Botschafter der Ukraine Es ist Zeit für leisere Töne
Der ukrainische Botschafter Melynk beleidigte den Bundeskanzler und überwarf sich mit dem Bundespräsidenten. Sein Nachfolger sollte einen entscheidenden Fehler nicht mehr machen.
Einer wird sich über den Wechsel an der Spitze der ukrainischen Botschaft in Berlin bestimmt freuen: Kanzler Olaf Scholz. Der kam nämlich bei dem inzwischen schon legendären ukrainischen Botschafter Andrij Melnyk stets schlecht weg. Nicht nur als Zögerer und Zauderer in punkto Waffenlieferungen an die Ukraine beschimpfte Melnyk ihn, sondern betitelte Scholz auch als „beleidigte Leberwurst“. Das ist auf dem diplomatischen Parkett, das ja für seine leisen Töne bekannt ist, in der Tat ein unverzeihlicher Affront. Kein Wunder, dass Scholz Melnyk trotz dessen ausdrücklicher Bitte bis zuletzt nicht zu einem Gespräch empfangen hat. Erleichtert dürfte auch Bundespräsident Steinmeier sein, dem Melnyk vorwarf, in seiner Zeit als Außenminister „ein Spinnennetz der Kontakte mit Russland geknüpft“ zu haben.
Der neue ukrainische Vertreter Oleksii Makeiev täte gut daran, den Fehler von Melnyk nicht fortzusetzen. Statt eine anerkannte Stimme in der politischen Debatte zu sein, wurde Melnyk immer häufiger überhört, verlor dabei Gesprächsfäden und letztlich den Zugang zu Entscheidern. Genau diese braucht aber ein Botschafter, um die Interessen seines Landes wirkungsvoll zu vertreten. Der Neue sollte sich daran machen, den diplomatischen Schaden zu reparieren – und schon mal die leisen Töne üben.
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