Osnabrück Es wird zur Existenzfrage, Fachkräfte nach Deutschland zu locken
In diesem Jahr wird Deutschland wieder Rekordzahlen bei der Zuwanderung haben - doch die wenigsten sind gut ausgebildete Arbeitskräfte aus dem Ausland. In diesem Punkt liegt die Republik weit hinter ihren Zielen zurück. Das soll und muss sich ändern.
Es ist eine Krux: Nach Deutschland werden in diesem Jahr voraussichtlich mehr Menschen kommen als im Flüchtlingskrisen-Jahr 2015 - doch es sind viel zu wenige Fachkräfte darunter. Die Erkenntnis, dass die Republik qualifiziertes Personal aus dem Ausland braucht, das offene Stellen besetzen kann, ist nicht neu, wird aber mit immer mehr Nachdruck vorgetragen. Denn an allen Ecken und Enden fehlen Spezialisten und Arbeitskräfte. Nun hat die Bundesregierung eine Initiative gestartet, die zu begrüßen ist - die Frage ist nur, ob sie halten kann, was sie verspricht.
Die Lage ist ernst: Laut Bundesregierung braucht die deutsche Wirtschaft mindestens 400 000 Menschen pro Jahr, um die immer größer werdenden Lücken auf dem Arbeitsmarkt zumindest ansatzweise zu füllen.Gelingt das nicht, wird das die Wirtschaft bremsen oder besser gesagt: Für viele Firmen wird es zur Existenzfrage, gute Leute zu finden.
Es wird jetzt davon abhängen, welche Vorschläge Arbeitsminister Hubertus Heil und Innenministerin Nancy Faeser nun vorlegen. Dabei darf auch nicht fehlen, dass die Regierung Beschäftigungsverbote für Asylsuchende und Geduldete abschafft - sie dürfen nicht länger zum Nichtstun gezwungen werden. Die lähmende Bürokratie gehört abgeschafft, Abschlüsse müssen schneller und leichter anerkannt werden, damit Menschen gleich in ihrem Fachgebiete arbeiten können und nicht als Hilfsarbeiter anfangen müssen.
Auch wenn die Einwanderung der wichtigste und zugleich umstrittenste Punkt der Reform ist, ist noch mehr nötig. Ausbildung, Weiterbildung, Frauenerwerbstätigkeit sind die Schlagworte. Die Regierung muss dafür sorgen, dass die Zahl der rund 50 000 Schulabbrecher jährlich und der jungen Menschen ohne Ausbildung sinkt. Sie muss Müttern, die unfreiwillig in Teilzeit oder gar nicht arbeiten, mehr Möglichkeiten eröffnen, etwa bei der Kinderbetreuung. Wer als Beschäftigter den Anschluss an neue Technologien verpasst hat, muss gezielte Förderung erhalten. All diese Punkte hat die Ampel-Koalition im Prinzip auf der Agenda - hoffentlich setzt sie sie auch in der Praxis um.