Digital total Eine gedruckte Zeitung hat was Handfestes
Am Dienstag geht es in unserer Kolumne immer um Digitales und Technik. Heute weiß unser Kolumnist aber auch die Vorzüge einer gedruckten Zeitung zu schätzen.
Viele Leser dieser Kolumne werden es nicht wissen, aber ich wohne nicht in Ostfriesland. Ich bin auch kein gebürtiger Norddeutscher. Allerdings habe ich, als ich anfing, für diese Zeitung zu schreiben, noch in Hamburg gewohnt. Vor ein paar Jahren war ich dann aus persönlichen Gründen gezwungen, aus meiner Hamburger Wunschheimat zurück in meinen Geburtsort im Rheinland zu ziehen. Trotz alledem liegt mir der Norden Deutschlands immer noch besonders am Herzen und vor allem die Ostfriesen sind mir mit ihrer Art einfach sympathisch. Deswegen besuche ich den Norden, wann immer mir dies möglich ist.
So war ich dann auch vor Kurzem mal wieder aus privaten Gründen in Ostfriesland und habe bei dieser Gelegenheit dann auch endlich mal das Verlagshaus in Leer und die Redaktion in Emden besucht. Bei diesem Besuch in Ostfriesland habe ich dann auch zum ersten Mal eine gedruckte Ausgabe gelesen. Da ich mit Computern aufgewachsen bin, seit ich ein kleines Kind war, und auch schon weit vor der Jahrtausendwende viel im Internet unterwegs war, liegen mir gedruckte Zeitungen und Magazine eigentlich ziemlich fern. Selbst in der Zeit, als ich fest für ein Print-Magazin gearbeitet habe, zog ich es immer vor, die eigene Arbeit und die der Kollegen online zu lesen. Und so geht es mir auch jetzt noch mit der Arbeit der Redaktionskollegen.
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Trotzdem muss ich immer wieder feststellen, dass eine gedruckte Zeitung oder ein gedrucktes Magazin etwas Handfestes hat, das man mit einer Webseite oder einem PDF einfach nicht erreicht. Die eigene Arbeit oder die von Kollegen gedruckt vor sich zu haben, macht sie auf eine Art und Weise real, die mich immer wieder überrascht. Ich weiß nicht, warum das so ist. Aber Zeitungen sind da wohl keine Ausnahme, denn Musiker verdienen ja auch in Streaming-Zeiten noch viel Geld mit Sondereditionen von CDs und Platten.
Vielleicht sind unsere Gehirne einfach nicht dafür gebaut, digitale Objekte auf dieselbe Art wertzuschätzen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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Mittendrin, statt nur digital dabei
Meine Texte will online keiner lesen