Tourismus an der Küste  Knappe Kassen und die Verschönerung der Sielorte

| | 03.11.2022 15:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schiffe liegen in Carolinensiels Museumshafen. Foto: Oltmanns/Archiv
Schiffe liegen in Carolinensiels Museumshafen. Foto: Oltmanns/Archiv
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Eigentlich wollen die Sielhafenorte im Kreis Wittmund gemeinsam Fördertöpfe anzapfen, um hübscher und moderner zu werden. Aber jetzt stockt die Arbeit. Der Grund liegt auch in Russland.

Esens/Küste - Der Tourismus ist wichtig für Ostfriesland und für niemanden gilt das mehr als die Sielhafenorte. Bensersiel, Neuharlingersiel und Harlesiel im Landkreis Wittmund zum Beispiel, wo sich in der Saison die Gäste tummeln und ansonsten recht wenig los ist. Touristiker und Bürgermeister sind sich einig: Damit die Gäste auch weiterhin kommen, müssen die Orte hübsch und ansprechend bleiben; sich vielleicht sogar modernisieren. Dieser Prozess ist auch seit Jahren in den Orten zu beobachten. Doch nun scheint diese Entwicklung etwas ins Stocken zu geraten.

Was und warum

Darum geht es: Das Geld für Verschönerungsmaßnahmen in den Küstenorten sitzt nicht mehr locker.

Vor allem interessant für: Touristiker sowie Privatleute und Vereine aus den Küstenregionen im Landkreis Wittmund

Deshalb berichten wir: Das jüngste Arbeitskreistreffen der Sielhafenorte warf einige Fragen auf.

Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de

„Wir haben viele Pflichtaufgaben zu erfüllen und können noch gar nicht einschätzen, wie das finanziell weitergeht in den nächsten Jahren“, sagt Harald Hinrichs (parteilos), Bürgermeister der Samtgemeinde Esens, zu der zwei der Sielhafenorte gehören, Neuharlingersiel und Bensersiel. Das Gespräch findet ein paar Tage nach einem Arbeitskreistreffen der „Dorfentwicklung Sielhafenorte“ in Bensersiel statt, bei dem offensichtlich wurde, dass neue Projekte eher zögerlich beäugt werden.

Die Dorfregion

Im Landkreis Wittmund haben sich vor einigen Jahren mehrere Orte zur „Dorfregion Sielhafenorte“ zusammengetan, um über ein staatlich geförderte Dorfentwicklungsprogramm Fördermittel zu bekommen. Konkret sind das Bensersiel, Neuharlingersiel, Carolinensiel, Harlesiel und das etwas weiter im Hinterland liegende Werdum. Das Programm soll „die unverwechselbare Eigenart ländlicher Siedlungen bewahren und die Lebensqualität der dort lebenden Menschen verbessern“, wie es offiziell heißt.

Esens' Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs. Foto: Oltmanns
Esens' Samtgemeindebürgermeister Harald Hinrichs. Foto: Oltmanns
Begleitet wird das Ganze von der NWP-Planungsgesellschaft aus Oldenburg. Laut NWP umfasst das Dorfentwicklungsgebiet knapp 69,37 Quadratkilometer Fläche und rund 4.500 Menschen. Die Einwohnerdichte, so heißt es weiter, sei mit 65 Einwohnern pro Quadratkilometer sehr gering. Einige Projekte sind schon umgesetzt, die Verschönerung von Bensersiels Kurpark etwa, oder die Sanierung des Dachreiters eines denkmalgeschützten Gebäudes in Neuharlingersiel. Auch Privatleute und Vereine können Anträge einreichen; auf diese Weise flossen schon Fördergelder in die Seriemer Mühle oder nach Altharlingersiel, für neue Räume der Dorfgemeinschaft.

Das Geld

Doch jetzt? Beim jüngsten Treffen des Dorfentwicklungs-Arbeitskreises in Bensersiel verhallten die Fragen der NWP-Vertreter nach weiteren Anträgen in allgemeiner Stille. Für die Stadt Wittmund, zu der Carolinensiel und Harlesiel gehören, bemerkte Bauamtsleiter Joachim Wulf lediglich, das Geld werde aktuell woanders benötigt. Auch Esens‘ Samtgemeindebürgermeister Hinrichs sprach von vielen Pflichtaufgaben der Kommunen. Fördergelder sind stets an einen Eigenanteil der Antragsteller gebunden. Heißt: Ohne eigene Mittel gibt es auch keine Zuschüsse.

In dem Telefonat ein paar Tage später verwies Hinrichs auf einen Zuständigkeitswechsel, der den Kommunen zu schaffen mache. Seit Juni seien die Gemeinden selbst für die Unterbringung der Flüchtlinge aus der Ukraine zuständig. Es gelte also, Wohnungen zu finden, einzurichten und für ein Mindestmaß an Betreuung zu sorgen. Das binde auch Personal. Dazu kämen die Kostensteigerungen bei der Energie und bei den Baukosten. Kurz: „Der Haushalt lässt nicht mehr viel Platz für andere Projekte.“ Ähnlich äußerte sich auf Nachfrage auch Neuharlingersiels Bürgermeister Jürgen Peters (CDU): „Wir sind alle ein bisschen vorsichtig geworden, es weiß ja keiner, was noch auf uns zukommt.“

Der Tourismus

Einig sind Hinrichs und Peters sich allerdings auch in einer anderen Einschätzung: Der Tourismus, finden sie, dürfe nicht vernachlässigt werden. „Wir müssen weiter daran arbeiten, das ist ganz wichtig für uns“, so der Bürgermeister aus Neuharlingersiel. Er betont auch sonst immer mal wieder, dass andere Regionen touristisch besser dastünden als die ostfriesische Nordseeküste. Die Küstenstriche Schleswig-Holsteins zum Beispiel, oder die Küsten-Nachbarn in den Niederlanden.

Thure de Frenne vom Planungsbüro NWP jedenfalls hofft auf weitere Anträge aus der „Dorfregion Sielhafenorte“. Er verweist auf das nächste Treffen im kommenden Februar. Außerdem, so erklärt er auf Nachfrage, könne man davon ausgehen, dass das Programm, aus dem die Fördergelder kommen, verlängert wird. Nach jetziger Planung müssten neue Projekte bis Ende 2026 umgesetzt sein.

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