Geschichte ganz nah Emder Bunkermuseum zeigt jetzt Flagge in der Fußgängerzone
Die Betreiber des seit zwei Jahren geschlossenen Bunkermuseums gehen neue Wege. Die Einrichtung nutzt ein Ladenlokal in der Großen Straße. Der Verein hat ein ehrgeiziges Ziel.
Emden - Das Ziel ist ehrgeizig: Das seit länger als zwei Jahre wegen Sicherheitsmängeln geschlossene Bunkermuseum in Emden soll im September des kommenden Jahres wieder eröffnen. Das haben sich zumindest die ehrenamtlichen Betreiber vorgenommen - wohl wissend das dieser Zeitplan „sehr sportlich“ ist. Denn auf dem Weg dorthin muss der Arbeitskreis Bunkermuseum noch einige Hürden überwinden.
Was und warum
Darum geht es: die Zukunft des Emder Bunkermuseums und wie der Betreiberverein präsent bleiben will
Vor allem interessant für: alle, die sich für die Geschichte des Zweiten Weltkrieges, und die Museumslandschaft in Ostfriesland interessieren
Deshalb berichten wir: Der Arbeitskreis Bunkermuseum hat ein Ladenlokal in der Emder Innenstadt bezogen und es vorgestellt. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Um aber auch in der Zwischenzeit präsent und in der Öffentlichkeit sichtbar zu bleiben, zeigt der Verein jetzt in einem Ladenlokal in der Fußgängerzone der Großen Straße Flagge. Es liegt es nicht einmal 200 Meter weit von dem ehemaligen Luftschutzbunker an der Holzsägerstraße entfernt, in dem das Museum eingerichtet ist.
Das Emder Stadtmarketing vermittelte
Die Idee zu einer Dependance in einem der leerstehenden Läden der Innenstadt hatte der Verein schon vor einer Weile. Denn das Bunkermuseum selbst darf gegenwärtig nicht ohne weiteres betreten werden, weil der Brandschutz nicht gewährleistet ist. Deshalb sind dort auch keine Zusammenkünfte möglich, auch nicht für die Mitglieder.
Auf Vermittlung der Innenstadt-Koordinatorin Julia Lüder von der städtischen Gesellschaft Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing kam der Kontakt zu dem Discounter Aldi-Nord zustande, zu dessen Komplex an der Lookvenne der Laden an der Großen Straße gehört. In den Verhandlungen habe sich Aldi sehr interessiert und entgegenkommend gezeigt, so Vereinschefin Roswitha Franke.
Der Verein zahlt nur die Nebenkosten
Das Ergebnis: Der Verein muss nur die Nebenkosten für die knapp 60 Quadratmeter großen Räumlichkeiten berappen, die direkt an dem Durchgang von der Großen Straße zum Aldi-Markt an der Lookvenne liegen. Das sei finanzierbar, weil die Stadt als Noch-Eigentümerin des Bunkers an der Holzsägerstraße dem Verein für die Zeit der Schließung die Miete erlassen habe, so der 2. Vorsitzende Wolfram Heidrich.
Regelmäßige und feste Öffnungszeiten in der neuen Anlaufstelle gibt es nicht. Der Öffentlichkeit soll sie erstmals am kommenden Sonntag anlässlich des Emder Museumstages vorgestellt werden. Dann ist sie ganztägig geöffnet. Auch an den vier Sonnabenden im Advent wird sich der Verein an dem neuen Standort präsentieren.
Weitere Förderer sollen gewonnen werden
Laut Franke will der Verein auch die Geschäftsleute aus der Großen Straße sowie weitere Interessengruppen einladen. Kleinere Vortragsveranstaltungen und Lesungen seien ebenfalls geplant. „Wir wollen mit den Menschen in Gespräch kommen“, so die Vorsitzende. Die ideelle Unterstützung des Bunkermuseums sei zwar schon jetzt „riesengroß“, dennoch sind die Betreiber auf weitere Förderer und Sponsoren angewiesen.
Der ehemalige Luftschutzbunker soll einen außenliegenden Treppenturm erhalten, der als Fluchtweg dient soll. Die Pläne und die Baugenehmigung liegen vor. Demnach müssen in jedem der fünf Stockwerke Ausgänge zur Außentreppe geschaffen werden. Dafür soll die 1,10 Meter starke Stahlbeton mittels Wasserdruck an diesen Stellen aufgeschnitten werden.
Bunker soll an die Betreiber übergehen
In die 1,40 starke Decke des Obergeschosses soll eine Kuppel eingebaut werden, die sich im Brandfall öffnet und Rauch abzieht. „Das sind insgesamt sieben Tonnen Stahlbeton, die rausgenommen werden müssen“, sagt Wolfram Heidrich. Hinzu kämen die Installation einer Brandmeldeanlage, einer Notbeleuchtung und weitere Dinge.
Der Verein will den Umbau in eigener Verantwortung umsetzen. Voraussetzung dafür ist aber, dass der Bunker aus dem Besitz der Stadt an ihn übergeht. Beide Seiten seien gegenwärtig im Gespräch, und man sei „auf einem guten Weg“, sagen Franke und Heidrich. Als Eigentümer sei der Verein freier. Das könnte Ausschreibungen, Auftragsvergaben und Förderanträge vereinfachen und beschleunigen, während für die Stadt bei solchen Verfahren andere Kriterien gelten.
Die Gesamtkosten sind noch unklar
Wie teuer das Projekt am Ende wird, kann derzeit niemand sagen. Ursprünglich waren 650.000 Euro veranschlagt. Diese Summe stammt aber noch aus der Zeit, bevor die Kosten als Folge des Ukraine-Krieges in allen Bereichen in die Höhe gingen. Auf der Habenseite des Vereins stehen bislang 400.000 Euro: Die Stadt hat 350.000 Euro zugesagt, weitere 50.000 Euro kommen vom Land. Der Rest soll über Spenden, Sponsoring und Fördermittel fließen. Auf feste Summen will sich der Verein aber nicht festlegen. „Das wäre wie ein Blick in die Glaskugel“, sagt Heidrich.
Das Bunkermuseum in Emden war bei seiner Eröffnung im Jahr 1995 das erste seiner Art in Deutschland. An dieser authentischen Stätte lässt sich die Zeit vom Beginn des Nationalsozialismus über den Zweiten Weltkrieg bis hin zum Wiederaufbau Emdens anschaulich nachvollziehen.
Im Nachgang zum 25-jährigen Bestehen des Museumssoll im Dezember eine 120 Seiten starke Dokumentation über das Bunkermuseum sowie mit thematischen Schwerpunkten erscheinen, die unter anderem vier Emder Historiker zusammengestellt haben. Darin werden auch ausgewählte Exponate und deren Geschichte vorgestellt. „Es ist wie der Blick in unsere Schatzkiste“, sagt Vorstandsmitglied und Museumssprecher Marten Klose als einer der Autoren.