Kinderbetreuung in Ihlow  Neue Krippe startet als Niedrig-Energie-Flaggschiff

| | 12.10.2022 14:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Front mit dem Eingangsbereich der neuen Krippe „Dat Krabbelhus“ in Weene. Sie bildet den Kopf des Käfers, den die Grundform des Gebäudes darstellt. Foto: Böning
Die Front mit dem Eingangsbereich der neuen Krippe „Dat Krabbelhus“ in Weene. Sie bildet den Kopf des Käfers, den die Grundform des Gebäudes darstellt. Foto: Böning
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Am Donnerstag werden die ersten Kinder in der neuen Krippe in Weene erwartet. Ihr Energiekonzept passt perfekt zum am Dienstag im Ihlower Rat beschlossenen Papier zur Energie-Wende.

Ihlow-Weene - Draußen laufen noch die Pflasterarbeiten, ein Lader reinigt mit einer dicken Bürste die Fahrbahn vor dem neuen Gebäude. Im Vorgarten summt die Heizwärmepumpe bereits friedlich vor sich hin und sorgt dafür, dass es in der neuen Krippe in Weene kuschelig warm wird. Hier läuft der Countdown für die ersten vier Kinder: Sie werden am Donnerstag die Vorhut sein und können die Räume im neuen Gebäude gegenüber der Kirche in Weene schon einmal erobern. Noch sind die zwar leer, aber die Ausstattung liegt bereit. Die Zwischenetagen für die Gruppenräume müssen noch montiert werden. Alles andere wird noch für die ersten Besucher aufgebaut.

Was und warum

Darum geht es: Die Gemeinde Ihlow ist auf Energiespar-Kurs. Die neue Krippe in Weene ist ein gutes Beispiel dafür. Weitere Projekte sind in Planung.

Vor allem interessant für: Familien, Häuslebauer, Planer und Kommunen.

Deshalb berichten wir: Durch Zufall haben wir erfahren, dass am Donnerstag die ersten Kinder ihren ersten Tag in Weene haben.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Offiziell ist der Start in der Krippe „Dat Krabbelhus“ am Montag, 17. Oktober, geplant. Dann können die anderen neuen ein bis zweijährigen Kinder ihren ersten Krippentag mit den Eltern beginnen. 30 werden es insgesamt. Die vier Frühstarter haben die Eingewöhnung schon hinter sich und werden bereits provisorisch in einem Container in Ihlow betreut.

Kaum Verspätung trotz Materialengpass

„Sie sollen sich vorab schon einmal an die neuen Räume gewöhnen“, sagt Anette Lang. Sie hat den Neubau seitens der Gemeinde Ihlow betreut. Nur eineinhalb Monate später als geplant öffnet die neue Krippe. Trotz der wegen Corona-Fällen ausgefallenen Bau-Teams und trotz Material-Engpässen. „Wir sind eigentlich gut durchgekommen“, sagt Lang sichtlich zufrieden.

Die Toiletten sind das Niedlichste an neuen Krippen. Sie sind kaum mehr als knöchelhoch. Foto: Böning
Die Toiletten sind das Niedlichste an neuen Krippen. Sie sind kaum mehr als knöchelhoch. Foto: Böning

Auch die Kosten sind überschaubar geblieben. Nachdem für den Bau zunächst 2,2 Millionen Euro veranschlagt waren, hatte die Gemeinde bereits zur Grundsteinlegung vorsichtig angedeutet, dass es mehr werden könnte. „Unter drei Millionen Euro“, hatte Lang noch vor einem Jahr vorsichtig geschätzt. „Jetzt kommen wir etwa auf 2,5 Millionen Euro“, hat sie aktuell überschlagen. Nicht alles konnte bereits geliefert werden: Die Ausgabemensa, in der Essen für die Kinder warm gehalten werden kann, lässt wegen Lieferengpässen auf sich warten. „Auch die Spielgeräte im Außenbereich werden frühestens im Frühjahr geliefert“, sagt Lang. Gute Nachricht: Die Arbeiten im Außenbereich werden in ein paar Wochen abgeschlossen sein.

Neues Konzept zum Energiesparen beschlossen

Das Gebäude passt mit seinem Energiekonzept gut zum neuen Orientierungsrahmen für die Energiewende in Ihlow. Den hatte der Gemeinderat erst am Dienstag einstimmig verabschiedet. Darin geht es darum, wie zukünftig Energie gespart werden soll und wie die Gemeinde auf regenerative Energie setzen möchte. Die neue Krippe ist dafür ein gutes Beispiel.

Das Gebäude kommt ohne Gasheizung aus. Geheizt wird über eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Sie funktioniert wie ein Kühlschrank – nur umgekehrt. Den Strom für das Heiz- und Lüftungssystem liefert eine Photovoltaikanlage. Auch die Beleuchtung über LEDs im und am Gebäude ist auf Effizienz ausgerichtet. Sie reguliert sich selbst, je nachdem wie viel Tageslicht hereinkommt und ob jemand im Raum ist. Mit dieser Steuerung sollen noch einmal etwa 40 Prozent der Beleuchtungskosten gespart werden.

Auch Baugebiete ohne Gasanschluss

Die Häuslebauer der neuen Baugebiete können sich zukünftig an der Krippe in Weene ein Beispiel nehmen. Denn das neue Baugebiet in Ihlowerfehn (ehemals Gärtnerei Kuhlmann) wird ebenfalls ohne Gasanschluss auskommen müssen. Geheizt werden könnte dort zum Beispiel wie in Weene über Wärmepumpen oder mit Blockheizkraftwerken.

Die Gemeinde will mit dem jetzt von allen Parteien gemeinsam beschlossenen Papier der EU-Vorgabe näherkommen: Ziel ist es 20 Prozent der Energie zu sparen. „Das wollen wir nicht wie die Bundespolitik im Krisenmodus machen, sondern auf dieser für alle verlässlichen und gemeinsam beschlossenen Grundlage“, sagt Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos). Weitere Maßnahmen können unter anderem Dach- und Wandsanierungen der öffentlichen Gebäude sowie Photovoltaikanlagen auf Freiflächen und Dächern sein, wenn die Politik mitzieht. Auch der Einsatz von Erd- und Luftwärmepumpen soll geprüft werden.

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„Bei all diesen Maßnahmen soll eine Bürgerbeteiligung gewährleistet werden“, heißt es in dem Papier. Wer sich von der Wirksamkeit der Maßnahmen überzeugen möchte, kann demnächst die Verbrauchsdaten der öffentlichen Gebäude auf der Internetseite der Gemeinde Ihlow verfolgen. „So wollen wir einen kleinen Wettbewerb initiieren, möglichst effizient mit der Energie zu haushalten“, so Ulrichs. Bei den Startbedingungen wird die Krippe in Weene sicher ganz vorne mit dabei sein.