Heizen ist teurer geworden Werden jetzt die Wärmflaschen knapp?
Wer warm durch den Winter kommen, aber nicht heizen kann oder will, muss sich etwas einfallen lassen. Angeblich sind vielerorts Wärmflaschen ausverkauft. Auch in Ostfriesland?
Emden - Obwohl sich der Oktobermonat mit Blick auf die Heizkosten gnädig zeigte und die milden Temperaturen den Gasverbrauch entlasteten, denken offenbar viele schon einen Schritt weiter. Zur Vorbereitung auf den Winter und deutlich kälteres Wetter wird nach übereinstimmenden Medieninformationen von ausverkauften Wärmflaschen berichtet. Verantwortlich gemacht für das Phänomen werden die extrem hohen Energiepreise.
Was und warum
Darum geht es: die Folgen der Gaspreisexplosion für den Umsatz mit Wärmflaschen.
Vor allem interessant für: Konsumenten und Leute, die sich in diesem Jahr besondere Gedanken wegen des kalten Winters machen.
Deshalb berichten wir: Im Netz kursieren Medienberichte über einen Ausverkauf an Wärmflaschen. Als dann auch noch die Partnerin eines Kollegen erzählte, dass sie in Emden ähnliche Erfahrungen gemacht hat, zogen wir selber los, um uns ein Bild zu machen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Um zu schauen, wie die Situation in Ostfriesland ist, hat sich ein Reporterteam dieser Redaktion für eine Stichprobe in die Emder Innenstadt aufgemacht. Wir wollten wissen, ob es tatsächlich schwierig geworden ist, Wärmflasche und Co. kaufen zu können und was Verkäuferinnen und Verkäufer beobachten.
Erste Station: Drogerie
Die erste Station führt zur Drogerie. In einer Filiale an der Neutorstraße ist das Sortiment tatsächlich überschaubar. In einem Regal hängt weniger als eine Handvoll Wärmflaschen. „Es werden viele gekauft“, bestätigt eine Mitarbeiterin. Allerdings könne sie nicht einschätzen, ob es wesentlich mehr als üblich seien, sagt sie achselzuckend.
Sichtlich mehr Auswahl gibt es in einem zweiten Drogerie-Geschäft, das sich ebenfalls an der Neutorstraße in Emden befindet. Vor allem etwas teurere Modelle, die mit Stoffen umnäht sind, sind im Sortiment verfügbar. Unten rechts werden aber auch die einfachen klassischen Gummi-Wärmflachen mit Rippenmuster angeboten. „Wir haben gerade eine Lieferung bekommen“, sagt eine Verkäuferin.
„Demnächst wieder lieferbar“
Sie kann bestätigen, dass die Verfügbarkeit gerade längst nicht immer sicher ist. „Die Nachfrage ist deutlich gestiegen“, so die Frau. Es betreffe „alles, was mit Wärme und Energie zu tun hat“. Wärmflasche, Wärmkissen, Teelichte – solche Artikel sind seit Wochen der Renner. Dazu passt, dass im Wärmflaschenregal trotz ausreichenden Angebots etliche Lücken sind. Schilder bitten um Geduld: „Demnächst wieder lieferbar“, ist zu lesen.
Eine Straße weiter in einem Reformhaus an der Westeremstonne werden Kunden schon am Eingang an einem großen Aussteller mit flauschigen Warmhaltern empfangen. Es sind dicke Wollstiefel, die an märchenhafte Zwergenschuhe erinnern. Sie hängen neben Filzpantoffeln und einem Korb mit dicken Socken. „Solche Artikel werden in diesem Jahr mehr gekauft“, stellt die Mitarbeiterin Irene Bachmann fest. Wärmflaschen sucht man bei ihr vergebens. Es hat allerdings nichts mit einem etwaigen Liefermangel zu tun. Im Reformhaus setzen sie auf Körnerkissen und Tee statt heißem Wasser in Plastik-“Püllis“.
Alkohol ist keine Lösung
Nicht weit entfernt vom Geschäft liegt die Apotheke von Dr. Florian Penner. Auch bei ihm gibt es keine Wärmflaschen zu kaufen. Netterweise erklärt er sich aber spontan bereit, in seinem Warenbestellsystem die Verfügbarkeit zu überprüfen. Tatsächlich sind einige Artikel knapp oder haben längere Wartezeiten, lässt der Apotheker wissen. Von einem Mangel könne aber nicht die Rede sein.
Auf die Frage, wie er selbst zu Hause für sich uns seine Familie vorsorge und welche er Tipps er habe, um sich in einem kühlen Wohnzimmer länger warmzuhalten, empfiehlt er sehr herkömmliche Mittel: „Tee, heiße Zitrone und sicherlich eine Wolldecke“, sagt Florian Penner. Ganz der Gesundheitsexperte hat er dann noch einen wichtigen Rat: „Alkohol“, sagt er ernst, sei gegen Kälte „keine gute Lösung“. Wer meint, sich mit Grog, Glühwein oder anderem Hochprozentigen von innen aufwärmen zu können, der irre: „Der gegenteilige Effekt tritt ein“, so der Apotheker. So führe Alkohol dazu, dass sich die oberflächennahen Blutgefäße weiteten. „Dadurch erhöht sich der Wärmeverlust.“
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