Berlin Kubicki zu Sexismusvorwürfen in der FDP: „Flirten ist immer noch denkbar, hoffe ich“
Seit die Liberalen in der Bundesregierung sind, wählt sie kaum noch einer. FDP-Vize Wolfgang Kubicki erklärt in der Polittalkshow „Maischberger“ die Rolle in der Koalition und nimmt Stellung zu Sexismusvorwürfen in seiner Partei - und gegen sich selbst.
Eine besondere Ausgabe der Polittalkshow „Maischberger“ hatte der ARD für Mittwochabend angekündigt. Zu Gast waren Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sowie die drei Journalisten Theo Koll (ZDF), Eva Schulz (funk) und Alexander Kissler (NZZ). Zudem hatte Maischberger die schwedische Klimaschutz-Ikone Greta Thunberg im Vorfeld interviewt.
Das Video zum Gespräch ist bereits vorab online geteilt worden. Darin erklärt die 19-Jährige, sie halte es für falsch, die noch aktiven Atomkraftwerke in Deutschland abzuschalten:
Im Studio befragte Maischberger Wolfgang Kubicki unter anderem zum ernüchternden Ausscheiden aus dem Landtag in Niedersachsen. FDP-Chef Christian Lindner hatte bereits angekündigt, dass seine Partei „die Rolle der FDP in der Koalition“ überdenken würde. Bricht die FDP jetzt mit der Koalition? Kubicki stellte in der Sendung klar: „Nein, kein verantwortlicher Politiker der FDP spielt mit dem Bruch der Ampel.“
Die Gäste bei „Maischberger“:
Kubicki erinnerte an den „Spirit“, der zu Beginn der Koalition in der Bundesregierung geherrscht hatte. Mittlerweile entstehe der Eindruck, dass dieser passé ist. „Entweder wir kehren dahin zurück oder wir werden erleben, dass jeder das seine macht in der Koalition. Das sind wir immer noch in der Koalition, aber dann gibt es keine gemeinsamen Projekte mehr“, betonte Kubicki.
Zum Hintergrund: Lindner hatte die Aussagen von Thunberg als Zustimmung seiner Partei interpretiert, schließlich wolle auch die FDP, dass die Atomkraftwerke in Zeiten der Energiekrise weiterlaufen.
Intensiver wurde hier der Umgang mit den Sexismusvorwürfen der ehemaligen FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin auch gegen ihre eigene Partei thematisiert. In ihrem Buch „Jetzt, wo ich schon mal nicht tot bin“ schildert sie einen nahezu systematischen Sexismus in der Politik. Kubicki versicherte, dass dieses Problem „seit Übernahme der Verantwortung der Partei durch Christian Lindner und mich komplett abgestellt worden“ sei. Wirklich? Maischberger konfrontierte Kubicki mit einem Zitat aus einem „Zeit“-Interview aus dem Jahr 2010. Hier hatte der FDP-Politiker erzählt, dass er Koch-Mehrin einst in einem Café „angebaggert“ hätte.
Silvana Koch-Mehrin veröffentlichte jetzt ihr Buch:
„Flirten ist immer noch denkbar, hoffe ich jedenfalls“, rechtfertigte der Bundestagsvizepräsident seine Aktion. Auf Nachfrage von Maischberger, ob das wirklich noch als Flirt gelte, belehrte Kubicki sie in Sachen regionale Unterschiede: „Ja, in Schleswig-Holstein heißt anbaggern flirten.“ Im besagten „Zeit“-Interview hatte Kubicki erzählt, dass er in der Café-Situation fluchtartig die Szene verlassen hätte, als Koch-Mehrins Ehemann aufgetaucht war. „Urplötzlich stand so ein Typ neben mir, der dreimal so groß war wie ich und zweimal so breit und der auch ziemlich durchtrainiert aussah. Da hab ich mir gedacht: Es ist vielleicht doch besser, du gehst“, erinnerte sich Kubicki.
Maischberger hakte nach: Ein solches Verhalten sei heute also auch noch okay? „Zu flirten? Immer“, lautete Kubickis Antwort. Schließlich hätte Koch-Mehrin die damalige Aktion nicht als sexistisch oder unverschämt gewährtet, Maischberger könne sie ja selbst fragen. Maischberger: „Okay, frage ich sie“.