Berlin Bericht: Finanzminister Lindner machte Werbung für Bank – die lieh ihm Geld
Vor wenigen Jahren hielt der heutige Bundesfinanzminister Christian Lindner gut dotierte Vorträge für die Karlsruher BBBank, trat zudem als Werbegesicht in Erscheinung. Offenbar revanchierte sich das Institut wenig später mit einer Finanzierung für einen Häuserkauf – zu merkwürdigen Konditionen.
Im Jahr 2021 kaufte der FDP-Politiker Christian Lindner ein Zweifamilienhaus in Berlin für 1,65 Millionen Euro. Laut Recherchen des „Spiegels“ erhielt der Bundesfinanzminister dabei eine Finanzierung durch die Karlsruher BBBank. Für diese hatte Lindner kurz zuvor noch mindestens sieben Vorträge gehalten, für die er ein insgesamt fünfstelliges Honorar bekommen haben soll.
Damit jedoch nicht genug. Im Mai dieses Jahres gab es ein offizielles Grußwort vom Finanzminister zu einer Jubiläumsveranstaltung der Bank, vier Jahre zuvor trat er bereits in einem Imagevideo auf.
Offenbar als Gegenzug stellte die BBBank dem Finanzminister für seinen Hauskauf einen Kredit mit großzügigen Konditionen zur Verfügung. Laut „Spiegel“ belaufe sich die Grundschuld auf insgesamt 2,8 Millionen Euro. Diese Summe übersteigt den Kaufpreis der Immobilie um 1,15 Millionen Euro. Eine solche Überfinanzierung gilt in Fachkreisen als ungewöhnlich.
Nachfragen zu den Vorgängen ließ Lindner laut Bericht unbeantwortet. Sein Anwalt teilte lediglich mit, dass die Kreditvergabe „zu absolut marktüblichen Konditionen“ erfolgt sei. Demnach begründe sich das höhere Kreditvolumen im Verhältnis zum Kaufpreis daraus, „dass es sich bei der erworbenen Immobilie um ein unsaniertes Haus handelt.“
Auch die BBBank wollte sich nicht äußern. Eine Sprecherin des Instituts gab an, dass man die „geltenden rechtlichen Anforderungen“ beachtet habe und die Richtlinien „für alle unsere Privatkunden gleichermaßen“ gelten würden.