Ermittlungen abgeschlossen Anklage gegen Wiesmoor-Connection – wegen Drogenhandels
Bei einer Razzia gegen die sogenannte Wiesmoor-Connection wurde im Mai durch Zufall eine riesige Cannabisplantage entdeckt. Die bringt nun fünf Männer auf die Anklagebank.
Aurich/Wiesmoor - Die Staatsanwaltschaft Aurich hat Anklage gegen den ehemaligen Wiesmoorer Bürgermeisterkandidaten und Unternehmer Christian Rademacher-Jelten und vier weitere Mitglieder der sogenannten Wiesmoor-Connection erhoben. Dabei geht es um eine riesigen Cannabisplantage mit mehr als 400 Pflanzen, die Ende Mai bei einer Razzia in Wiesmoor zufällig in einem ehemaligen Autohaus entdeckt worden war. In einem weiteren Gebäude an der Hauptstraße hatten die Ermittler mehrere Säcke mit insgesamt rund 40 Kilogramm geerntetem und verpacktem Marihuana gefunden – Straßenwert: mehr als 400.000 Euro.
Eigentlich waren die Ermittler der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück damals auf der Suche nach Beweisen für den mutmaßlichen Millionenbetrug der Wiesmoor-Connection. Das Geflecht um die Wiesmoorer Briefkastenfirma KS Consult GmbH soll in mindestens 363 Fällen Corona-Hilfen in Höhe von rund 26 Millionen Euro illegal beantragt haben. In dieser Sache hatte es seinerzeit zeitgleich Hausdurchsuchungen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Hamburg gegeben. Rund 120 Polizeibeamte waren im Einsatz.
Es geht außerdem um Betrug
Was bereits vor zwei Wochen am Rande eines Berufungsprozesses gegen Rademacher-Jelten vor dem Landgericht Aurich bekannt geworden war, bestätigt die Staatsanwaltschaft nun auch offiziell. Die Ermittlungen „gegen eine Gruppierung aus dem Bereich Wiesmoor“ seien abgeschlossen, heißt es in einer Pressemitteilung von Dienstag. Gegen drei Männer im Alter von 31 und 32 Jahren werde wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge Anklage erhoben, gegen einen 56-jährigen Mann aus Wiesmoor – gemeint ist Rademacher-Jelten – wegen Beihilfe und gegen einen 32-jährigen Mann aus Berlin (bekannt unter dem Namen Dave) ebenfalls wegen Beihilfe. Rademacher-Jelten und Dave wird zudem Betrug vorgeworfen.
Drei Angeschuldigten wird zur Last gelegt, spätestens seit Februar dieses Jahres in Wiesmoor gemeinsam und arbeitsteilig zusammenwirkend in eigens dafür hergerichteten Räumen fortlaufend Marihuanapflanzen in Indoorplantagen angebaut zu haben. Anschließend sollte das abgeerntete Marihuana in einem gesonderten Objekt zwischengelagert und später gewinnbringend weiterverkauft werden. Rademacher-Jelten soll die Räume zur Verfügung gestellt haben. Der 32-jährige Angeschuldigte aus Berlin soll Unterstützung bei der Aufzucht der Pflanzen geleistet haben. Ihm und Rademacher-Jelten wird zudem Betrug vorgeworfen. Sie sollen ein geliehenes Fahrzeug nicht zurückgegeben haben. Es wurde einige Tage nach dem Fund der Hanfplantage in den Niederlanden gestoppt.
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Gegen die Angeschuldigten wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehle erlassen. Vier von ihnen, darunter Rademacher-Jelten, sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Nur Dave ist wieder auf freiem Fuß. Das Landgericht Aurich hat noch nicht über die Eröffnung des Hauptverfahrens entschieden. Verhandelt wird, sollte die Anklage zugelassen werden, vor der Großen Strafkammer des Landgerichts.