Kolumne „Klare Kante“ Grünäugiger Abschied
Diesmal rechnet unser Kolumnist mit der Energiepolitik der Ampel ab – gerade auch im Hinblick auf die Wahl in Niedersachsen.
In der Schlussphase des niedersächsischen Wahlkampfes fragt man sich, warum die etablierten Parteien nach der gescheiterten Energiepolitik der Vergangenheit keinen Ehrgeiz für ein nationales Sicherungsprogramm der Zukunft zeigen. Dabei geht es nicht nur um die jahrzehntelange fahrlässige Auslieferung an die russischen Gas-Produzenten und damit Wladimir Putin mit einem ehemaligen Bundeskanzler als Lobbyisten, auch der von der ganzen Welt mit Staunen betrachtete deutsche Sonderweg des gleichzeitigen Ausstiegs aus Kohle und Kernkraft sollte zu neuen politischen Einsichten führen.
Der Bundeskanzler ist bei der Suche nach preisgünstiger Energie verständlicherweise viel in der Welt unterwegs, macht Bücklinge vor Autokraten in Nahost, sein Wirtschaftsminister sehnt sich französischen Atomstrom in alter Stärke herbei, eine seriöse Debatte über konkrete Schritte zur Gasförderung in Deutschland findet aber nicht statt. Das Fracking-Thema wird nur mit spitzen Fingern angefasst. Dabei gibt es gerade in Niedersachsen gigantische Erdgasvorkommen, bei deren Erschließung sich Deutschland unabhängig von problematischen Märkten in der Welt machen könnte. Die Ausbeutung von Schiefergesteinsschichten wurde vor über einem Jahrzehnt für tot erklärt und wird jetzt trotz großer technischer Fortschritte nicht wieder belebt. Das Thema habe keine gesellschaftliche Akzeptanz, die Förderung sei zu gefährlich, heißt es in der Politik.
Deutschland verdrängt die Zukunft. Das zeigt auch die Debatte über die Kernenergie. Statt der groß- und hochmütigen Entscheidung, mit gnädiger grüner Zustimmung zwei der noch im Betrieb befindlichen Kernkraftwerke weiter laufen zu lassen, sollte man sich neue, revolutionäre Reaktor-Konzepte, die das Risiko eines Unfalls senken und Kernschmelzen unmöglich machen sollen, genau ansehen. Während Atomreaktoren der dritten und vierten Generation in Finnland und Frankreich entstehen, hat sich das einst bei dieser Technologie in der Welt führende Deutschland grünäugig verabschiedet.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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