Neuer Trend bei Hotels Mikrohotels – statt eines warmen Lächelns gibt es einen Zahlencode
In Deutschland werden sogenannte Mikrohotels immer beliebter. Sie verzichten auf Service, sind dafür günstig. In Ostfriesland ist der Trend zum digitalen Self-Check-in auch angekommen.
Ostfriesland - „Wie war die Anfahrt? Hatten Sie eine gute Reise?“ Auf solche netten Fragen an der Rezeption verzichten zunehmend mehr Gäste. Sie erledigen stattdessen den Check-in selbst: an einem Terminalan der Rückseite des Hotels. Alles funktioniert digital. Eine solche Beherbergungsform mit dem kurzen Namen „24/7“ gibt es seit etwas mehr als zwei Jahren in Leer, und zwar mittlerweile an zwei Standorten. Der dritte ist kurz vor der Vollendung. Offiziell heißen diese Häuser Mikrohotels. Sie werden bundesweit immer beliebter. Einer der größten Anbieter ist Limehome. Das Start-up mit Sitz in München wurde vor zwei Jahren gegründet. Damals gab es 45 Standorte in Deutschland und Österreich. Die Firma wächst nach eigenen Angaben rasant.
Was und warum
Darum geht es: Discount-Mentalität bei Hotelbuchungen greift um sich.
Vor allem interessant für: Menschen, die gerne reisen
Deshalb berichten wir: Im Urlaub ist die Autorin auf die Self-check-in-Hotels gestoßen und wollte wissen, wie verbreitet sie in der Region sind. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Auch in Ostfriesland findet diese Übernachtungsform Nachahmer. „Wir waren vor drei Jahren, als wir unser Projekt geplant haben, die ersten in der Region und sind es meines Wissens auch noch immer“, sagt Funda Karper. Die Geschäftsführerin der 24/7-Betriebs-GmbH in Leer verzichtet auf eine Rezeption. Check-in und Check-out werden über einen Buchungsautomaten abgewickelt. Wenn dessen Display mit einem Code gefüttert wird, den der Gast vorher per E-Mail erhalten hat, spuckt er eine Zimmerkarte aus. „Weil ich das Personal für die Rezeption einspare, kann ich die Zimmer zu günstigen Preisen an meine Gäste vermieten“, streicht Funda Karper einen Vorteil des Systems heraus. Die Geschäftsfrau betont, dass ihr Unternehmen bei der Einrichtung der Räume nicht gespart habe. Das Mobiliar sei hochwertig. Der Gast werde nicht alleine gelassen, selbst wenn eine Rezeption vor Ort fehlt: „Ich bin rund um die Uhr telefonisch ansprechbar.“
Weder eine Lobby noch eine Bar
Das Konzept dahinter: Der Fokus wird auf das Schlafen gerichtet, die Übernachtung soll vor allen Dingen preiswert sein. Schlanke Prozesse und der Verzicht auf alle Dinge, die für konventionelle Hotelbetreiber selbstverständlich sind, sollen das ermöglichen. Der Nachteil: Es gibt weder eine Lobby noch eine Bar noch einen Frühstücksraum. Wo sonst Kontakte mit anderen Gästen angebahnt werden könnten, klafft eine Leerstelle. Was sagen Vertreter der klassischen Hotellerie zu diesem Modell? Eine Umfrage unter Hotelbetreibern im Landkreis Aurich ergab ein klares Votum: Mikrohotels erfüllen den Bedarf von Gästen, die bei ihren Reisen eher mit einem schmalen Budget kalkulieren und keinen Wert auf eine persönliche Ansprache vor Ort legen. Das Angebot habe seine Berechtigung, entspreche jedoch nicht dem, was das Wesen der Hotellerie ausmache, hieß es.
„Ich bin Gastgeberin aus Leidenschaft für die Sache“, fasst Alina Krüger das Selbstverständnis ihres Berufs zusammen. Die Auricherin ist Direktorin des Hotels am Schloss, das 2012 von den Unternehmern Hermann Krüger und Theo Bohlen eröffnet worden ist. In diesen Tagen feierte das Haus sein zehnjähriges Bestehen. Streng genommen gibt es das Hotel, das früher Piqueurhof hieß, bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts. Es war immer das erste Haus am Platz und steht unter Denkmalschutz. Tradition verpflichtet. Daraus leitet Alina Krüger auch ihr Konzept ab. „Unsere Gäste sind froh darüber, dass es den Service gibt, den wir bieten. Sie legen Wert auf persönliche Ansprache und Betreuung.“
Mangel an Fachkräften
Das sei ein Stück Luxus, das sich der ein oder andere gerne gönne. Mit der Auslastung in den vergangenen Monaten sei sie sehr zufrieden gewesen. Jetzt befinde man sich in der Nebensaison. Vorwiegend beherberge man Geschäftsleute oder Tagungsgäste. Es gebe aber auch Privatreisende, die oft sehr kurzfristig buchten: „Das erschwert die Planbarkeit.“ Für die Betreuung und Bewirtung der Gäste stehen 50 Mitarbeiter bereit. Alina Krüger sagt, sie begreife es als soziale Verantwortung, ihr Personal sicher durch die schwierigen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu navigieren.
Die Direktorin des Hotels am Schloss kann froh sein, dass sie engagierte Mitarbeiter hat. Auch in dieser Branche gibt es einen großen Mangel an Fachkräften. Erich Wagner sieht darin einen Hauptgrund für die Ausbreitung der Mikrohotels. Der Bezirksvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) befürchtet, es könne deswegen immer unpersönlicher in Beherbergungsbetrieben werden. „Wir sind gerade dabei, diese Frage zu analysieren.“ Wagner selbst betreibt in Wiesmoor das Hotel-Restaurant „Zur Post“. Nach seinem Dafürhalten hänge viel von der jungen Generation ab. Der müsse man den Vorteil der klassischen Hotellerie mit ihrem erlebnisorientierten Konzept schmackhaft machen. „In unserem Haus beobachte ich, dass mehr junge Menschen als früher sich etwas gönnen, Spaß daran haben, gut essen zu gehen und sich dafür auch schick zu machen“, sagt der Dehoga-Chef. Er hoffe, dass dieser Trend durchzündet.