Kinderpornografie Südbrookmerlander zahlte für kostenlose Pornos einen hohen Preis
Wer in Messengern unterwegs ist, sollte sich seine Gruppen gut aussuchen. Einem 26-Jährigen aus Südbrookmerland haben sie eine Gefängnisstrafe eingebracht. Das könnte bald vielen blühen.
Südbrookmerland - Unterwegs auf Montage, weit weg von zu Hause, draußen die Corona-Pandemie, drinnen die Langeweile. So ging es einem inzwischen 26-Jährigen aus Südbrookmerland im Jahr 2020. Was liegt näher, als ein bisschen auf dem Handy zu daddeln? Hier eine lustige Gruppe auf Telegram – irgendwo zwischen Pornos und Witzfilmchen. Da eine Gruppe auf der Chat-Plattform KiK zum Austausch von Filmchen und Bildern über Dropboxlinks. Pornos, was soll’s. So ging die ganze Sache los – und war schon fast vergessen, als die Polizei eines Morgens zu einer Hausdurchsuchung vor seiner Tür stand.
Was und warum
Darum geht es: Eine 26-Jähriger aus Südbrookmerland wurde für den Besitz von Kinderpornografie verurteilt. Das könnte bald vielen drohen.
Vor allem interessant für: alle, die Messengerdienste nutzen und achtlos mit ihren Daten umgehen
Deshalb berichten wir: Der Fall wurde vor dem Amtsgericht Aurich verhandelt.
Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Insgesamt 32 Dateien mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten hatten die Ermittler auf seinem Handy und dem Laptop gefunden. Der Hinweis zu den verdächtigen Dateien war über einen Serverdienst der Dropbox gekommen, wo einige von ihnen gespeichert waren. Eine Szene wie im Film: „Ich habe den Polizisten bereitwillig die Tür geöffnet und gesagt, dass ich nichts zu verbergen habe“, berichtete der junge Mann Richterin Stellmacher in der Vernehmung bei seinem Prozess vor dem Amtsgericht Aurich. Dass und womit er sich bereits strafbar gemacht haben könnte, sei ihm selbst nicht einmal bewusst gewesen.
32 verdächtige Dateien gefunden
Zum einen waren in der riesigen Datenmenge der Dropbox verdächtige Bilder und Filme gefunden worden. Zum anderen waren die Dateien mit „Kindern und Jugendlichen, ganz oder teilweise entkleidet, in eindeutigen Posen“ aus der Telegram-Gruppe noch im Bilderordner des Messengers gespeichert. „Obwohl ich sie im Messenger gelöscht habe und der Absender verwarnt und aus der Gruppe geworfen wurde“, so der Südbrookmerlander. Was ihm am Ende die vergleichsweise hohe Strafe einbrachte, waren die Kopien der Dateien auf dem Laptop. Wie sie dorthin kamen, konnte der junge Mann nicht erklären.
Deutschlandweit haben die Fälle von verbreiteter Kinderpornografie stark zugenommen. Die Ursache sind laut Bundeskriminalamt aber nicht steigende Täterzahlen, wie der Präsident Holger Münch in einem Interview im April erklärt hatte. „Hauptursache für den starken Anstieg ist die steigende Zahl von Verdachtsmeldungen, die wir im Bundeskriminalamt von der halbstaatlichen US-amerikanischen Stelle ‚National Center for Missing an Exploited Children‘ (NCMEC) erhalten“, so Münch. „Wir prüfen diese auf Strafbarkeit nach deutschem Recht, stellen den möglichen Verursacher fest und leiten den Sachverhalt dann an die zuständigen Bundesländer weiter.“
Amerikanische Organisation prüft Server
Das NCMEC ist eine US-amerikanische Organisation, die Fälle von vermissten oder ausgebeuteten Kindern bearbeitet und ebenfalls Verdachtsfälle von Kinderpornografie an die betroffenen Länder meldet. Lädt ein deutscher Nutzer solche kinder- und jugendpornografischen Schriften oder Dateien, deren Besitz strafbar ist, zu US-Internetdiensten hoch, geht eine Meldung an das NCMEC und von dort an das BKA. Das BKA leitet dann in Deutschland ein Ermittlungsverfahren ein.
So wie dem 26-Jährigen aus Südbrookmerland geht es deutschlandweit immer mehr Menschen. Die polizeiliche Kriminalstatistik hatte 2021 eine Verdopplung der Straftaten auf mehr als 39.000 ergeben. „Im letzten Jahr haben wir über 63.000 strafrechtlich relevante Meldungen vom NCMEC erhalten, die sich zu großen Teilen in der diesjährigen Statistik niederschlagen werden. Für 2022 rechnen wir mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Meldungen“, so Münch. Für den 26-Jährigen, der am Donnerstag in Aurich verurteilt wurde, hatte der Ausflug in die Welt der kostenlosen Porno-Bilder und -Filme einen hohen Preis. Er endete mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf drei Jahre Bewährung, einer Zahlung von 1000 Euro an das Kinderhilfswerk und einem Eintrag in sein sonst blütenreines Vorstrafenregister. Handy und Laptop wurden einbehalten.
Der zentrale Vorwurf von Staatsanwältin Singer und Richterin Stellmacher: Warum er überhaupt in einer Gruppe geblieben sei, in der die Gefahr besteht, dass solches Material verteilt wird? Dieser Punkt wog für beide so schwer, dass trotz der geringen Menge an Dateien die Strafe relativ hoch ausfiel. Er habe seine Lektion gelernt, so der Angeklagte. Das Schlimmste sei nicht, dass er jetzt vor Gericht stehe und verurteilt werde, hatte er dem Gericht erklärt. Das Schlimmste sei für ihn, dass solche Dateien überhaupt existieren und im Umlauf sind. „Ich bin selbst mehrfacher Onkel und ich finde allein die Vorstellung schrecklich, jemand könnte so etwas mit Kindern machen.“ Er verzichte auf sein Recht, Einspruch gegen das Urteil einzulegen.
Plötzlich wird man selbst zum Täter
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