Krisen und Sorgen Großinvestition in Emden wird wegen Baupreisen aufgeschoben
Die immer weiter steigenden Baustoffpreise verunsichern Privatleute und Investoren. In Emden ist die Umwandlung einer Schule auf Eis gelegt. Ein Baugebiet kommt offenbar ins Stocken.
Emden - Die Baupreise und Krisen verunsichern nicht nur private Häuserbauer. In Emden möchte ein Investor, der die Schule Nord im Stadtteil Barenburg zu einem Hotel mit Restaurant umbauen will, ebenfalls noch abwarten. Auch in der Hammerstraße im Stadtteil Port Arthur/Transvaal, wo im vergangenen Jahr ein städtisches Grundstück an einen privaten Investor verkauft wurde, tut sich nichts. Beim geplanten Baugebiet „Zum Bind II“ im Stadtteil Petkum kommt es ebenfalls schon zu Verzögerungen.
Was und warum
Darum geht es: die Auswirkungen der Baupreiskrisen auf geplante Investitionen in Emden
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für die Stadtentwicklung in Emden interessieren
Deshalb berichten wir: Im Stadtentwicklungs-Ausschuss wurde das Thema angesprochen und die Politik äußerte viel Kritik. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Die drei Beispiele wurden jüngst im Stadtentwicklungsausschuss des Emder Rates aufgeführt. „Die Baustoffpreise sind immens hoch“, sagte David Malzahn, Leiter des Fachdienstes Stadtplanung. Kein Mensch könne derzeit kalkulieren, wie die Bau- und auch Energiepreise noch steigen könnten. Insbesondere bei der Schule Nord, die von der Stadt bis zum Abschluss des Kaufvertrags in Schuss gehalten werden müsse, bedeute das ein finanzielles Risiko, meinte Andreas ten Hove von der SPD. Der Investor könnte noch abspringen. „Dann müssen wir wieder von vorne anfangen“, sagt Erich Bolinius, Vorsitzender der FDP-Fraktion.
Eichhorn: Verträge sollen „kreativer“ gestaltet werden
Jeder Investor könne jederzeit abspringen, erklärte David Malzahn. Im schlimmsten Fall müsse man dann noch einmal ein Vergabeverfahren starten und Planungen eventuell noch einmal durchführen. Er versicherte zwar, dass der Investor in den Startlöchern stehe und die Planungen „weit vorangeschritten“ seien. Die Politik aber fordert, prüfen zu lassen, inwieweit man Investoren insgesamt besser binden kann. „Man kann alles vertraglich ausklausulieren“, meinte Jochen Eichhorn, Vorsitzender der Wählergemeinschaft GfE. Ein Investor könne nicht „endlos ein Grundstück vorhalten“ und die Stadt „alles finanzieren“. Ein Vertrag müsse „kreativer“ gestaltet werden. „Wir müssen die Investoren festnageln“, so Eichhorn.
Harald Hemken (SPD) meinte, dass so etwas „schon gemacht“ worden sei. „Der Leerstand wird dann aber auch nicht besser“, meinte er. Investoren seien von solchen Verträgen abgeschreckt. Rainer Kinzel, Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Umwelt, sagte dazu, dass die Stadtverwaltung die Vorschläge der Politik, mehr Verbindlichkeit in die Situation zu bringen, „mitnehmen“ wolle. Er erklärte aber auch, dass die Stadt nach Abschluss eines Kaufvertrags beispielsweise keinen Einfluss mehr auf die Entwicklung eines Grundstücks oder eines Gebäudes habe. Ein gekauftes Gebäude könne ein Investor „auch vergammeln lassen“. Er sei aber in Bezug auf die Schule Nord „optimistisch“.
Bolinius: „Es dauert viel zu lange“
Die Schule Nord war einst als Marine-Fachschule gebaut worden. Nach Kriegsende zog dort die Grundschule Nord ein, später dann die Ausbildungs- und Arbeitsförderungsgesellschaft der Stadt Emden. Das Gebäude befindet sich in bester Nachbarschaft zum Boardinghouse „Quartier 96“ und dem Türmchengebäude auf dem ehemaligen Kasernengelände. Laut dem Entwurf des Investors soll in der Schule Nord ein Restaurant im Erdgeschoss mit Außenbereich und Wintergarten entstehen sowie in den oberen Stockwerken Hotelzimmer und Mitarbeiterwohnungen. „Der Entwurf bietet die besten Möglichkeit für alle“, versicherte David Malzahn. Der Bauantrag soll „jetzt bald“ gestellt und der städtebauliche Vertrag erarbeitet werden.
Stadtbaurätin Irina Krantz äußerte sich auf Nachfrage im Ausschuss zum Planungsstand bei dem Baugebiet „Zum Bind II“ und der Grundstückentwicklung an der Hammerstraße. Im Sommer hätten „kleinere Fragen zum Umweltbericht“ für das Baugebiet abgearbeitet sein können, meinte sie. „Es liegt aber nichts vor.“ Sie gehe nicht davon aus, dass - wie zunächst vom Investor angekündigt - im Frühjahr mit der Erschließung des Geländes begonnen werden könne. „Es dauert viel zu lange“, beschwerte sich Erich Bolinius, selbst Petkumer. Seit Jahren sei nichts passiert. Der Investor habe „zu viele Projekte auf einmal“ am Wickel. „Man muss Druck machen“, meinte er.
Bei der Hammerstraße gebe es „erste Versuche, etwas zu entwickeln“, so Krantz. Bislang lägen aber auch hier der Stadt keine Unterlagen vor. Die weitere Preisentwicklung wolle der Investor offenbar abwarten.