Ergebnisse aus dem Wahlkreis Aurich Zwei Auricher sitzen im neuen Landtag
Die Stadt Aurich ist im neuen Landtag doppelt vertreten: durch Wiard Siebels (SPD) und Saskia Buschmann (CDU). Entsetzen herrscht jedoch über ein anderes Ergebnis.
Aurich - Dem neuen Landtag werden zwei Abgeordnete aus Aurich angehören: Wiard Siebels (SPD) hat den Wahlkreis Aurich souverän gewonnen – wenn auch mit einem geringeren Erststimmenanteil als 2017. Der 44-jährige Abgeordnete landete mit 44,7 Prozent deutlich vor seiner CDU-Herausforderin Saskia Buschmann (26,1 Prozent). Die 43-jährige Polizeibeamtin musste bis zum späten Abend zittern, doch dann war klar: Ihr Listenplatz 22 reicht für den erstmaligen Einzug ins Parlament in Hannover. Mit dem Abschneiden ihrer Partei war Buschmann unzufrieden, über ihr persönliches Ergebnis jedoch glücklich.
Detlev Krüger aus Südbrookmerland, der für die Freien Wähler angetreten war, errang mit 12,7 Prozent der Erststimmen einen respektablen Erfolg und den dritten Platz. Allerdings spielen die Freien Wähler landesweit keine Rolle, weshalb dem 52-Jährigen der Weg in den Landtag versperrt bleibt.
AfD deutlich überm Landesschnitt
Das Erststimmen-Ergebnis von Viola Czerwonka (Grüne) aus Aurich lag mit 10,8 Prozent geringfügig über dem Zweitstimmenergebnis ihrer Partei. Menko Bakker (FDP) aus Aurich knackte im Unterschied zu seiner Partei die Fünf-Prozent-Hürde (5,8 Prozent).
Überschattet wurde die Freude über die eigenen Ergebnisse bei allen Kandidaten vom Entsetzen über das gute Abschneiden der AfD. Die Partei, die ohne Direktkandidaten angetreten war, holte im Wahlkreis 15,6 Prozent der Zweitstimmen – deutlich mehr als die Grünen und auch deutlich mehr als im Landesschnitt.
„Das hätte ich nicht gedacht“
Obwohl er als Wahlleiter zur Neutralität verpflichtet ist, war auch Landrat Olaf Meinen (parteilos) erschrocken über das AfD-Ergebnis: „Das ist schon nicht positiv überraschend, das hätte ich nicht gedacht.“
Wahlsieger Siebels glaubt nicht, dass die AfD-Wähler alle Rechtsextremisten sind. Viele seien von Existenzangst getrieben. „Das bedeutet eine Verpflichtung für uns, uns noch mehr um das Thema zu kümmern.“ Das Ergebnis der SPD sei „Grund zur Freude, aber kein Grund zum Jubeln“, denn in den kommenden Monaten liege „eine riesengroße Aufgabe vor uns, das Ruder vernünftig festzuhalten“, sagte Siebels. Die CDU-Kandidatin Buschmann nannte das AfD-Ergebnis „unglaublich“. „Das darf so nicht sein.“
„Solidarität kennen die nicht“
Detlev Krüger von den Freien Wählern zeigte sich vor allem über das gute Abschneiden der AfD in seiner Heimatgemeinde Südbrookmerland entsetzt. Dort sind die Rechtspopulisten deutlich vor der CDU gelandet. Es sei nicht gelungen, den Protest der Unzufriedenen in Zweitstimmen für die Freien Wähler umzumünzen. Dabei böten die Freien Wähler im Unterschied zur AfD echte Alternativen, so Krüger. „Wir sprechen viele Themen an.“ Die Grünen-Kreistagspolitikerin Gila Altmann (Aurich) warf der AfD vor, mit der Angst der Menschen zu spielen. „Hauptsache, Gas – egal, wo wir’s herkriegen. Solidarität kennen die nicht.“ FDP-Kandidat Bakker sieht alle anderen Parteien in der Pflicht zu überlegen, „wie wir damit umgehen“.
Siebels, der Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion ist, machte sich noch am Abend auf den Weg nach Hannover. Er wird als künftiger Fraktionsvorsitzender und Nachfolger von Hanne Modder gehandelt. Sein Kommentar: „Ich werde meinen Job in Hannover – egal, in welcher Funktion – mit Engagement weitermachen.“