Handwerk in Not Emder Bäckerei Sikken dünnt ihr Filialnetz weiter aus
Nach dem Laden in Petkum schließt das Traditionsunternehmen im Dezember auch den Laden in einem anderen Stadtteil. Ein weiterer Standort folgt Ende 2023. Das sind die Gründe.
Emden - Die Emder Bäckerei und Konditorei Sikken dünnt ihr Filialnetz weiter aus. Nach dem Geschäft in an der Leeraner Landstrraße in Petkum, das Anfang dieses Monats dicht machte, will das traditionsreiche Handwerksunternehmen voraussichtlich zum 15. Dezember auch den Laden an der Bettewehrstraße in Wybelsum schließen.
Was und warum
Darum geht es: Kosten für Energie und Personalmangel machen Bäckereien zu schaffen. In Emden zieht ein Traditionsbetrieb jetzt Konsequenzen
Vor allem interessant für: diejenigen, die gerne handwerklich gefertigtes Brot essen, und alle, die sich für die Folgen der Energiekrise für diesen Handwerkszweig interessieren
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte gehört, dass die Bäckerei Sikken weitere Filialen schließen will. Wir haben deshalb das Gespräch mit den Inhabern gesucht. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Zudem trennt sich die Bäckerei zum Ende des nächsten Jahres von der Filiale in der Neutorstraße, die schräg gegenüber der Score-Tankstelle liegt. Das bestätigte Mitinhaber Bart Sikken dieser Zeitung auf Anfrage. Er führt gemeinsam mit seinem Bruder Gerhard Sikken das 1741 gegründete Unternehmen in zwölfter Familiengeneration.
Steigende Energiepreise und Mangel an Personal
Sikken begründet diese Entscheidungen vor allem mit den steigenden Energiepreisen, den Mangel an Fachkräften sowie steigenden Personalkosten wegen des angehobenen Mindestlohns. Er bedauert zugleich , dass es zwei Filialen in den Vororten trifft. Die Standorte in Petkum und Wybelsum könnten aber bei sinkenden Umsätzen an den Werktagen nicht mehr auf Dauer wirtschaftlich betrieben werden. „Allein von Umsätzen an den Wochenenden tragen sie sich nicht“, sagte der Bäckereichef. Beide Läden seien bislang von den großen Filialen quasi mitgetragen worden.
Petkum und Wybelsum ereilten damit aber das gleiche Schicksal wie vielen andere Dörfern. „Die Bäcker sind immer die letzten, die gehen“, sagt Sikken. Zuerst seien es die Tante-Emma-Läden gewesen, danach hätten sich Gaststätten, Fleischereien und Banken verabschiedet.
Sikken will seinen Personalstamm halten
Erste Überlegungen, den Standort in Wybelsum aufzugeben, habe es schon im Frühjahr gegeben, weil das Personal knapp wurde und zugleich die Energiekosten als Folge des Ukraine-Kriegs stiegen. Im Herbst habe dann kurzfristig auch Petkum zur Disposition gestanden. „Wir müssen auch an unser bestehendes Personal denken“, sagt Sikken. Um den Stamm halten zu können, bemühe man sich, Überstunden zu vermeiden und „ein vernünftiges Arbeitsklima“ zu schaffen.
Der Personalmangel trifft das Bäckerhandwerk schon seit langem hart. „Auszubildende oder Fachverkäuferinnen sind kaum zu kriegen“, klagt Bart Sikken. Fachkräfte für die Produktion gebe es gar nicht.
Zahl der Beschäftigten sank
Sikken beschäftigt derzeit 145 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 14 Filialen, zum Teil auch mit Cafés. 13 Standorte befinden sich innerhalb des Emder Stadtgebietes. Zudem gibt es ein Geschäft im Markant-Markt in Riepe. Seit Mitte des Jahres sei das Personal bereits um 20 Leute geschrumpft.
Auch die hohen Energiekosten machen dem Bäcker-Handwerk große Sorgen, zumal die meisten Betriebe in Ostfriesland ihre Öfen mit Gas beheizen. Sikken hat zwar einen langfristigen Vertrag mit den Emder Stadtwerken, rechnet aber mit einem Anstieg der Kosten von 25.000 Euro in diesem auf 80.000 Euro im nächsten Jahr - die geplante Gaspreisbremse noch nicht eingerechnet. „Wir müssen aber kalkulieren und können nicht hoffen, dass die Politik etwas regelt“, sagt Sikken.
Preise für Brot und Brötchen sind am Limit
Die Preise für Brot, Brötchen und Kuchen hat seine Bäckerei zuletzt zum 1. September angehoben. Ein normales Brötchen ist drei Cent teurer geworden und kostet jetzt 46 Cent. Damit sei aber „fast schon die Spitze erreicht, bei der der Kunde noch bereit ist, zu zahlen“, sagt der Unternehmer.
Sikken ist nicht die einzige Bäckerei in Ostfriesland, die Konsequenzen aus den Entwicklungen nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine zieht. Einige Bäckereien in der Region haben sich schon dazu entschlossen, tageweise nicht mehr zu öffnen. In Horsten (Gemeinde Friedeburg) macht Stephan Meyer zum Monatsende seine Traditionsbäckerei dicht, weil er kein Personal für die Backstube findet und dort drei Stellen zuletzt unbesetzt blieben.