WM 2022 in Katar  Public Viewing zur Fußball-WM bleibt in Leer ein Einzelfall

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 07.11.2022 11:54 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ein großes Public Viewing in Leer wird es zur bald startenden WM nicht geben. Foto: dpa
Ein großes Public Viewing in Leer wird es zur bald startenden WM nicht geben. Foto: dpa
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Am 20. November startet die WM in Katar. Ein Leeraner Fußballverein fordert den Boykott von Public Viewing. Der Stadt sind jedoch die Hände gebunden.

Leer - Es gehört eigentlich zu jeder Fußball-Weltmeisterschaft: das Public Viewing. Doch bei der am 20. November startenden WM in Katar wird es in Leer kaum Angebote geben.

„Es liegt uns kein einziger Antrag vor, in Leer ein Public Viewing abzuhalten“, sagt Bürgermeister Claus-Peter Horst (parteilos). Man habe im Verwaltungsausschuss über das Thema gesprochen. Auslöser war ein offener Brief des Vereins Borussia Leer.

Offener Brief

Der Verein habe sich der Initiative Boycott Qatar 2022 angeschlossen. „Wir lehnen diese WM ab. Diese Weltmeisterschaft raubt dem Fußball endgültig die Seele. Die politischen und sozialen Verhältnisse in Katar widersprechen eklatant den Grundsätzen der Menschenrechte“, schreibt der Verein. Von der Stadt fordere man, keine Genehmigung für ein Public Viewing zu geben.

Die Leeraner Grünen gehen sogar noch einen Schritt weiter. Angesichts der Menschenrechtsverletzungen und der schwierigen Arbeitsbedingungen für die Gastarbeiter in Katar fordert der Vorstand der Leeraner Grünen die Stadt Leer und auch die Gastronomen und Hallenbesitzer in Leer auf, bewusst auf Liveübertragungen des Sport-Events zu verzichten. Eine Weltmeisterschaft ohne Fernsehpublikum wäre ein deutliches Signal an die internationalen Sportverbände, schreiben sie in einer Pressemitteilung.

Eine Veranstaltung geplant

Tatsächlich soll es in der Stadt eine Veranstaltung geben. „Im Millennium soll es ein Public Viewing geben. Das ist eine private Veranstaltung, auf die wir keinen Einfluss haben“, so Bürgermeister Horst.

Das Leinwand-Spektakel sollte den Fans ursprünglich in einem Zelt auf der „Großen Bleiche“ geboten werden, wie der Veranstalter vor Kurzem mitteilte. Doch die Zeltkosten seien in die Höhe geschnellt. „Von 20.000 auf 40.000 Euro“, sagt Ekko Gosch. Das war ihm doch ein zu großes finanzielles Risiko. Deshalb hat der Chef-Organisator das Eventzentrum Millennium in der Nähe des Emsparks als Stätte der Fußballfeste auserkoren. „Da passen 1200 Leute rein. Das reicht.“ Ekko Gosch sprach vor Kurzem mit den Millennium-Inhabern Ferhat Özdemir und Aslan Sat über seine Idee und erhielt umgehend eine Zusage. Nun sollen dort bei allen Deutschland-Spielen WM-Partys steigen. Am 23. November trifft Deutschland im ersten Duell um 14 Uhr auf Japan.

Gosch weiß aber auch, dass er mit seinen Plänen nicht überall auf Gegenliebe stoßen wird und etliche Menschen einen Boykott der WM fordern. „Die Menschrechtslage in Katar finde ich auch nicht toll“, sagt Gosch. „Aber der DFB hat entschieden, dort anzutreten und die Politik keine Einwände erhoben.“ Nun möchte er auch bei den Leuten vor Ort für ein bisschen WM-Atmosphäre sorgen. „In diesen finsteren Zeiten müssen auch mal wieder schöne Sachen stattfinden.“

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