Brüssel Koch-Mehrin zu Kubickis Flirterei: „Vermutete, da ist mehr im Spiel“
Wie erlebte Silvana Koch-Mehrin das Anbaggern von Parteikollege Wolfgang Kubicki einst bei einem beruflichen Treffen in einem Brüsseler Café? Die FDP-Politikerin schildert, sie habe die Flirterei damals gar nicht „als Problem wahrgenommen“, heute wäre dies anders.
Anfang der 2000er-Jahre gehört Silvana Koch-Mehrin zum jungen, aufstrebenden Personal in der FDP, als sie sich während ihrer Zeit als Mitglied des Europäischen Parlaments mit dem damaligen Fraktionsvorsitzenden im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, in Brüssel trifft. Thema des Gesprächs: ein möglicher Führungsjob für Koch-Mehrin als Generalsekretärin bei den Liberalen.
„Ich habe sie angerufen und habe gesagt: ‚Wir müssen mal drüber sprechen, wir brauchen eine Generalsekretärin der FDP, wie wäre es, wenn Sie sich darüber mal Gedanken machen?‘“, schilderte Kubicki in der Talk-Sendung „Maischberger“ am Mittwochabend. Koch-Mehrin habe ihn daraufhin zu einem Treffen nach Brüssel eingeladen. So weit, so harmlos.
Kubicki führte weiter aus: „Dann trafen wir uns zum Kaffee, und dann habe ich mit ihr geflirtet, und urplötzlich stand so ein Typ neben mir, der dreimal so groß war wie ich und zweimal so breit. Und der auch ziemlich durchtrainiert aussah. Da habe ich mir gedacht, ist doch vielleicht besser, wenn du gehst.“
Schon in einem „Zeit“-Interview im Jahr 2010 hatte Kubicki erzählt, dass er Koch-Mehrin einst in einem Café angebaggert habe. Für seine Schilderungen in der „Maischberger“-Sendung bekam Kubicki einen Sexismus-Shitstorm ab.
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Er selbst sah allerdings kein Problem in seinem damaligen Verhalten und bestritt auch nicht, dass er es heute wieder so machen würde. Öffentliche Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegenüber seiner Parteikollegin wies er zurück.
Der FDP-Politiker teilte am Freitag der Deutschen Presse-Agentur mit, der Vorwurf, es habe sich um ein „Jobgespräch“ oder das „Ausnutzen einer Machtposition“ gehandelt, „ist schon deshalb daneben, weil ich keine Machtposition innehatte und keinen Job zu vergeben hatte“. Kubicki: „Ich galt zum damaligen Zeitpunkt als Paria der Partei, war Vorsitzender der Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein. Frau Koch-Mehrin war eine Hoffnungsträgerin der FDP, war Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.“
Er sei von einer Reihe junger Politiker gebeten worden, mit Koch-Mehrin Kontakt aufzunehmen, um herauszufinden, ob sie sich diese Funktion vorstellen könne und um sie dafür öffentlich ins Spiel zu bringen. Das Vorschlagsrecht für den Generalsekretärsposten liege laut Parteisatzung aber beim Vorsitzenden. Das habe Koch-Mehrin auch gewusst.
Gegenüber dem „Spiegel“ übte Kubicki Kritik am Umgang mit seiner Person. Er halte „die Insinuierung“, er hätte „gegenüber der Kollegin Koch-Mehrin eine Machtposition ausgenutzt, für unseriös und für journalistisch unprofessionell“, sagte Kubicki dem Nachrichtenmagazin. Flirten sei noch etwas anderes als Übergriffigkeit, so Kubicki.
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Ob das Koch-Mehrin ebenfalls so empfand? Die 51-Jährige hatte damals offenbar eine Vorahnung, in welche Richtung sich das Gespräch entwickeln könnte. Gegenüber dem „WDR“ berichtete die ehemalige Europaabgeordnete am Donnerstag in der Sendung „Aktuelle Stunde“, sie habe vor 20 Jahren ihren Mann gebeten, „nach ungefähr einer Stunde mal vorbeizuschauen, weil ich schon vermutete, da ist mehr im Spiel“.
Silvana Koch-Mehrin spricht im WDR über die Flirterei von Kubicki:
Für Koch-Mehrin war das nach eigener Aussage damals kein Problem. Sie erhob auch keinen konkreten Vorwurf gegen Kubicki. Heute würde sie allerdings anders über die Situation denken: „Wenn meine Töchter mir heute erzählen würden, sie hätten einen solchen Termin und würden solche ‚Drumherum-Maßnahmen‘ ergreifen, würde ich mehr sehr erschrecken.“