Mehrere Tiere betroffen Geflügelpest rafft verwilderte Hausgänse in Petkum dahin
Der Landkreis Aurich und die Stadt Emden bestätigen den Fund mehrerer toter Tiere. Die Behörden warnen davor, Kadaver oder kranke Vögel zu berühren.
Emden - Der Fall einer herrenlosen Schar von verwilderten Hausgänsen in einem Neubaugebiet des Emder Vorortes Petkum hat eine überraschende Wendung genommen. Einige Tiere dieser Population sind in den vergangenen Tagen verendet. Untersuchungen ergaben, dass sie an der Vogelgrippe erkrankt waren. Das bestätigte ein Sprecher des Landkreises Aurich am Dienstag dieser Zeitung auf Anfrage. Der Kreis ist für das Veterinärwesen in Emden zuständig.
Was und warum
Darum geht es: das Schicksal einer herrenlosen Schar verwilderter Hausgänse in Petkum
Vor allem interessant für: Tierliebhaber und - schützer, Bewohner von Petkum sowie Geflügelhalter
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hatte Hinweise erhalten, dass in Petkum mehrere verwilderte Hausgänse verendet sind, und ist ihnen nachgegangen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Der Fund der toten Gänse löste zunächst Unruhe in Petkum aus. Denn es verbreiteten sich schnell Spekulationen darüber, dass die Tiere möglicherweise vergiftet wurden.
Am Sonntag gab es die jüngsten Funde
Nach Angaben der Stadt Emden sammelte die Feuerwehr der Stadt zuletzt am Sonntag drei verendete Gänse in und an dem Baugebiet Zum Bind ein, das am Petkumer Sieltief liegt. Sie seien beim städtischen Bau- und Entsorgungsbetrieb (BEE) „entsorgt“ worden, schrieb Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Anfrage.
Nach Informationen dieser Zeitung waren schon in der vergangenen Woche mehrere verendete Tiere aus der Schar der verwilderten Hausgänse gefunden und geborgen worden. Bei Untersuchungen von Proben aus den Kadavern sei die Geflügelpest als Todesursache festgestellt worden, sagte der Sprecher des Landkreises Aurich, Nikolai Neumayer, auf Nachfrage. Direkte Auswirkungen auf das betreffende Gebiet in Petkum habe das zunächst nicht.
Zahl der toten Tiere noch unklar
Um wie viele tote Gänse es sich handelte, war zunächst nicht zu erfahren. Laut dem Emder FDP-Politiker Erich Bolinius, der in der Nähe des Neubaugebietes wohnt, sind „alle oder fast alle der 60 Gänse“ verendet. Allerdings ist nicht bekannt, wie groß die Schar der verwilderten Gänse tatsächlich war. Bolinius bedauert den Tod der Tiere. Er habe seit Jahren gefordert, die Gänse umzusiedeln. Aber er sei in dieser Angelegenheit Laie und könne das nicht beurteilen.
Die Stadt Emden hatte bei einem Ortstermin im Juli nach eigenen Angaben circa 35 Tiere gezählt. Es könnten aber deutlich mehr gewesen sein. Denn die Population habe sich „erheblich vergrößert“, bestätigte die Stadt zuletzt. Einige Bewohner des Gebietes wollen indes mehr als 50 Gänse gezählt haben.
Vogelgrippe taucht immer wieder auf
Die Vogelgrippe, als Überbegriff für die Erreger, die die Geflügelpest auslösen, taucht seit Jahren immer wieder auch in Ostfriesland auf, zuletzt Ende Oktober im Kreis Aurich. Sie wird durch Wildvögel eingeschleppt und verbreitet. Sie kann große wirtschaftliche Schäden verursachen - ist ein Bestand befallen, müssen alle Tiere dort getötet werden. Verschiedene Vogelgrippe-Viren können nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts für Tiergesundheit bei sehr intensivem Kontakt auch für Menschen gefährlich werden.
Der Kreis Aurich und die Stadt Emden warnen ausdrücklich davor, tote oder kranke Tiere anzufassen. Auch der Kontakt mit Hunden sollte vermieden werden. Die Funde sollten dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden. In Emden können sich Finder rund um die Uhr an die Hauptamtliche Wachbereitschaft der Feuerwehr unter der Telefonnummer 04921/94321 wenden.
Gänse sind schon seit Jahren ein Thema
Die Schar von verwilderten Hausgänsen in Petkum beschäftigt schon seit Jahren Bewohner des Ortsteils, Behörden und Naturschützer. Vor allem aber Bewohner des von Kanälen durchzogenen Neugebiets Zum Bind und benachbarter Viertel klagen vor allem über die Hinterlassenschaften der Tiere in den Gärten. Einige sehen auch Kinder von den bisweilen aufdringlichen Tieren gefährdet.
Zuletzt hatten das Federvieh im September für Gesprächsstoff gesorgt. Damals erklärte die Stadtverwaltung, dass sie keine Grundlage dafür sehe, selbst einzugreifen und das Problem zu lösen. Sie empfahl deshalb, die Gänse „vor Ort zu belassen“. Dabei stützte sie sich auf Stellungnahmen mehrerer Fachbehörden.
Demnach sei wegen der Gefahr von Tierseuchen nicht zulässig, die Gänse einzufangen und auf einen landwirtschaftlichen Betrieb umzusiedeln, schrieb das Veterinäramt des Landkreises Aurich. Weil es keinen gesicherten Nachweis für die Herkunft der Tiere gebe, könnten sie auch nicht geschlachtet und vermarktet werden. Der zuständige Fachausschuss des Rates wollte sich mit solchen Aussagen aber nicht zufriedengeben und forderte die Stadt auf, nach Lösungen zu suchen. Die gab es bislang aber nicht.