Gefahr durch Holzabfälle Spartrieb kann für Kaminbesitzer teuer werden
Steigende Brennholzpreise bringen manche Kaminbesitzer auf die Idee, ihre Feuerstelle auch mit anfallenden Holzresten oder -abfällen zu beheizen. Doch wer dort sparen will, zahlt am Ende darauf.
Wiesmoor - Noch gönnt uns der Herbst relativ hohe Temperaturen und hilft so, den Einstieg in die Heizperiode ein wenig zu verzögern. Doch früher oder später dürfte Väterchen Frost Einzug in die Norddeutsche Tiefebene halten und auch viele Ostfriesen könnten sich unter Zugzwang sehen, seinen Kamin anzuheizen.
Was und warum
Darum geht es: Altes Holz, das noch zu Hause herumliegt, eignet sich nicht zum günstigen Verheizen im Kamin. Ganz im Gegenteil.
Vor allem interessant für: Kamin- und Ofenbesitzer
Deshalb berichten wir: Schornsteinfeger machten uns auf das mögliche Problem aufmerksam.
Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Allerdings ist im Zuge der Energiekrise auch Brennholz teuer geworden und ein Ende der Preisspirale noch nicht in Sicht. So mancher Kaminbesitzer könnte in Versuchung geraten, erst einmal „anderes Holz“ zu verfeuern, das vielleicht noch herumliegt. Den kaputten Couchtisch, der eigentlich noch zum Sperrmüll sollte. Das alte Bücherregal. Oder die ausgedienten Paletten im Schuppen. Was soll schon passieren? Holz ist doch Holz...
Holz ist nicht gleich Holz
Genau so etwas befürchten Thomas Huhne, stellvertretender Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Ostfriesland, und seine Berufskollegen für den kommenden Winter. „Die Gasmangellage bringt ohnehin schon viele Leute auf die Idee, ihre Kamine viel häufiger als bisher zu betreiben, ohne dass sie öfter gereinigt werden“, sagt Huhne. „Kommt dann noch das falsche Holz in den Kamin, wird es gefährlich.“
Grundsätzlich dürfen Kamine nur mit unbehandeltem, naturbelassenem Brennholz betrieben werden, betont Huhne. „Jetzt hat aber ein Hausbesitzer womöglich noch Grobspanplatten vom letzten Innenausbau übrig und denkt sich, die vielen Verschnittreste könnte er ja ebenso gut verbrennen, anstatt sie zur Deponie zu fahren, wo sie hingehören“, so der Schornsteinfegermeister. Schon das Verbrennen von zu feuchtem Holz kann im Schornstein zu Ablagerung von Glanzruß führen, der im Schornstein verklumpt und sich irgendwann entzündet. Bei Spanplatten, verleimtem oder Pressholz sind zusätzlich Harze und Klebemittel im Spiel, wodurch die klebrigen Rußklumpen im Kamin noch unberechenbarer werden. „Auch als ‚unbehandelt’ klassifizierte Holzpaletten sind meist in irgendeiner Form behandelt“, betont Huhne.
Vom Ärgernis bis zum flammenden Inferno
So kann ein Schornsteinbrand dann unterschiedliche Ausmaße annehmen. „Das hängt von vielen Faktoren ab“, sagt Jan-Marco Bienhoff von der Feuerwehr Wiesmoor. „Da spielt die Art der Ablagerungen ebenso eine Rolle wie die Bauweise des Schornsteins oder etwa der Dachboden. Steht dort zum Beispiel etwas dicht am Schornstein, kann es eine potenzielle Quelle für einen Dachstuhlbrand werden.“ Normalerweise könne die Feuerwehr den glühenden Klumpen relativ gut aus dem Schornstein entfernen. Bienhoff erinnerte sich aber auch an einen Schornsteinbrand, dem ein ganzes Nebengebäude zum Opfer fiel.
Selbst ein glimpflich verlaufender Schornsteinbrand kann für den Kaminbesitzer noch unangenehm genug werden, nicht nur wegen der Schäden an Schornstein und Ofen. Wenn die Ursache ungeeignetes Holz war, können das die Brandermittler der Polizei im Nachhinein herausfinden. Das kann strafrechtliche Folgen haben. „Es wird zwar nicht als Brandstiftung gewertet“, sagt Wiebke Baden von der Polizeiinspektion Aurich-Wittmund. „Der Kamin ist schließlich als einzige Stelle im Haus zum Feuer legen bestimmt. Aber bei behandeltem Holz hat man es schnell mit giftigen Gasen und Dämpfen aus Chemikalien zu tun. Und dann sind wir im Bereich einer Umweltstraftat.“
Ärger droht auf jeden Fall
Selbst wenn keine Straftat vorliegt, kann es teuer werden. Denn unter Umständen stellt sich auch die Versicherung auf die Hinterbeine. „Das Material, das zu einem Brand geführt hat, ist auch entscheidend für die Schadensregulierung“, sagt Signe Foetzki von der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse. Wurde ungeeignetes Brennmaterial benutzt, kann das eine grobe Fahrlässigkeit darstellen. „Dann ist die Versicherung berechtigt zu quoteln. Das heißt, den Schaden nur zu einem gewissen Anteil zu regulieren“, sagt Foetzki.
Wenn Vögel zu Brandstiftern werden
Feuerwehr warnt vor feuchtem Holz im Ofen
Selbst wenn der Schornstein sauber und sicher bleibt, kann das „billige“ Holz teurer werden als man glaubt, betont Huhne. „Bretter zum Beispiel eignen sich auch unbehandelt nicht für den Kamin, weil sie relativ dünn sind und eine große Oberfläche haben“, erklärt er. „So erzeugen sie sehr schnell sehr hohe Temperaturen, die dem Kaminofen schaden. Zugleich ist die Hitze auch sehr schnell wieder weg, sodass der geglaubte Spareffekt verpufft. Holzscheite brennen dagegen langsam ab und geben die Hitze gleichmäßig frei.“
Huhne empfiehlt dringend, die Herstellerangaben für den Betrieb des Kaminofens zu beachten. „Jeder neue Kaminofen hat ein Typenschild, auf dem steht, was als Brennstoff zugelassen ist“, sagt er. „Ofenbauer händigen ihren Kunden außerdem die Infobroschüre ‚Richtig heizen mit festen Brennstoffen‘ aus.“ Tipps zum richtigen Heizen mit Kaminöfen gibt es auch auf der Seite www.schornsteinfeger.de.