Sperrung des Stadtrings Wie reagiert die Leeraner Wirtschaft auf das Lkw-Verbot?
Hiesige Wirtschaftsunternehmen blicken sorgenvoll auf die kommende Zeit. Hinsichtlich der Verkehrseinschränkungen in der Stadt werden empfindliche Auswirkungen befürchtet.
Leer - Die Nachricht, dass der Leeraner Stadtring bis auf weiteres für Lkw gesperrt bleibt, hat bei Unternehmen nicht gerade Begeisterung ausgelöst. Denn schon jetzt sind die Zuwegungen zu den Gewerbeflächen im Süden eingeschränkt: Die Stadtringbrücke zwischen Spierkreuzung und Heisfelder Straße wird neben der Ledabrücke (12,5 Tonnen) und der Südringbrücke (30 Tonnen) die dritte wichtige Brücke mit Gewichtsbeschränkung in Leer sein. Wie wirkt sich das für hiesige Firmen aus?
„Es ist schon sehr ärgerlich. Es steigert weiter die Kosten“, sagt der Vorsitzende der Hafenwirtschaftsvereinigung, Jochen Möller. Dies komme noch „oben drauf“, zusätzlich zu Inflation und Energiekrise. „Auf die Tonne gerechnet kostet einfach jedes Gut mehr.“ Der Stadtring sei zwar schon länger gesperrt, weshalb man gar nicht großartig umplanen müsse. Man habe lediglich Sorge, dass wichtige Verkehrsknotenpunkte – wie etwa der Bahnhofskreisel und die Straßen über die Seeschleuse – verstopfen könnten. „Es entstehen nun schon immer wieder Engpass- beziehungsweise Stausituationen“, so Möller.
Seeschleuse könnte zur Krux werden
Er fordert, dass man um jeden Preis das Passieren der Brücke über die Seeschleuse gewährleisten müsse. Ein Ausfall dieser Verkehrsroute wäre der „Super-GAU“ für die Hafenanrainer, so Möller. „Es ist sozusagen Glück im Unglück, dass eine Modernisierung der Seeschleuse erst kürzlich abgeschlossen wurde.“ Aber es dürfe „nun nichts mehr passieren“, sonst sei der Seehafenstandort Leer gefährdet.
Der Vorsitzende wünscht sich eine weitere Verbesserung der Anbindung der Stadt, speziell der des Hafens. Es gebe noch einige Potenziale, den Hafen besser anzubinden, was nicht nur auf der wirtschaftlichen Seite von Vorteil sei: „Das hat ja auch einen großen Nachhaltigkeits-, Ökologie- und Effizienzaspekt.“ Mit besserer Infrastruktur zum Anliefern und Abholen von Waren könne man Emissionen und bares Geld sparen. Das wiederum mache den Hafen Leer als Wirtschaftsstandort wieder attraktiver.
Stadt braucht Zeit, um Lage einzuschätzen
Bei der Stadt Leer erbittet man sich Zeit, die Lage einzuschätzen. „Wir werden diese auch für uns ganz neue Situation und mögliche Auswirkungen kurzfristig mit unseren zuständigen Fachdiensten analysieren und bewerten. Anschließend werden wir entscheiden, wie wir damit umzugehen haben“, sagt Pressesprecher Edgar Behrendt. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass die Stadtverwaltung erst seit Mittwoch Kenntnis darüber erlangt habe, dass die Brücke für den schweren Lastenverkehr gesperrt bleibe.
Wenn man bei den Hafenanrainern wie etwa Hammerlit – ein Produzent für Logistikgeräte – direkt nachfragt, teilen diese die Bedenken der Hafenvereinigung. Rainer Franzen, Leiter der Logistik bei Hammerlit in Leer, sagt, es sei nun schon „sehr unangenehm durch den Stadtverkehr zu fahren“. Das könne jetzt durch geballteren Lastenverkehr noch verstärkt werden, fürchtet er. Zulieferer aus Westoverledingen etwa müssten statt etwa 20 Kilometern aktuell durch Umwege über Papenburg und das Rheiderland circa 80 Kilometer zurücklegen.
Wer nicht unmittelbar betroffen ist, spürt es mittelbar
Tatsächlich bedauere man bei Hammerlit rückblickend, nicht „auf die grüne Wiese“ abgewandert zu sein, so der Logistik-Leiter. „Wir haben aber gerade erst erweitert und investiert am Standort Leer.“ Man fühle sich aktuell nicht ausreichend wertgeschätzt und fordere mehr Unterstützung und Kommunikation seitens der Behörden. Hammerlit habe einen weiteren Standort in Österreich. „Da werden wir vor Verkehrseinschränkungen oder Ähnlichem proaktiv kontaktiert, damit wir uns darauf vorbereiten können.“ In Leer sei das Gegenteil der Fall. „Wir haben aus der Zeitung von der Lkw-Sperrung erfahren.“
Die Sorgen verteilen sich aber nicht unbedingt gleichmäßig. Nicht jedes Unternehmen trifft die Sperrung. „Unser eigener Fuhrpark ist aktuell nicht wirklich betroffen von den Einschränkungen, da wir andere Routen befahren“, sagt Norbert Bakker von der Firma Wilts. Aber mittelbar hätten einige Lieferanten Schwierigkeiten zu erwarten und das könne einem später unter Umständen auf die Füße fallen.