Osnabrück  „Moingiorno“: Münster feiert 20 Jahre Tatort mit der Mafia

Joachim Schmitz
|
Von Joachim Schmitz
| 08.11.2022 17:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Feierlaune: Die Hauptdarsteller Jan Josef Liefers (links) und Axel Prahl mit ihrer Regisseurin Janis Rebecca Rattenni, die ihren ersten Münster-Tatort inszenierte. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke
In Feierlaune: Die Hauptdarsteller Jan Josef Liefers (links) und Axel Prahl mit ihrer Regisseurin Janis Rebecca Rattenni, die ihren ersten Münster-Tatort inszenierte. Foto: WDR/Bavaria Fiction GmbH/Martin Valentin Menke
Artikel teilen:

Heute Abend feiert der Münster-Tatort mit der Folge „Ein Freund, ein guter Freund“ sein 20-jähriges Jubiläum. Mit dabei: die Mafia.

Während WDR-Intendant Tom Buhrow gerade mit „privaten” Äußerungen die ARD und das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in seinen Grundfesten erzittern lässt, kommen andere Abteilungen in seinem Sender aus dem Feiermodus gar nicht mehr heraus. Erst Ende Oktober beging man mit der starken Folge „Spur des Blutes” das 25-jährige Jubiläum des Kölner Tatorts, an diesem Sonntag sind nun die Kollegen aus Münster dran, die auch schon 20 Jahre lang erfolgreich auf Verbrecher- und Quotenjagd gehen.

Gemeinsam ist den beiden Erfolgsformaten des WDR die Vorliebe ihrer Protagonisten für ausgefallene fahrbare Untersätze. Professor Boerne (Jan Josef Liefers) kutschiert diesmal mit einem extrem schicken Karmann Ghia durch Münster und Umgebung, den sich die Produktionsfirma aus einem Automuseum in Rheinland-Pfalz geborgt hat. Und die Regie gönnt dem Wagen ein paar ausgedehnte Kamerafahrten über seine exquisite Karosserie - es sind die womöglich schönsten Bilder dieses Films.

„Ein Freund, ein guter Freund” heißt die offizielle Jubiläumsfolge, aber der erste, den wir sehen, ist alles andere als ein Freund, sondern ein Mafiaboss aus dem Münsterland. Nino Agostini heißt er, und so, wie er redet, mordet er vermutlich vor allem dadurch, dass sich seine Gesprächspartner totlachen.

Jedes Wort, mit dem er seinen Anwalt bedroht, hat der Münster-Tatort-erfahrene Drehbuchautor Benjamin Hessler offenbar aus dem Sprach-Setzkasten für Mafiabosse entnommen und der ausgerechnet aus Italien stammenden Regisseurin Janis Rebecca Rattenni für ihr Tatort-Debüt auf dem Silbertablett serviert.

Gemeinsam haben die beiden kein Klischee ausgelassen, wie die 39-Jährige im Senderinfo einräumt: „Zugegeben, mit den Säulen und Statuen in seiner Villa haben wir etwas übertrieben. Doch was ihren Einrichtungsstil betrifft, mögen es viele Italiener manchmal schon ein bisschen kitschiger, sag ich mal vorsichtig.”

Dass der Anwalt eine überschaubare Restlaufzeit hat, ist nach Agostinis Ansprache so klar wie Münsterländer Hochzeitssuppe. Tatsächlich wird er Minute zehn dieses Tatorts nicht erleben. Und natürlich hat Commissario Frank „Moinsen” Thiel (Axel Prahl) den Mafioso schon länger auf dem Kieker und will ihn nun endlich zur Strecke bringen. Anpassungsfähig wie er ist, schmettert er den Italienern ein entschlossenes „Moingiorno” entgegen.

Rechtsmediziner Boerne indes hat gerade seinem besten Freund Friedhelm Fabian (Jan Georg Schütte) eine launige Rede auf den Abschied aus dem Berufsleben als Staranwalt gehalten, als der Mafia-Anwalt auf seinem Seziertisch landet. Noch während er seinen Kater aus der langen Partynacht ausschwitzt, wird Fabian entführt. Und es wäre kein Münster-Tatort, gäbe es keinen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fällen…

Die größte Herausforderung sei es gewesen, die Balance zwischen Krimi und Komödie zu finden, sagt Regisseurin Rattenni im Senderinfo. Das ist ihr nicht immer gelungen. Mal ist es witzig, mal spannend, aber immer wieder auch nichts von beidem. Und deshalb ist der Jubiläums-Tatort aus Münster auch sicher nicht der beste aus den 20 Jahren.

Der Feierstimmung beim Team des Münster-Tatort wird die eine oder andere mäßige Kritik vermutlich keinen Abbruch tun. Auch Regisseurin Rattenni ließ sich offenbar von der stets großartigen Stimmung am Set anstecken und berichtet, für sie sei jeder Drehtag „wie ein Fest” gewesen: „Ich kann nur sagen, dass es der schönste Dreh war, den ich bisher hatte.” Sie habe mit hervorragenden Schauspielerinnen und Schauspielern zusammengearbeitet, „die vor 20 Jahren tolle Figuren an die Hand bekommen und diese seitdem immer weiterentwickelt haben”.

Schon Ende Oktober hatte sich Jan Josef Liefers via Facebook bei den Fans des Münster-Tatorts bedankt und weitere Jahre in Aussicht gestellt: „Nach 20 Jahren Münster-Tatort mit über 40 Sonntagskrimis und Pi mal Daumen 440 Millionen Zuschauern ist - jedenfalls derzeit - noch kein Ende in Sicht. Nadeshda Krusenstern ist leider im Krimi-Himmel, ansonsten sind wir noch komplett wie am ersten Tag. Gestern haben Axel und ich ein paar interne Sentimentalitäten ausgetauscht, denn aus unserer gemeinsamen Zeit ist viel mehr geworden, als nur ein Job.”

Und weiter hieß es: „Dass sich unser Karussell noch immer dreht, verdanken wir aber Euch! Deshalb schütteln wir gerne zum Dank 440 Millionen Mal Hände, klopfen ebenso viele Male auf Schultern, geben 880 Millionen Küsschen auf Augenlider und kneten, wenn Ihr darauf besteht, genauso viele Ohrläppchen. Aber nur virtuell, sonst wären wir 140 Jahre nur mit Knuddeln beschäftigt. Ernsthaft, Leute, das war eine verrückte Reise bis hierher. Wir sind stolz auf Euch und uns und weil nach dem Spiel bekanntlich vor dem Spiel ist, geben wir zurück ins Studio und machen weiter, als wäre nichts passiert!”

Tatort: Ein Freund, ein guter Freund. Das Erste, 13. November, 20.15 Uhr.

Wertung: 3 von 6 Sternen

Ähnliche Artikel