Wettbewerb  Technik, Erfahrung, Glück – Was macht ein wirklich gutes Foto aus?

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 19.10.2022 13:58 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sebastian Werl siegte mit seiner Aufnahme einer Waldohreule in der Kategorie Tiere. Foto: Ortgies
Sebastian Werl siegte mit seiner Aufnahme einer Waldohreule in der Kategorie Tiere. Foto: Ortgies
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Ein von der OZ und dem Heimatmuseum ausgerufener Fotowettbewerb erfreute sich großer Beliebtheit. Die prämierten Fotografen verraten ihre überraschenden Geheimnisse.

Leer - Fotografie: Die hohe Kunst, flüchtige Momente für die Ewigkeit zu bannen. Doch, oft sind es gar nicht die Vollprofis, die mit mehreren Objektiven und Kameras für Tage in den Wäldern verschwinden, sondern ganz normale Leute. Das wurde jetzt beim Fotowettbewerb „Glanzlichter der Naturfotografie“, der vom Leeraner Heimatmuseum und der Ostfriesen-Zeitung initiiert wurde, deutlich. Hier wurden Preise in den Kategorien Landschaft, Tiere und Pflanzen vergeben.

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Sebastian Werl siegte in der Kategorie Tiere mit seinem Bild der seltenen Waldohreule. Peinlich berührt nahm er den Preis entgegen. „Das war einfach nur Glück. Die Eule saß den ganzen Tag auf dem Baum bei uns. Meine Nachbarn haben sogar Rasen gemäht. Abends haben sie mir erzählt, dass die Eule da sitzt. ich konnte ganz gemütlich meine Kamera holen und etwa 7000 mal abdrücken“, erzählt er. Was das zeigt, ist: Fotografie besteht hauptsächlich aus dem Erkennen von Motiven.

Entspannung vom Alltag

„Was junge Leute heutzutage mit Handys für Fotos machen können, ist unglaublich. Die haben einfach grandiose Ideen“, sagt er. Werl fotografiere seit 2006 in der Natur. „Ein Spaziergang ohne Hund oder Kamera macht einfach keinen Spaß.“ Für ihn seien diese Spaziergänge pure Entspannung, um den Stress des Alltags zu vergessen.

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Er betont jedoch auch, kein Profi zu sein. „Ich weiß ganz genau, was ich nicht kann. Der richtige Moment ist entscheidend“, sagt er. Und diesen Moment kann jeder einfangen. Das weiß auch Nico König. Der 20-Jährige hat in der Kategorie Pflanzen den dritten Platz errungen.

Motiv ist entscheidend

Fast sein halbes Leben lang fotografiert er schon. „Ich bin einfach gerne draußen und fotografiere. Das zeigt auch, dass er in jeder der drei Kategorien Fotos eingereicht hatte. „Es macht Spaß, diesen flüchtigen Moment festzuhalten“, sagt er. Seinen Podiumsplatz erreichte er durch ein Bild eines Tautropfens, der an einem Grashalm festhängt.

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Ebenso wie Werl betont er, dass jeder schöne Fotos machen könne. „Es geht nicht um die Kamera. Es liegt am Moment“, sagt er. Man müsse auch nicht an exotische Orte reisen. „Das Bild mit dem Tautropfen ist bei uns im Garten entstanden. Es ist total egal, wo man ist, es gibt immer etwas zu fotografieren“, betont der 20-Jährige. Sein Tipp an alle, die sich nicht trauen, die Kamera auf ein Motiv zu halten: „Einfach machen.“ Natürlich gibt es auch die Vollprofis. Eine von ihnen ist die Leeranerin Ise Wessels.

Nico König fotografiert schon fast sein halbes Leben lang. Foto: Ortgies
Nico König fotografiert schon fast sein halbes Leben lang. Foto: Ortgies

Eigene Technik gebaut

Ihr Foto stellt einen Dickkopffalter ins Zentrum. Das Besondere. Es ist ein sogenanntes Makrofoto: Das bedeutet, dass das kleine Insekt in jedem Detail zu erkennen ist. Solche Motive zeugen von Können, Erfahrung und auch von Technik. „Wir haben vieles selbstgebaut“, erzählt die Leeranerin. Sie wolle mit der Makrofotografie zeigen, welche Wunder die Natur hervorbringt. „Auch eine Fliege, die man an der Wand erschlägt, weil sie nervt, ist ein faszinierendes Geschöpf“, betont sie.

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Für den Fotowettbewerb wurden insgesamt 281 Fotos eingereicht. „Es hat mich sehr überrascht, dass so viele Bilder in so kurzer Zeit eingereicht wurden“, sagt Museumsleiter Oliver Freise. Die Jury, bestehend aus OZ-Chefredakteur Joachim Braun, Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst und der Fotografin Akka Olthoff hatte so die Qual der Wahl.

Ausstellung im Museum

Bürgermeister Horst geriet beim Thema Pflanzen ins Schwärmen. „Alle der Siegermotive haben etwas mit dem Thema Wasser zu tun. Ich war begeistert.“ Die Fotografin Akka Olthoff gab einen Einblick in ihren Entscheidungsprozess: „Es ist immer auch Geschmackssache. Es geht aber auch um die Technik“, sagt sie. OZ-Chefredakteur Joachim Braun lobte die eingereichten Motive: Solche Bilder würde ich gerne in unserer Zeitung bringen.“ Er forderte die Hobby-Fotografen in der Region dazu auf, Bilder an die Redaktion zu schicken. Dass Ostfriesland viele Motive bietet, zeigt, dass am Wettbewerb nicht nur Ostfriesen teilnahmen. Auch aus Nordrhein-Westfalen oder sogar aus Sachsen kamen Einsendungen von Menschen, die im Nordwesten Urlaub gemacht haben und die Schönheit der Region festhielten.

Eine fachkundige Jury (hinten) bewertete die Einsendungen der Teilnehmer und hatte dabei die Qual der Wahl. Foto: Ortgies
Eine fachkundige Jury (hinten) bewertete die Einsendungen der Teilnehmer und hatte dabei die Qual der Wahl. Foto: Ortgies

Natürlich gingen die Sieger des Wettbewerbs nicht leer aus: Die Sieger der Kategorien erhielten jeweils 150 Euro, die Zweitplatzierten gingen mit 100 Euro nach Hause und die Drittplatzierten konnten sich über 50 Euro freuen, die die Sparkasse Leer-Wittmund stiftete. Weitere Sachpreise stellte die Kaffeerösterei Baum aus Leer zur Verfügung. Für die Hobbyfotografen bedeutet das auch: Es ist in den meisten Fällen das erste bezahlte Foto, das sie ablieferten.

Alle Motive des Wettbewerbs sind in thematischen Bildergalerien auf oz-online zu finden. Auch das Heimatmuseum Leer zeigt bis zum 4. Dezember eine Sonderausstellung mit den Fotos. Für alle, die sich für Fotografie interessieren ist dies ein Anlaufpunkt, um sich Ideen und Mut zu holen. Anschließend heißt es: Mit Kamera oder Handy bewaffnet loslegen.