Was Sie heute wissen müssen Zu viel Einkommen? | Zu hohe Temperaturen | Zu wenige Wärmflaschen
Das Wichtigste aus der Region, jeden Morgen um 6.26 Uhr zusammengefasst von der Chefredaktion der Ostfriesen-Zeitung.
Edmund Stoiber, in Norddeutschland ziemlich vergessener ehemaliger Ministerpräsident des Freistaats Bayern, machte sich nichts aus Geld und Einkommen. Bis heute wohnt er in einer ziemlich einfachen Doppelhaushälfte in Wolfratshausen. Eine seiner ersten Amtshandlungen als Ministerpräsident 1993 war, die Nebeneinkünfte der Politiker zu deckeln. Er selber hatte sowieso nie welche, Landräte und Bürgermeister mussten alles über 6000 bzw. 3000 D-Mark pro Jahr hergeben - das war genau der Betrag, den ein Sparkassen-Verbandsrat (oder der Vorsitzende) bekam. Diese Begrenzung war ziemlich unpopulär. Später wurden ähnliche Regeln auch in anderen Bundesländern eingeführt. So restriktiv waren sie allerdings nicht (sind sie auch in Bayern nicht mehr).
Fast 30 Jahre später ist es immer noch schwierig, Auskünfte zu diesem Thema zu bekommen. Andreas Ellinger hat’s probiert, war aber nicht so richtig erfolgreich (obwohl die Daten öffentlich sind) - außer beim Landkreis Aurich. Bei dieser Gelegenheit hat er auch recherchiert, wie viel Gehalt hauptamtliche Bürgermeister beziehen. Auch nicht wenig, aber dann auch nicht zu viel, wenn man bedenkt, was alles an Verantwortung und Zeit an dieser Aufgabe hängen. Die monatlichen Grundgehälter liegen abhängig von der Gemeindegröße zwischen 6853,05 Euro (Tarif B1, bei unter 10.000 Einwohnern) bis 10.546,34 Euro (B7, über 150.000 Einwohnern). Nebeneinkünfte nicht eingerechnet.
Zu den vornehmsten Aufgaben von Landräten und Bürgermeistern gehört auch, der Wirtschaft die Wege zu ebnen, so wie das in Emden offensichtlich gerade passiert. EWE plant einen 320 Megawatt (MW) starken Elektrolyseur zu bauen, der grünen Wasserstoff für die europäische Energiewende herstellt. Bis Ende 2026 soll die Anlage laufen, vorausgesetzt die versprochenen Fördermillionen fließen, wie Gordon Päschel berichtete. In der Emder Kommunalpolitik fliegen nun die Träume hoch. Die seit Jahren erhoffte Ansiedlung einer Batteriezellenfertigung in Emden müsse nicht, sie „wird kommen“, sagte der Auricher Landrat Olaf Meinen voller Überzeugung vor einer Handvoll Journalisten und an der Seite des Vorstandsvorsitzenden der EWE AG, Stefan Dohler. Und auch die Emder Politik wirkte elektrisiert von den Ankündigungen des Energiekonzerns. „Wir reden nicht nur über ein paar 100 Arbeitsplätze, die außerhalb von VW entstehen können“, sagte der Abgeordnete Matthias Arends. Ohne Namen nennen zu wollen, bestätigt er sehr konkretes Interesse von verschiedenen Investoren, die sich über Flächen in Emden informieren.
Die Energiewende, der angewandte Klimaschutz, birgt also große Chancen für das windreiche Ostfriesland. Wie es bis jetzt schon in unserer Region aussieht, im Kampf gegen die Klimakrise, das hat sich Nicole Böning angesehen und jede Menge statistischer Daten zusammengetragen: „So tickt der Nordwesten.“
Jetzt gerade sehen die Daten ganz gut aus, dem wärmsten Oktober aller Zeiten sei Dank. Versorger wie die Stadtwerke Norden registrieren einen Rückgang des Gasverbrauchs von rund 25 Prozent. Wie groß der Anteil des Wetters am geringeren Verbrauch sei, lasse sich allerdings nicht so genau sagen, sagt Thorsten Schlamann, kaufmännischer Geschäftsführer des kommunalen Unternehmens. Es sei davon auszugehen, „dass neben der Temperatur auch ein erheblicher Spareffekt bei den Verbrauchern zu der Netzmengenreduzierung“ geführt habe. Laut dem langjährigen DWD-Mitarbeiter und Wetterbeobachter Jörg Deuber war der abgelaufene Monat 2,5 Grad wärmer als normal. Nochmal Gordon Päschel.
Die Sorgen der Menschen davor, dass sie im Winter frieren müssen, sind davon nicht beeinträchtigt. Und das äußert sich auch in kuriosen Situationen. Was in der Coronazeit das Toilettenpapier war, sind angesichts von Energiemangels die Wärmflaschen. Vielerorts sind sie ausverkauft, und auch in Ostfriesland ist die Nachfrage deutlich erhöht, wie Gordon Päschel bei einer stichprobenartigen Überprüfung festgestellt hat.
Gar nicht bange in Bezug auf die Gaskrise dürfte es vielen Menschen in der Gemeinde Großefehn sein. Dort versorgen seit etwa 15 Jahren acht bäuerliche Biogasanlagen rund 7500 Haushalte mit Strom und etwa 1000 Haushalte mit Wärme. In den vergangenen Jahren geriet die aus Pflanzen gewonnene Energie etwas in Misskredit. Der Ukraine-Krieg hat die Situation aber erneut verändert. Alternativen zu russischem Gas werden gesucht, um sich von der Abhängigkeit zu lösen. Biogas könnte importiertes Erdgas zumindest teilweise ersetzen. Oliver Bär erklärt, in welch komfortabler Situation sich viele Großefehntjer gerade befinden.
Vorgestern war in Emden Museumstag und zugleich verkaufsoffener Sonntag. Da war richtig viel los in der Stadt und auch in der Kunsthalle. Seit gestern ist die Ausstellung „Mythos Wald“ dort beendet. Es war also eine letzte Gelegenheit, diese so außerordentliche Ausstellung zu genießen. Gordon Päschel sprach dazu mit Lisa Felicitas Mattheis, die im Februar die Nachfolge von Dr. Stefan Borchardt als Kunsthallen-Direktorin angetreten hatte, über die Ausstellung, über Henri Nannen und über die Zukunft.
Kennen Sie die Situation? Sie haben Schmerzen, eine Verletzung oder Krankheit, aber ausgerechnet jetzt ist ihr Hausarzt im Urlaub. Und die auf dem Anrufbeantworter genannte Vertretung ist auch nicht da. Dann geht es ans Suchen, so wie es Elisabeth Langheinrich aus Nortmoor erlebt hat. Sie war auch im dritten Versuch, einen Arzt für ihren kranken Mann zu finden, noch nicht erfolgreich. Welche Rechte Patienten in einem solchen Fall haben und welche Pflichten Kassenärzte, das hat Vera Vogt recherchiert.
Was heute wichtig wird:
- Die Stadt Leer erhebt Straßenausbaubeiträge für den Logaer Weg. Die zweite Tranche verlangt sie ausgerechnet jetzt, wo viele Bürger Angst um ihre Existenz haben. Muss das sein, fragt Katja Mielcarek?
- Ziel ist es, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung pro Kopf zu halbieren – auf Verbraucher-, aber auch auf Einzelhandelsebene. Wer macht jetzt schon mit? Vera Vogt hat sich umgehört.
- In einer HNO-Praxis in Aurich mit drei Fachärzten lassen sich Termine online buchen. Das klingt sehr fortschrittlich. Das Problem: Offenbar werden Privatpatienten bevorzugt. Gabi Boschbach hat’s getestet.
- Was taugen Tinder & Co? Jens Schönig hat dies in einem Selbstversuch mit verschiedenen Online-Dating-Apps für die Serie „Ostfriesland intim“ einmal ausprobiert.
- Über Monate hat es immer wieder auf dieselbe Weise an einer Kreuzung in Aurich-Oldendorf gekracht. Frontalcrash beim Abbiegen. Gemeinde, Landkreis und Polizei haben reagiert Ole Cordsen hat sich’s angeschaut.
- Sorgt Inflation dafür, dass Altes und Gebrauchtes wieder wertgeschätzt wird? Ein geeigneter Ort, der Frage nachzugehen, ist ein Repair-Café. Gordon Päschel war in Hinte – im Gepäck zwei defekte Geräte.
- Kinder und Jugendliche sollen über TikTok in Whatsapp-Gruppen geraten sein, in denen Unfug und Kinderpornos geteilt werden. Hannah Weiden hat recherchiert und berichtet, was dran ist an der Sache.