Gastronomie in Aurich  Extrablatt-Kette will Markthalle und Hafenkiste übernehmen

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 08.11.2022 13:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Markthalle muss vor einer Vermietung baulich ertüchtigt werden. Foto: Archiv
Die Markthalle muss vor einer Vermietung baulich ertüchtigt werden. Foto: Archiv
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Zwei auf einen Streich könnte die Devise beim jüngsten Gastro-Coup lauten. Es gibt einen möglichen Betreiber für gleich zwei vakante Einrichtungen in Aurich. Der ist vielen Kneipengängern bekannt.

Aurich - Die Gastro-Kette Extrablatt möchte sowohl die Markthalle als auch das seit Jahren leerstehende Restaurant Hafenkiste betreiben. Das hat ein Manager des Unternehmens am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung bestätigt. „Die Bedingungen in Aurich sind ideal für unser Konzept“, sagte Carsten Dreyer. Der Manager der CE Immobilien GmbH ist für die Expansion der Firma zuständig. Seit einem halben Jahr prüfe sein Team die Voraussetzungen für eine Ansiedlung. Seit zwei, drei Monaten gebe es Gespräche mit Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). „Die verlaufen in einem sehr guten, partnerschaftlichen Rahmen. Ich kann allerdings jetzt noch nicht sagen, ob wir wirklich kommen werden“, sagte Carsten Dreyer. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Doch den müssen wir erst mal ebnen.“

Noch müssten unter anderem bauordnungsrechtliche Fragen geklärt werden. Ein weiterer Punkt kommt hinzu: „Wirtschaftlich ist momentan alles schwierig zu rechnen, sodass wir keine Kostensicherheit haben. Grundsätzlich können wir es uns sehr gut vorstellen, nach Aurich zu kommen.“ Erste Pläne sind am Montag im Verwaltungsausschuss dem Bürgermeister und einigen Ratsmitgliedern vorgestellt worden. „Das Café Extrablatt ist eine unkomplizierte Ganztages-Kneipen-Gastronomie mit Niveau.“ So definiert das Unternehmen sich selbst auf seiner Homepage. Das erste Café wurde 1988 von den Brüdern Richard und Christoph Wefers in Emsdetten gegründet. Christoph Wefers ist immer noch im operativen Geschäft tätig.

Marktplätze sind besonders gefragt

Die Extrablatt GmbH unterhält Betriebe in mehr als 100 deutschen Städten, von Sylt bis Freiburg. Der Süden der Republik ist noch nicht so gut erschlossen wie der Nordwesten. Das kann sich aber schnell ändern. Das Unternehmen ist offenbar permanent auf Expansionskurs. „Werden Sie unser neuer Vermieter“, heißt es auf der Homepage. Man suche ständig attraktive Objekte in Kleinstädten ab einer Größe von 35.000 Einwohnern, ist dort zu lesen. Besonderes Augenmerk lege man auf repräsentative Gebäude an öffentlichen Plätzen mit großer Außenterrasse. Besonders gefragt: Marktplätze und Ecklagen in stark frequentierten Lauflagen.

Carsten Dreyer hat sich am Montag den ganzen Tag lang in Aurich aufgehalten, um die infrage kommenden Immobilien in Augenschein zu nehmen. Am späten Nachmittag hat er seine Pläne im Verwaltungsausschuss vorgestellt. Die Politik steht unter Druck: Sie will bis Ende des Jahres die Zukunft der Markthalle geklärt haben. Das Gebäude steht seit dem 1. November leer. Vorher ist es zwei Jahre lang übergangsweise verpachtet worden, nachdem der Vertrag mit den ursprünglichen Betreibern 2020 ausgelaufen war. Seit mehr als drei Jahren diskutiert man in Aurich darüber, was mit der Markthalle passieren soll. In einem besonderen Ausschreibungsverfahren hat die Verwaltung Investoren gesucht. Doch mit keinem der Kandidaten ist man handelseinig geworden.

Unternehmen ist zu Kompromissen bereit

Die Extrablatt GmbH hat exakte Vorstellungen davon, wie ein Gebäude beschaffen sein muss, das sie bespielt. Dazu zählt ein Gastraum, der mindestens 240 Quadratmeter groß sein sollte. Auf der Terrasse müssen mindestens 80 Stühle aufgestellt werden können. Carsten Dreyer sagte, dass sein Unternehmen bereit sei, Abstriche zu machen: „An Markttagen können wir die Sitzmöglichkeiten auch einschränken.“

In der Hafenkiste soll ein anderes Firmenkonzept umgesetzt werden. Man habe verschiedene Varianten im Portfolio, hieß es. Man könne sich ein italienisches Konzept vorstellen, so Dreyer. Im Gegensatz zur Markthalle müsse baulich dort nicht viel verändert werden. Man hoffe auf eine Eröffnung im Frühjahr 2023. Die Hafenkiste am Auricher Hafen gehört der Stadt, sie ist allerdings vor vier Jahren an den Unternehmer und Eventmanager Ewald Maas verpachtet worden. Das Restaurant wurde aufwendig modernisiert. Im November 2018 eröffnete das Restaurant, schloss dann aber pandemiebedingt im November 2020 und hat seither nie wieder jemanden dort bedient. Es sei kein Personal zu bekommen, hieß es. Der Vertrag mit Ewald Maas läuft dem Vernehmen nach noch bis 2024.

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