50 Jahre Gebietsreform  Ostfriesische Landkreise arbeiten Hand in Hand

Tobias Rümmele
|
Von Tobias Rümmele
| 11.10.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Busse der VEJ sind in ganz Ostfriesland unterwegs. Foto: Archiv
Busse der VEJ sind in ganz Ostfriesland unterwegs. Foto: Archiv
Artikel teilen:

Ob im Nahverkehr oder bei der Digitalisierung: Gemeinsam ist man stärker. Auch wenn Ostfriesland politisch keine Einheit bildet, arbeiten die Verwaltungen in der Region zusammen.

Landkreis Leer - Vor 50 Jahren wurden in Ostfriesland Gemeinde- und Landkreisgrenzen neu gezogen. Wenige Jahre später verschwand 1978 Ostfriesland endgültig als politische Einheit von der Landkarte. Bis dahin umfasste der Regierungsbezirk Aurich das gesamte ostfriesische Festland sowie alle Ostfriesischen Inseln bis auf Wangerooge. Diese letzte Erinnerung an eine ehemalige ostfriesische Eigenstaatlichkeit ging im neu gegründeten Regierungsbezirk Weser-Ems auf.

Was und warum

Darum geht es: Die kreisübergreifenden Kooperationen der ostfriesischen Landkreise.

Vor allem interessant für: Menschen, die mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind.

Deshalb berichten wir: Im Rahmen unserer Serie zur Gebietsreform blicken wir auf die Strukturen, in denen Ostfriesland verwaltet wird.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Trotzdem blieben die ostfriesischen Landkreise und die Stadt Emden in manchen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Belangen besonders eng verbunden. Bis heute gibt es eine Reihe von Kooperationen zwischen den drei Landkreisen Leer, Wittmund und Aurich sowie der Stadt Emden.

Ostfriesische Digitalisierung gebündelt in Leer

Jüngstes Beispiel ist der Digital Hub in Leer. Dort sollen zum Beispiel Digital-Schulungen für Unternehmen in Ostfriesland angeboten werden. Das Projekt wird vom Landkreis Leer in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Aurich, Wittmund und Emden, der Hochschule Emden/Leer und mehr als 30 Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung organisiert.

Die Einrichtung soll lebensnahe Antworten für jede Frage zur Digitalisierung geben. So erläuterte es Landrat Matthias Groote (SPD) beim Rundgang durch die neue Einrichtung, die im ehemaligen EWE-Gebäude an der Gaswerkstraße in Leer zu finden ist. „Wir wollen Menschen zusammenbringen“, sagte Groote im Vorfeld der Eröffnung gegenüber der Redaktion.

Kreisübergreifende Mobilität

Im öffentlichen Raum am sichtbarsten ist die kreisübergreifende Kooperation im Nahverkehr. 1997 wurde die Verkehrsregion Ems-Jade (VEJ) gegründet. Die Vorteile liegen auf der Hand. „Mobilität endet nicht an der Kreisgrenze“, sagt VEJ-Geschäftsführer Jürgen Rachner. „Die Menschen wünschen sich einen einfach nachvollziehbaren Öffentlichen Personennahverkehr. Das ist der entscheidende Grund der Zusammenarbeit.“ Dazu gehöre, dass ein Tarif gilt, wenn man etwa mit dem Bus vom Landkreis Leer in den Landkreis Aurich fahre. „Die Kooperation der Landkreise spiegelt auch das Nutzungsverhalten der Fahrgäste wider“, so Rachner.

Als die VEJ gegründet wurde, galt die Region als strukturschwach. Ostfriesland litt unter hoher Arbeitslosigkeit. Das Land Niedersachsen rief deshalb die Strukturkonferenz Ost-Friesland ins Leben. „Man wollte helfen, Ostfriesland nach vorne zu bringen“, sagt Rachner. Der Verkehr und die Infrastruktur seien damals zentrale Themen der Beratungen gewesen.

Herausforderungen der Zukunft

Eines der Ergebnisse war der Zusammenschluss der Landkreise Leer, Aurich, Wittmund, Friesland sowie der Städte Emden und Wilhelmshaven im VEJ. Zu dem Verbund, der damit die gesamte ostfriesische Halbinsel umfasste, kam schließlich noch der Landkreis Emsland hinzu. Inzwischen ist auch die Stadt Leer Gesellschafter des Verkehrsverbundes.

Für die Zukunft sei weiterhin eine enge Kooperation der Landkreise nötig, ist Rachner überzeugt. „Der ÖPNV wird ein ganz wichtiger Faktor bei der Mobilitätswende“, so der VEJ-Geschäftsführer. Auf den Verbund und seine Gesellschafter kämen zahlreiche Herausforderungen zu, die eine noch intensivere Zusammenarbeit erfordern. „Wir leiten bereits jetzt Schritte dazu ein“, sagt Rachner. Beispiele für Aufgaben, die vor dem Verbund liegen seien der weitere Ausbau in der Fläche, die Verdichtung des Fahrplanangebotes und ein vereinfachtes Tarifsystem.

Ähnliche Artikel