Wolfsburg  Hilft eine VW-Besetzung dem Klima? Das sagt ein Aktivist, der dabei war

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 27.10.2022 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 13 Minuten
Scientist Rebellion in Wolfsburg: Gianluca Grimalda bei der Besetzung des Porsche-Pavillons in der Autostadt. Foto: Isaac Perales
Scientist Rebellion in Wolfsburg: Gianluca Grimalda bei der Besetzung des Porsche-Pavillons in der Autostadt. Foto: Isaac Perales
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Vergangene Woche besetzen Klima-Aktivisten den Porsche-Pavillon in Wolfsburg. Statt ein paar Stunden bleiben sie zwei Nächte. Statt einer Debatte erreichen sie Spott. Und statt ins Klo pinkelt einer von ihnen in eine Flasche. Was lief falsch? Wir haben nachgefragt.

Die Aktivisten, VW, die Autostadt: Alle sagen, dass sie den CO2-Ausstoß reduzieren wollen. Eigentlich eine gute Voraussetzung für ein Gespräch über den Klimaschutz. Warum ist die Aktion von Scientist Rebellion in der Wolfsburger Autostadt trotzdem schiefgegangen? Wir haben alle Beteiligten befragt: den Hausbesetzer Gianluca Grimalda, Autostadt-Direktor Armin Maus, VW und die Polizei. Hier bringen wir ihre Sichtweisen zusammen. Ein Interview mit Einwürfen und Unterbrechungen:

Frage: Herr Grimalda, am 19. Oktober haben Sie sich in der Autostadt festgeklebt und den Porsche-Pavillon mehrere Tage besetzt. War es ein Erfolg oder ein Misserfolg? 

Antwort: Das ist schwer zu beantworten. Einerseits war es ein Misserfolg. Wir wollten dem Volkswagen-Vorstand Oliver Blume die Liste unserer Forderungen vortragen und gemeinsam mit ihm vor der Presse diskutieren. Er ist nicht erschienen, also haben wir unser Ziel nicht erreicht.

Antwort: Wir wollten, dass Volkswagen unsere Forderung nach einem Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen unterstützt – genauso wie die nach der Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets. Und zuletzt wollten wir, dass Volkswagen sich schneller von fossilen Brennstoffen verabschiedet. Uns hat aber keine Reaktion vom VW-Chef erreicht. Insofern war es ein Misserfolg.

Antwort: Andererseits ist schon gut, wenn die Menschen über den Klima-Notstand sprechen. Im Netz wurde unsere Aktion intensiv diskutiert. Wir haben die nationale und regionale Presse erreicht. Insofern haben wir erfolgreich Aufmerksamkeit für unsere Forderungen errungen.

Die mediale Reaktion: Verglichen mit den Attacken auf Gemälde von van Gogh und Monet ist die Besetzung in der Autostadt weniger schockierend. Dennoch macht Scientist Rebellion in Wolfsburg international Schlagzeilen. Vielfach ist der Tonfall spöttisch. Via Twitter hatte Grimalda während der Besetzung von abgeschalteten Heizungen berichtet und Schüsseln verlangt, in man „in anständiger Weise urinieren und defäkieren“ könnte. „Diese Aktion ging (fast) in die Hose“ witzelt daraufhin „Bild.de“. In den USA reimt das rechtspopulistische Portal „Breitbart.com“: „Stuck with glue but nowhere to poo“. (Frei übersetzt: „Am Boden festbacken und nicht wissen, wo kacken.“) Auch wir haben das Thema in einer Kolumne aufgegriffen.

Frage: Herr Grimalda, der Tenor vieler Berichte war nicht gerade zustimmend.

Antwort: Ich sehe auch, dass viele Berichte sich vor allem mit unseren Methoden befassen. Auch aus den sozialen Medien haben mich negative Reaktionen erreicht, Spott, Hassnachrichten, Body Shaming. Das lässt sich nicht vermeiden. Was immer wir tun, es wird viele Gegner finden.

Antwort: Sicher hätten wir besser kommunizieren müssen. Leider konnte ich meinen Twitter-Account nicht ausreichend pflegen; nach der ersten Nacht hat die Autostadt uns den Strom abgestellt und ich musste meinen Akku schonen.

Der Aktivist und Wissenschaftler: Gianluca Grimalda (50) ist experimenteller Ökonom am Kieler Institut für Weltwirtschaft und Mitglied der Aktivistengruppe Scientist Rebellion. Unter anderem hat er zur menschlichen Hilfsbereitschaft geforscht. Vor der Besetzung der Autostadt hat er sich eigenen Angaben zufolge schon an Blockaden bei einer Deutschen-Bank-Filiale in München und einer Mailänder Messe von Gasproduzenten beteiligt.

Frage: Auf Twitter haben Sie Schüsseln erwähnt, in die sie urinieren wollten. Was haben Sie ohne gemacht? Eingehalten?

Antwort: Ich habe in eine leere Flasche gepinkelt. Die anderen haben ihre Hände vom Boden gelöst und konnten zur Toilette gehen. Ich wollte eine starke Botschaft senden und habe mich entschieden, meine Hand am Boden zu lassen. Deshalb hatte ich eine Schüssel verlangt. Es hat mich wirklich überrascht, dass dieses Detail eine so große Aufmerksamkeit bekommen hat. Es war sehr unglücklich, dass ich das auf Twitter nicht besser erklären konnte.

Die Aktivisten-Gruppe: Scientist Rebellion ist eine internationale Gruppe von Akademikern, die sich dem Umweltschutz verschreiben. In Wolfsburg war ein gutes Dutzend Mitstreiter beteiligt. Grimalda spricht von 15 Mitgliedern und Unterstützern, vier davon haben als Medienteam Fotos und Videos produziert. Am Ende führte die Polizei 13 Aktivisten vom Gelände und leitete gegen sie Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch, Nötigung und Sachbeschädigung ein.

Frage: Welche Optionen haben Sie durchgespielt, als Sie gemerkt haben, dass Sie nur mit dem Autostadt-Direktor sprechen werden – der VW-Chef Oliver Blume aber nicht kommt?

Antwort: Normalerweise dauern diese Aktionen ein paar Stunden. Auf eine mehrtägige Besetzung waren wir nicht vorbereitet. Anfangs waren wir positiv überrascht, dass der Autostadt-Direktor dialogbereit schien. Er hat sich unserem Protest gegenüber sehr offen gezeigt: Er wollte nicht eingreifen, hat er gesagt, und dass wir Seite an Seite kämpfen. Daraufhin haben wir mehrere Stunden in der Gruppe diskutiert, was wir später dem VW-Chef sagen könnten. Unsere ursprünglichen Forderungen waren allgemeinerer Natur und richteten sich eher an die Regierung; jetzt haben wir daran gearbeitet, das auf Volkswagen runterzubrechen.

Antwort: Am zweiten Tag kippte die Stimmung. Wir hatten jetzt den Eindruck, dass Volkswagen uns auslaugen wollte. Sie haben uns den Strom abgestellt. Sie haben uns nicht erlaubt, dass wir uns mit Essen versorgen lassen. Am Abend davor hatten Sie noch Pizzas gebracht; nun haben wir für etwa 20 Stunden gar kein Essen bekommen. Sie haben die Klimaanlage von warmer auf kalte Luft umgestellt.

Das sagt der Autostadt-Direktor: Im Internet kursieren Videoschnipsel, in denen der Autostadt-Chef Armin Maus mit den Aktivisten am Boden sitzt. Es sei ihm wichtig gewesen, das Gespräch zu suchen, statt die Polizei zu rufen, berichtet er uns. Dabei habe er das Gemeinsame betont, schließlich sei die Dekarbonisierung, also die Schaffung einer kohlenstofffreien Wirtschaft, auch für die Autostadt zentral. Sein Eindruck: „Vor mir saßen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, von denen ich einen Sinn für die Komplexität des Themas erwarte. Ich war verblüfft, wie wenig reflektiert das dann war. Die haben mir erklärt, man müsse die Industrialisierung zurückdrehen. Ist denen klar, was das für die Menschen bedeutet? Wir müssen doch sozialverantwortlich vorgehen. Gegen solche Argumente setzen die Aktivisten eine aus meiner Sicht dystopische Perspektive.“

Das sagt die Volkswagen AG zum Nicht-Erscheinen von VW-Chef Oliver Blume: „Die Beschädigung von fremdem Eigentum und der Eingriff in die Rechte anderer sowie die mögliche Gefährdung der Gesundheit von Beteiligten stehen für uns im Widerspruch mit unserer Grundhaltung, einen kritischen Dialog konstruktiv zu gestalten“, schreibt VW. „Volkswagen ist offen für den kritischen Dialog und lädt regelmäßig Stakeholder-Gruppen und Umweltschutzorganisationen ein und bietet damit eine geeignete Plattform für die inhaltliche, sachliche und friedliche Auseinandersetzung bei kontroversen Standpunkten.“ 

Frage: Wie ging es dann weiter, Herr Grimalda?

Antwort: Die Autostadt war nach der ersten Nacht erkennbar unfreundlich. Ich habe nach einem Arzt gefragt, weil meine festgeklebte Hand angeschwollen war. Die Autostadt hat sich für mehrere Stunden geweigert, einen Krankenwagen zu rufen. Am Ende kam doch einer und man sagte mir, dass sich in der Hand lebensbedrohliche Gerinnsel bilden könnten. Also habe ich den Porsche-Pavillon verlassen. Die Gruppe wollte weitermachen, gerade weil die Autostadt zu einem so aggressiven Vorgehen übergegangen war.

Antwort: Am letzten Morgen wurde eine meiner Mitstreiterinnen, die wegen starker Schmerzen die Besetzung abgebrochen hatte, eine Stunde lang buchstäblich eingesperrt. Sie wurde daran gehindert, eine Klinik aufzusuchen, obwohl ihr Sanitäter dazu geraten hatten. Der Sicherheitsdienst der Autostadt hat ihr gesagt, sie könne gehen, wenn auch die anderen Demonstranten die Besetzung abbrechen. Sie fühlte sich wie eine Geisel. Später hat auch die Polizei sie zur Identifikation festgehalten, obwohl sie ins Krankenhaus gelassen werden wollte. Insgesamt hat sie vier Stunden mit starken Schmerzen verbracht, bevor sie Hilfe bekam.

Das sagt die Polizei: Die Wolfsburger Polizei zufolge wurden zwei Personen medizinisch betreut; ein Mann – offensichtlich Grimalda – wurde wegen seiner Hand ins Krankenhaus gebracht. Eine Frau sei vor Ort versorgt worden und habe sich jederzeit in eine weitergehende Behandlung begeben dürfen. Auch Autostadt-Direktor Maus beschreibt es so. 

Frage: Sie sind also länger als geplant geblieben, weil Sie sich von der Autostadt getäuscht fühlten?

Antwort: Exakt. Ich glaube, sie waren auch überrascht, dass wir immer noch da waren. Sie hatten wohl gehofft, dass wir freiwillig verschwinden würden – und sie damit die schlechte Publicity eines Polizeieinsatzes vermeiden könnten. Als das nicht passierte, haben sie uns das Leben so schwer wie möglich gemacht. Nach dem zweiten Tag hat die Autostadt-Strategie sich noch mal geändert. Nun haben sie entschieden, die Polizei zu rufen – mitten in der Nacht, offensichtlich, um nicht das Interesse der Medien zu wecken. Die Polizei kam aber erst am Morgen.

Antwort: Wenn Sie mich nach dem Erfolg der Aktion fragen: Sagen zu können, dass wir den Ort zwei Tage besetzt haben, ist ein Erfolg. Wir haben gezeigt, wie ernst es uns ist und welchen Einsatz wir zu leisten bereit sind.

Das sagt Autostadt-Direktor zur Dauer der Aktion: „Mein Eindruck war: Die Aktivistinnen und Aktivisten haben sich selbst überfordert“, so Armin Maus. „Die Forderung, mit dem VW-CEO zu sprechen, haben sie anfangs noch gar nicht gestellt; das kam erst nach einer ganzen Zeit. Ich habe das weitergegeben, und zwar ausdrücklich, ohne etwas zu versprechen. Später wurde der Tonfall aggressiver. Als ich mich zu demokratischen Entscheidungsprozessen bekannt habe, die eben nicht von einem Unternehmen getroffen werden dürfen, wurde ich von einem Aktivisten angeschrien: Er könne ‚diese Scheiße‘ nicht mehr hören, hat einer gesagt.“ Als ein Aktivist dann mit Hungerstreik gedroht habe und die Besetzer ärztliche Hilfe benötigten, habe man die Polizei gerufen – „auch mit Blick auf unsere Fürsorgepflicht als Versammlungsstätte für Gäste und für unsere Belegschaft“ .

Scientist Rebellion hat ein Video der Diskussion mit Armin Maus bei Instagram veröffentlicht. Etwa bei Minute 11:45 ruft Gianluca Grimalda die zitierte Beschimpfung:

Frage: Herr Grimalda, die Gruppe „Letzte Generation“ hat in Potsdam gerade ein Monet-Gemälde mit Kartoffelbrei attackiert. Haben Sie Sorge, dass die Öffentlichkeit alle Aktivisten in einen Topf wirft?

Antwort: Unsere Gruppe „Scientist Rebellion“ ist eine Koalition mit „Letzte Generation“ eingegangen; als drittes Bündnis gehört auch „Debt for Climate“ dazu. Wir sind also nicht überrascht, wenn wir miteinander assoziiert werden.

Antwort: Und die Öffentlichkeit gibt es nicht. Studien zur Umweltpsychologie unterscheiden mindestens fünf oder sechs Bevölkerungsgruppen. Es gibt die Leugner. Es gibt Leute, die den Klimawandel erkennen, aber keinen Handlungsbedarf sehen. Es gibt die Besorgten, die stark Besorgten und die Alarmierten.

Antwort: Was die „Letzte Generation“ macht, ist extrem schockierend – und mir ist klar, dass Menschen aus den weniger besorgten Gruppen davon befremdet sein können. Der Studienlage zufolge haben solche Aktionen womöglich einen positiven Effekt und regen zu Umwelt-Aktionen an. Sie können für Leute funktionieren, die besorgt sind, aber die Lage noch nicht für so schlimm halten. Angriffe auf Kunst können ihnen den Ernst der Lage verdeutlichen. Aber ich teile Ihre Befürchtung: Manche Leute werden die Aktivisten für Verrückte halten und sich von der Umweltbewegung abwenden.

Antwort: Wir selbst haben bei der Planung diskutiert, ob wir uns an die Autos kleben oder auf den Boden. Einige von uns haben argumentiert, dass die Autos eine größere Aufmerksamkeit bringen. Weil es als Vandalismus gesehen worden wäre, haben wir es nicht gemacht.

Grimalda bricht seine Blockade ab, als Mediziner seine geschwollene Hand als Risiko für mögliche Blutgerinnsel sahen. Auf Twitter dokumentiert er seine Lage im Video:

Frage: Herr Grimalda, ist die Frage der Gewalt nur eine der Taktik? Halten Sie Attacken auf Kunstwerke prinzipiell für legitim? Wo ist die Grenze?

Antwort: Erstmal: Monets Gemälde wurde nicht beschädigt; der Rahmen vielleicht, die Leinwand war hinter Glas. Persönlich würde ich nie ein Kunstwerk angreifen. Ich liebe Kunst und würde niemals das Risiko eingehen, ein Gemälde zu beschädigen. Ich würde auch keine Straßen blockieren.

Antwort: Einen Tag vor der Autostadt-Aktion hat unsere Gruppe das Verkehrsministerium blockiert. Natürlich erregt das Aufmerksamkeit; ich habe trotzdem nicht mitgemacht. Für mich müssen Aktionen gewaltfrei sein. Wir werden nie einen Menschen angreifen. Ich lehne auch Gewalt gegen Dinge ab. Es gibt Aktivisten, die SUVs die Reifen aufstechen wollen, auch in unserer Gruppe. Ich nicht.

Antwort: Aktionen müssen daraufhin evaluiert werden, was sie in der Öffentlichkeit auslösen und was bei den Behörden. In Großbritannien wurde der Druck auf Aktivisten erhöht, auch auf solche, die gewaltfrei protestieren und sich widerstandslos wegtragen lassen. Ich rechtfertige es nicht, aber ich kann verstehen, wenn die dann die Strategie wechseln und zu Sabotage übergehen, zum Reifenstechen oder sogar zur Blockade von Pipelines. Das wird kommen. Persönlich werde ich aber nie eine Person angreifen und bleibe auch bei Sachbeschädigungen zurückhaltend. Gewalt ist kontraproduktiv, das ist nachgewiesen. Gewalttätige Aktionen stoßen die Leute ab.

Frage: Glauben Sie nicht, dass auch die Blockade von Straßen oder jetzt des Porsche-Pavillons Menschen abstößt?

Antwort: Das Pariser Abkommen will die Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen; im Moment steuern wir aber auf eine Erhöhung von 2,7 Grad bis zum Ende des Jahrhunderts hin, was apokalyptisch wäre. Apokalyptisch. Wir begehen zivilen Ungehorsam, weil wir merken: Mit Märschen und Demonstrationen erreichen wir nicht, was nötig ist.

Antwort: In der Geschichte hat der zivile Ungehorsam wichtige Veränderungen herbeigeführt. Das Frauenwahlrecht haben die Suffragetten erreicht, indem sie sich an Gebäuden festgekettet haben – und massive Sachbeschädigungen begangen haben. Heute werden sie geehrt. Auch uns wird man später anders bewerten. Aber es stimmt: Es wird zu viel über die Mittel unserer Aktionen diskutiert und zu wenig über die Ziele. Schuld haben da aber nicht wir, sondern die Medien.

Frage: Rechnen Sie mit rechtlichen Folgen Ihrer Aktion?

Antwort: In Wolfsburg wurde meine Identität nicht festgestellt, aber ich stehe ja mit vollem Namen bei Twitter. Womöglich werde ich verklagt. Ich bin bereit, die Konsequenzen zu tragen – aber großen Schaden haben wir nicht angerichtet. Den Kleber kann man vom Boden wischen. Wenn wir uns an die Autos geklebt hätte, wäre es sicher was anderes.

Welche Schäden die Autostadt beklagt: Armin Maus taxiert den Sachschaden im fünfstelligen Bereich. Der vom Sekundenkleber beschmutzte Boden müsse vermutlich komplett erneuert werden, desgleichen eine Wand des Pavillons. Die Bootsanlegestelle der Autostadt, wo Rote-Bete-Saft vergossen wurde, sei aufwändig zu reinigen. Maus: „Der Einsatz an Arbeitskraft war während der ganzen Aktion erheblich.“ Was noch dazu komme: „Natürlich hat die Situation auch unsere Kolleginnen und Kollegen belastet.“ 

Frage: Herr Grimalda, wie blicken Sie in die Zukunft?

Antwort: Das Zeitfenster, indem wir noch etwas verändern können, ist extrem klein. Der IPCC-Report zum Klimawandel errechnet, dass wir noch sieben Jahre haben, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten. Und die Zahl ist willkürlich; einige Ökosysteme sind schon kollabiert. Wir sind schon im klimatischen Zusammenbruch. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Meeresspiegel in den nächsten Jahrhunderten um zehn Meter steigt, Ende dieses Jahrhunderts um einen.

Antwort: In den kommenden Jahrzehnten werden Hunderte Millionen Menschen vor dem Klimawandel fliehen. Das macht mich panisch. Wir haben gesehen, was für einen massiven Wandel ein paar Millionen syrische Flüchtlinge im politischen System auslösen: den Brexit, das Erstarken der Rechten. Was passiert, wenn viel mehr kommen? Wir sind auf solche Schocks nicht vorbereitet. Deshalb halte ich schockierende Aktionen für sinnvoll – solange wir dann über die Krise sprechen und nicht darüber, ob man besser Tomaten- oder Kartoffelsuppe auf Kunstwerke kippt.

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