Ganderkesee  Unbekannte sprengen Geldautomat in Ganderkesee

Sebastian Hanke, Thomas Breuer, Sven Mechelhoff, Eyke Swarovsky
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Von Sebastian Hanke, Thomas Breuer, Sven Mechelhoff, Eyke Swarovsky
| 28.10.2022 08:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Der Innenraum der Sparkassen-Filiale ist völlig verwüstet. Foto: NWM-TV
Der Innenraum der Sparkassen-Filiale ist völlig verwüstet. Foto: NWM-TV
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Unbekannte haben in der Nacht einen Geldautomaten der Sparkasse in Ganderkesee gesprengt. Die Täter konnten nach einer Verfolgungsjagd flüchten.

Der Sonnenschein am Freitagmorgen in Ganderkesee trügt. Und das wird einem mit Blick auf die Filiale der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) in einem Mehrparteienhaus am Grünen Weg schnell klar. Eine heftige Detonation hat in der Nacht zu Freitag den Ortskern erschüttert. Unbekannte Täter sprengten einen Geldautomaten in die Luft. Nach Angaben der Polizei zündeten die Täter dort um 4.10 Uhr eine Sprengladung.

Video: Geldautomat in Ganderkesee gesprengt: Das sagt die Polizei

Auf Fotos ist zu erkennen, wie heftig die Detonation gewesen sein muss: Die Filiale ist verwüstet. Kabel hängen von der Decke herunter, die Scheiben sind teilweise gesprungen. Bauteile aus dem Innenraum der Filiale sind sogar bis auf den Fußweg geflogen. Verletzt wurde nach Polizeiangaben aber niemand.

Wie die Polizei am Vormittag mitteilte, wurden Anwohner in der Nacht durch die heftigen Knalle geweckt und sahen ein Auto vor der Filiale stehen. Bereits kurze Zeit später näherten sich Fahrzeuge der Polizei. Durch das mehrmalige Hupen des stehenden Wagens wurde darauf aufmerksam gemacht. Mit Eintreffen der ersten Streifenwagen um 4.13 Uhr verließen drei Personen die Filiale und stiegen in das Auto. Teile des erlangten Bargelds ließen sie vor der Filiale zurück. Ein Anwohner zückte geistesgegenwärtig sein Handy, nachdem er durch die Detonation aufgewacht war, und filmte die Täter aus dem Fenster.

Video: Anwohner filmt Täter nach Automatensprengung in Ganderkesee

Es folgten Szenen wie aus einem Actionfilm: Die Flucht mit dem Auto, es handelte sich laut Polizei vermutlich um einen SUV des Herstellers Alfa Romeo, führte zunächst durch den Ort in Richtung A28. Schließlich nutzten die Täter jedoch den Holzkamper Damm und die Adelheider Straße und fuhren an der Anschlussstelle Groß Ippener auf die A1 in Richtung Bremen auf.

Dort konnte der Kontakt zum Fluchtfahrzeug nicht mehr gehalten werden. Bei der weiteren Suche kam auch der Polizeihubschrauber zum Einsatz - letztlich jedoch ohne Erfolg.

Bevor der Tatort durch die Ermittler der Polizei betreten werden konnte, musste durch Fachleute ausgeschlossen werden, dass explosive Rückstände in der Filiale vorhanden sind. Anschließend begann die Spurensicherung. Dafür waren Sprengstoff-Spezialisten des Landeskriminalamts in Hannover, die sogenannten Delaborierer, angerückt. Die Bewohner des Hauses konnten zwischenzeitlich in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die Höhe des entstandenen Schadens am Gebäude und des gestohlenen Bargelds stehen noch nicht fest.

Wer weitere Hinweise zu den Tätern und ihrem Fluchtfahrzeug geben kann, wird gebeten, sich unter Telefon (04221) 15590 mit der Polizei Delmenhorst in Verbindung zu setzen.

Zuletzt hatten Panzerknacker in der Region Anfang September einen Geldautomaten der Volksbank in Wildeshausen in die Luft gejagt. Auch sie konnten damals in einem dunklen Auto über die A1 flüchten.

Die von dem Vorfall betroffene Filiale ist von der LzO im August 2018 eingeweiht und in Betrieb genommen worden. Sie ist vom seinerzeitigen Bauherrn Olaf Stolle gepachtet, der in direkter Nachbarschaft den „Oldenburger Hof“ betreibt. Für den Neubau waren seinerzeit die Kegelbahnen des Lokals aufgegeben worden. Die neue Adresse hatte die Sparkasse gewählt, weil am zuvor seit 1985 genutzten Standort die Erweiterungsmöglichkeiten gefehlt hatten. Sie nutzt dort auch die erste Etage für die Immobilien- und Finanzberatung.

Laut LzO-Sprecher Andreas Renken sind in der von Jürgen Hertrampf geführten Filiale 15 Mitarbeiter beschäftigt. „Sie bleibt heute erst einmal geschlossen“, sagte er am Freitagmorgen. Kunden sind gebeten, andere Standorte des Geldhauses zu nutzen. Es seien aber einzelne Beschäftigte vor Ort. Der überwiegende Teil arbeite im Homeoffice, und es gebe derzeit auch einige Urlauber.

„Wir wollen so schnell wie möglich wieder öffnen, am liebsten im Laufe der kommenden Woche“, sagte Renken. Zunächst müsse aber geprüft werden, ob nach der Sprengung die Statik des Gebäudes so weit intakt sei, dass dies möglich wäre.

Die LzO war zuletzt im Juli in Edewecht (Landkreis Ammerland) vor einer Automatensprengung betroffen. Seinerzeit war dabei der gesamte Eingangsbereich der dortigen Filiale eingestürzt und erheblicher Sachschaden entstanden. Im gesamten Nordwesten hat es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder derartige Vorfälle gegeben, von denen unterschiedliche Bankhäuser betroffen waren. Die Taten werden im Allgemeinen international skrupellos operierenden Banden zugerechnet.

Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald neue Informationen vorliegen.

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