Bildung in der Krummhörn  Biregio erklärt die Bedarfsanalyse für Schulen und Kitas

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 06.11.2022 09:05 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Etwa 70 Personen kamen kürzlich zur Grundschule Jennelt, um für den Erhalt zu demonstrieren. Anlass war der Besuch eines Biregio-Gutachters. Foto: Hillebrand
Etwa 70 Personen kamen kürzlich zur Grundschule Jennelt, um für den Erhalt zu demonstrieren. Anlass war der Besuch eines Biregio-Gutachters. Foto: Hillebrand
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Über die Zukunft der Grundschulstandorte in der Krummhörn wird diskutiert. Grund ist eine Bedarfsanalyse. Doch wie wird die eigentlich erstellt?

Krummhörn - Wird die Grundschule schließen oder nicht? Diese Frage stellt sich in der Gemeinde Krummhörn gerade vor allem in Jennelt, wo Ende Oktober deswegen für den Erhalt des Grundschulstandortes protestiert wurde.

Was und warum

Darum geht es: Das Unternehmen Biregio gibt einen allgemeinen Einblick, wie es bei der Bewertung von Schul- und Kitastandorten vorgeht.

Vor allem interessant für: Eltern, die sich fragen, welche Faktoren bei der Schließung von Schulen und Kitas eine Rolle spielen können

Deshalb berichten wir: In Jennelt gibt es Proteste, weil gerade dort die Schließung der Grundschule befürchtet wird. Wir wollten von den Gutachtern wissen, inwieweit diese Angst begründet ist.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Dreh- und Angelpunkt der Befürchtungen ist eine Bedarfsanalyse, die die Gemeinde in Auftrag gegeben hat. Hier sollen neben den Grundschulen auch die Kita-Standorte betrachtet und auf ihre Zukunftsfähigkeit hin untersucht werden. Auch wenn es von den Ratsparteien schon jetzt vereinzelt Bekenntnisse zum Erhalt aller Standorte gibt: Wie die Politik entscheiden wird, wenn die Ergebnisse der Analyse vorliegen, ist offen.

Das sagt Biregio zur Bedarfsanalyse

Das liegt zum Teil auch daran, dass gar nicht so genau bekannt ist, wie die Analyse genau aussieht. Beauftragt wurde die Projektgruppe Bildung und Region (Biregio) aus Bonn. Die Mitarbeiter beraten „Politik und Verwaltung bei der Planung von Schulen, Kindertagesstätten, Sportstätten und Schulbauten sowie der Demografieplanung und ihren Folgen für die Stadtentwicklung“, heißt es auf der Website der Firma.

In Ostfriesland ist Biregio nicht unbekannt. Schon in der Vergangenheit haben die Bonner unter anderem für den Landkreis Aurich Analysen ähnlich wie der jetzigen in der Krummhörn angefertigt. Diese Zeitung hat Biregio mehrere Fragen geschickt, die das Unternehmen schriftlich über die Pressestelle der Gemeinde Krummhörn beantwortet hat.

Was für Faktoren werden beispielsweise untersucht, wenn sich Biregio Schulen und Kitas anschaut?

Biregio: Zu viele, um sie einzeln aufzuzählen – kurz: Das Gefüge der Einrichtungen in der Gesamtgemeinde und die bisherigen Trends sowie künftige Erwartung an die Entwicklung bzw. Entwicklungsfähigkeit der einzelnen Einrichtung. Eine wesentliche Grundlage sind freilich die Kinderzahlen, die möglichen Klassen, die pädagogischen Möglichkeiten, die Tragfähigkeiten, die Raumvorhaltungen – alles geht in Abwägungen ein. Es gibt keine Vorab-Setzungen oder -Ergebnisse.

Gibt es pauschale Mindestzahlen für Schulen- und Kitakinder und Sie sprechen sich grundsätzlich für eine Schließung aus, wenn diese unterschritten werden?

Biregio: Nein. Das oben genannte Gefüge ist entscheidend, ebenso die Rechtslage im betreffenden Bundesland: In Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel Mindestgrößen für Grundschulen, in Niedersachsen nicht.

Gibt es sonstige Richtlinien, die bei Ihren Empfehlungen berücksichtigt werden, wie die Nähe zu den nächsten Schul- oder Kitastandorten?

Biregio: Auch die Abwägung von Fahrtzeiten ist ein Faktor. Auch hier kann aber der Gesamtsicht nicht vorgegriffen werden. Dafür werden ja auch mehrere Szenarien zu entwickeln sein – wenn es denn dann vernünftige Szenarien gibt.

Was für Busfahrtzeiten gelten für Kinder als zumutbar?

Biregio: Das hängt von der Struktur vor Ort und von der Rechtslage im betreffenden Bundesland ab, für die Krummhörn gibt es keine Satzung.

Was für Daten nehmen Sie zur Hand, wenn Sie Prognosen zur Nachwuchsentwicklung in einer Kommune geben? Geht es rein um aktuelle Geburtenzahlen oder werden beispielsweise auch externe Faktoren berücksichtigt (geplante Baugebiete, Ansiedlungspläne von großen Arbeitgebern in der Region, ...)?

Biregio: Wir beziehen neben den von Ihnen genannten auch die zu erwartenden generativen Brüche (den aktuellen Altersaufbau der Bevölkerung vor Ort) und alle weiteren zugänglichen externen Faktoren und Besonderheiten sowie lang- und kurzfristige Trends einer Region/Kommune ein.

2014 hat Biregio schon einmal eine große Untersuchung im Landkreis Aurich durchgeführt. Heute kommt in der Krummhörn immer wieder das Argument auf, dass die damaligen Prognosen zu späteren Schülerzahlen zumindest teilweise nicht eingetroffen sind. Stimmt das?

Biregio: Wir können die Prognose noch nicht prüfen, da uns noch nicht alle Zahlen vorliegen. Die Trendprognose von 2014 (deutlich sinkende Zahlen) ist klar eingetroffen. Etwaige Abweichungen in der Detailprognose erklären sich oft aus Abweichungen in der Zahl der tatsächlich errichteten Wohneinheiten, aus bei Planerstellung nicht absehbaren Betriebsschließungen und -eröffnungen oder plötzlich veränderten Bedingungen im Umland wie einem erhöhten Zuzugsdruck aus den Städten.

Kann allein der schlechte bauliche Zustand einer Einrichtung zu einer Schließ-Empfehlung führen?

Biregio: Der Zustand spielt eine Rolle. Hinzu kommen gegebenenfalls städtebauliche, architekturhistorische, ökologische und natürlich auch wirtschaftliche Aspekte. Entscheidend ist das Gesamtbild, zumal es bei Grundschulen um eine Pflichtaufgabe geht.

Wann ist mit Ergebnissen zu den jetzigen Untersuchungen zu den Schulen und Kitas in der Krummhörn zu rechnen?

Biregio: Im Januar 2023.

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