Radikale Protestaktionen Droht der Klimaschutzbewegung die Spaltung?
Aktivisten der „Letzten Generation“ kleben sich an Straßen fest und beschmieren wertvolle Gemälde. Bei „Fridays for Future“ in Leer wächst die Sorge, an Rückhalt in der Gesellschaft zu verlieren.
Leer/Braunschweig/Berlin - Straßen werden blockiert und Gemälde mit Lebensmitteln beschmiert – die Protestaktionen der Klimaaktivisten der „Letzten Generation“ sorgen für große Aufmerksamkeit, stoßen aber auch auf viel Kritik. CDU-Generalsekretär Mario Czaja kündigte am Montag einen Gesetzentwurf der Union im Bundestag für härtere Strafen gegen Klima-Aktivisten an.
Die umstrittenen Protestaktionen beschäftigen aber auch die Klimaschützer: „Es wird innerhalb der gesamten Bewegung darüber diskutiert“, sagte Mischa Lauterbach von „Fridays for Future“ Leer. Seit 2018 gehen Schülerinnen und Schüler in vielen Ländern auf die Straße, um für schärfere Maßnahmen gegen den Klimawandel zu demonstrieren – allerdings friedlich. „Es steht fest, dass niemals jemand verletzt werden darf“, sagte Nele Evers, Sprecherin von „Fridays for Future“ Niedersachsen. Dass angesichts der Dringlichkeit, die beim Kampf gegen die Klimakatastrophe bestehe, der Wunsch nach mehr Radikalität aufkomme, könnten sie persönlich nachvollziehen, sagten sowohl Lauterbach als auch Evers.
Unterstützen oder auf Distanz gehen: Die Diskussion ist im Gange
Er halte es aber nicht für zielführend, wenn sich Demonstranten etwa auf Straßen festkleben, so Lauterbach. Denn damit treffe man „normale Leute“, die nicht hauptverantwortlich für den Klimawandel seien. Eigentlich müsse der Protest Konzerne treffen, von denen der Großteil der klimaschädlichen Emissionen stamme – und nicht Bürgerinnen und Bürger, bei denen die Klimaschutzbewegung durch die Aktionen an Rückhalt verlieren könne.
Schadet die „Letzte Generation“ mit ihren radikalen Methoden also der „Fridays for Future“-Bewegung? „Die Menschen werfen uns manchmal in einen Topf“, so Evers. Für sie sind beide Gruppen klar voreinander getrennt. Das sieht bei den Klimaschützern aber offenbar nicht jeder so: „‚Fridays for Future‘ selber ist sehr uneins“, so Lauterbach. Die Diskussion darüber, ob man die „Letzte Generation“ und ähnliche Gruppen unterstützen oder zu ihnen auf Distanz gehen solle, laufe.
Der 21-Jährige selbst sieht das Vorgehen der „Letzten Generation“ kritisch: „Es wäre wichtig, nicht solche spalterischen Aktionen zu machen.“ Lauterbach hält aber auch manche Kritik für fehl am Platz – etwa die von CSU-Politiker Alexander Dobrindt, der von einer „Klima-RAF“ sprach. Ein Vergleich der Klimaschützer mit der Roten Armee Fraktion (RAF), die jahrzehntelang als Inbegriff von Terror und Mord galt, sei komplett unangebracht, so Lauterbach: „Das sehe ich als sehr gefährlich an.“ Auch Czaja distanzierte sich von Dobrindts Äußerung.
Mit Material von DPA