Marode Infrastruktur  Wenig Hoffnung für eine Sanierung der L12 in Wiesmoor

| | 17.10.2022 17:08 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Hinweis auf Straßenschäden begegnet Autofahrern auf der Landesstraße 12 häufiger. Foto: Archiv/Ortgies
Der Hinweis auf Straßenschäden begegnet Autofahrern auf der Landesstraße 12 häufiger. Foto: Archiv/Ortgies
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Die Landestraße 12 ist teils in erbärmlichem Zustand. Bürgermeister Sven Lübbers mahnt eine Perspektive an. Was der zuständige Behördenchef dazu sagt.

Wiesmoor - Für Wiesmoors Bürgermeister Sven Lübbers (parteilos) ist es eine leidige Geschichte. Die Landesstraße 12, die von Wiesedermeer kommend durch Wiesmoor weiter nach Uplengen führt, ist schon seit Jahren in einem Zustand, den der Rathauschef als „verkehrsgefährdend“ und „dringend sanierungsbedürftig“ beschreibt. „Nicht nur aus Wiesmoorer Sicht ist der Zustand unhaltbar. Schließlich ist die Strecke eine wichtige Verbindung dieser Region zur Autobahn“, betonte er. Gegenüber dem niedersächsischen Umwelt- und Bauminister Olaf Lies (SPD) soll Lübbers deutlicher geworden sein, als dieser jüngst der Stadt einen Besuch abgestattet hatte. Die Forderung sei unmissverständlich gewesen: Der Minister solle sich für eine Sanierung der Landesstraße einsetzen.

Was und warum

Darum geht es: Die Landesstraße 12 bleibt ein Sorgenkind für Wiesmoor. Der Zustand der Straße ist schlecht, eine grundlegende Sanierung nicht in Sicht.

Vor allem interessant für: Nutzer der Straße und Unternehmen

Deshalb berichten wir: Bürgermeister Sven Lübbers hat gegenüber dem niedersächsischen Umwelt- und Bauminister Olaf Lies erneut die Sanierung angemahnt.

Den Autor erreichen Sie unter: o.baer@zgo.de

Bereits im Frühjahr hatte Lübbers gesagt: „Mit dem Zustand der Straße können wir als Stadt natürlich nicht einverstanden sein. Die L12 ist ja ein Dauerbrenner bei uns.“ Bereits vor mehr als sieben Jahren habe sein Amtsvorgänger Friedrich Völler die damalige Landesregierung angeschrieben und über den schlechten Zustand der Straße informiert. Passiert sei in den folgenden Jahren nur wenig. Im vergangenen Jahr hatte dann Völler Alarm geschlagen, nachdem Autofahrer, die von der Stadtmitte über die Oldenburger Straße am Nordgeorgsfehnkanal entlang in Richtung Remels fuhren, stellenweise von Tempo-50-Schildern ausgebremst wurden. Auf Wiesmoorer Gebiet, aber insbesondere auch auf Streckenabschnitten in Uplengen, hatten sich Teile der Deckschicht gelöst. Löcher und Risse klafften. Aus Völlers Sicht ein Unding, sei die Strecke aus Wiesmoorer Sicht doch speziell für die ortsansässigen Betriebe von zentraler Bedeutung.

Prorität ja, Geld nein

Dass sich ab und zu etwas tut, sieht Lübbers zwar. Das reiche aber nicht aus. Dies habe er auch nach seinem Amtsantritt vor gut einem Jahr in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) zum Ausdruck gebracht. „Natürlich kann ich nicht erwarten, dass es dann sofort losgeht“, ist sich Lübbers der Geschwindigkeit der politischen Mühlen bewusst: „Aber wir brauchen eine vernünftige Perspektive.“ Lübbers erwartet, dass die Straße in einen Zustand gebracht wird, mit dem sie der Bezeichnung Landesstraße auch gerecht wird.

Die Landesstraße zwölf führt quer durch Wiesmoor. Grafik: OZ
Die Landesstraße zwölf führt quer durch Wiesmoor. Grafik: OZ

Zuständig für die Straße ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Aurich. Deren Leiter Frank Buchholz räumt die Sanierungsbedürftigkeit der Straße unumwunden ein: „Das ist in der Tat so. Und punktuell haben wir hier und da schon etwas gemacht“, sagte Buchholz. Im Blick habe er etwa den Seitenstreifen auf dem Teil der Landesstraße, der gen Norden führt. Für mehr reiche das Geld nicht aus, das seine Behörde über jährliche Zuweisungen aus dem Landeshaushalt erhält. Auf der Prioritätenliste stehe die L12 ziemlich weit oben, sagte Buchholz. „Wir wissen schon, was wir gerne machen würden. Aber auch im kommenden Jahr dürfte es, bei der erwarteten knapperen Finanzausstattung für die Straßenunterhaltung, erneut schwierig werden.“

Eine schwierige Argumentation

Niedersachsen habe einen enormen Nachholbedarf, wenn die Straßen in einen ordentlichen Zustand kommen sollen, berichtete Buchholz. Vor mehr als zehn Jahren habe der Landesrechnungshof einmal errechnet, dass das Land pro Jahr mindestens 120 Millionen Euro aufwenden müsse, um allein den Zustand der Straßen auf dem bestehenden Niveau zu halten. Der gewaltige Nachholbedarf sei da noch nicht einmal eingerechnet. Im kommenden Jahr rechnet der Behördenchef mit rund 90 Millionen Euro, die zur Verfügung gestellt werden.

Den Ärger in Wiesmoor könne er verstehen. Zumal, wenn wie jüngst geschehen, die Bundesstraße in Voßbarg neu gemacht werde, deren Zustand offensichtlich besser war als der Zustand der Landesstraße. Doch der Bund fahre ein ganz anderes Programm in Sachen Straßensanierung als die niedersächsische Landesregierung. „Da ist schon verständlich, dass mancher Kommunalpolitiker in Argumentationsschwierigkeiten kommt.“ Eine Perspektive kann Buchholz Lübbers nicht bieten. Auch wenn er es gerne anders hätte. „Für uns auf der ostfriesischen Halbinsel dürften im kommenden Jahr knapp über zwei Millionen Euro für den Straßenunterhalt zur Verfügung stehen. Das reicht dann gerade mal, um die Fahrbahnen möglichst gut zu erhalten.“

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