die Beiträge für Kinder wurden nicht angefasst. Der Familienbeitrag wurde um zwei Euro erhöht, beträgt nun 17 Euro. Von den 1575 Mitgliedern sind rund ein Drittel Erwachsene.
Generierung weiterer Einnahmen
Zudem versucht der Verein neben Sparmaßnahmen noch weitere Einnahmen zu genieren. Das geht zum einen über Spenden und Sponsoren, zum anderen aber auch über Hallengebühren. So stellt der Verein unter anderem der Freien Schule Emden und Sportgruppen vom Zoll die Bronshalle zur Verfügung und erzielt dadurch Einnahmen. Vielleicht gibt es in Zukunft noch weitere Nutzer, der Verein befindet sich in Gesprächen mit einer weiteren Schule.
„Vieles ist auf dem Prüfstand. Wir müssen uns leider auch damit beschäftigen, möglicherweise Kurse und Angebote einzustellen, die nicht so stark nachgefragt werden. Darunter leidet die Vielfalt, aber anders wird es kaum funktionieren“, glaubt Schipper, der selber im Verein auch Übungsleiter ist.
Investitionen auf Eis
Größere Anschaffungen oder Investitionen könnten aktuell nicht genehmigt werden. „Da gibt es bei den Abteilungen aber auch viel Verständnis“, weiß Kassenwartin Eirka Bastan zu berichten.
Nun hofft sie mit ihren Vorstandskollegen auf ein ebenso großes Verständnis bei den Mitgliedern. Durch die Pandemie war der Verein sehr lange im Krisenmodus. Daran wird sich erst einmal nichts ändern.
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