Bahnübergang Bremer Straße in Leer  Leeranerin berichtet von brenzligen Situationen – Bahn dialogbereit

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 10.11.2022 17:56 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Renate Driefholt hat am Bahnübergang in der Bremer Straße einige haarsträubende Situationen erlebt. Foto: Ortgies
Renate Driefholt hat am Bahnübergang in der Bremer Straße einige haarsträubende Situationen erlebt. Foto: Ortgies
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Am Bahnübergang in der Bremer Straße kommt es täglich zu langen Staus und brenzligen Situationen. Die Bahn sieht keine Möglichkeit zu helfen, ist aber dialogbereit. Das löst Verwunderung aus.

Leer - Renate Driefholt ist sauer: „Vor Kurzem stand ich hier 15 Minuten. Es kommt mir so vor, als würden die willkürlich entscheiden, ob die Schranken unten bleiben“, so die Leeranerin. Was sie derart aufregt: Der Bahnübergang an der Bremer Straße. Wegen der vielen Straßensperrungen in der Ledastadt ist die Bremer Straße aktuell oft überlastet. Es bilden sich lange Staus. Hinzu kommt, dass die Schranken laut Auskunft der Bahn bis zu 20 Minuten pro Stunde geschlossen sein können: Das verschärft das Verkehrsproblem zusätzlich.

Was und warum

Darum geht es: Wegen der vielen Baustellen in Leer, fließt viel Autoverkehr durch die Bremer Straße. Gleichzeitig ist der Bahnübergang dort andauernd geschlossen. Das sorgt für Frust und gefährliche Situationen.

Vor allem interessant für: Alle, die in der Bremer Straße regelmäßig im Stau stehen

Deshalb berichten wir: Der Bahnübergang in der Bremer Straße bleibt ein Problem im städtischen Verkehr.

Den Autoren erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de

Sie habe das Gefühl, dass es bei den Schließzeiten der Schranke keine Regelmäßigkeit gebe. „Mal bleibt die Schranke minutenlang geschlossen, weil ein zweiter Zug kommt und mal wird sie zwischendurch für kurze Zeit geöffnet.“ Eine vorbeikommende Passantin bestätigt den Eindruck der Leeranerin. Sie habe solche Situationen auch schon erlebt.

Sorge um Tochter

Dass Renate Driefholt sich mit den Schließzeiten so gut auskennt, hat einen einfachen Grund. Mehrmals täglich muss sie den Übergang nutzen, um ihre Tochter zu begleiten. „Meine Tochter lasse ich hier nicht alleine rüber“, betont sie. Das habe mehrere Gründe. Auf der einen Seite sei es teilweise sehr voll, da es sich hinter den geschlossenen Schranken staut und auch der Frust wächst. Wenn die Schranken sich öffnen, breche dann Chaos los. Und dann gebe es noch einen Aspekt.

Auch viele Radfahrer stehen am Bahnübergang und warten darauf, dass sich die Schranken wieder öffnen. Foto: Ortgies
Auch viele Radfahrer stehen am Bahnübergang und warten darauf, dass sich die Schranken wieder öffnen. Foto: Ortgies

„Viele queren auch bei Rot noch den Übergang. Autos, Fahrradfahrer und Fußgänger“, berichtet sie. Wie, als wollte er ihre Aussage stützen, läuft in diesem Moment ein Mann über die Schienen, obwohl die Schranken bereits geschlossen sind. „Sehen Sie, das meine ich. Das ist kein gutes Vorbild für die Kinder“, regt sich die Leeranerin auf. Sie berichtet zudem von einer Situation, die sie verängstigt hatte.

Rollator wird zum Problem

„Eine Frau mit Rollator hat es nicht schnell genug geschafft. Die Schranken schlossen sich und sie hat sich in eine Ecke gedrückt, als der Zug vorbeirauschte“, berichtet sie. Gerade beeinträchtigte Menschen können auch den Fußgängertunnel, der direkt am Bahnübergang ist, nicht nutzen. „Die ganze Situation grenzt an Schikane“, sagt sie. Die Bahn selbst sieht am Bahnübergang keine Probleme. Die Schließzeiten sollen die Sicherheit gewährleisten.

Gerade Menschen mit Rollatoren müssen sich an der Bremer Straße teilweise beeilen. Foto: Ortgies
Gerade Menschen mit Rollatoren müssen sich an der Bremer Straße teilweise beeilen. Foto: Ortgies

„Aus diesem Grund sind Bahnübergänge, wie auch der Bahnübergang Bremer Straße, immer so lange geschlossen, wie es nötig ist“, sagt eine Sprecherin der Bahn. Der Grund hierfür sei, dass Züge wegen ihrer großen Masse und der hohen Geschwindigkeiten einen sehr viel längeren Bremsweg haben als ein Pkw. Es könnte also zu Unfällen kommen, wenn ein Bahnübergang zu oft geöffnet wird, da Züge schnell anfahren und nicht bremsen könnten. Bis zu 1.000 Meter benötigt etwa ein 100 Stundenkilometer schneller Reisezug bis zum Anhalten. Im Gespräch verwies die Sprecherin darauf, dass man keine Möglichkeit habe die Schließzeiten zu verändern. Sie sagte aber auch: „Wenn die Stadt das will, sind wir Dialogbereit.“

Stadt kennt das Problem

Bei der Stadt sorgt diese Aussage für Verwunderung. Immerhin habe man die Schließzeiten in Gesprächen mit der Bahn immer wieder thematisiert: „Dazu ist uns seitens der Bahn erläutert worden, dass für die Schließzeiten - so wie sie gegenwärtig an der Bremer Straße zu beobachten sind - Sicherheitsgründe ausschlaggebend sind“, sagt Stadtsprecher Edgar Behrendt. Man gehe bei der Stadt deshalb davon aus, dass es keine Schließzeiten über Gebühr gebe und es mit Blick auf die Verkehrssituation in der Bremer Straße keine Möglichkeiten zur Optimierung gebe. „Sollte es diese wider Erwarten doch geben, erwarten wir von der Bahn, dass sie diese unverzüglich umsetzt“, betont der Stadtsprecher.

Für Einsatzkräfte stellt der Engpass in der Bremer Straße jedoch kaum ein Problem dar. „Äußere Umstände wie geschlossene Bahnschranken, Staus oder andere Verkehrsbehinderungen lassen sich leider nie in Gänze vermeiden“, so Frauke Bruhns, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden. Die Polizisten würden bei einer Alarmierung einen anderen Weg, beispielsweise über den Südring wählen. „Natürlich dauert die Anfahrt dadurch länger, sie ist aber nicht unmöglich“, betont sie. Weiterhin seien häufig mehrere Streifenwagen im Stadtgebiet unterwegs. Diese werden entsprechend ihres Standortes gezielt koordiniert und den entsprechenden Einsatzorten zugewiesen. Gerade bei dringenden Einsätzen wird der Streifenwagen, der sich unweit des Einsatzortes befindet, zu diesem entsandt.

Bald könnte sich die Situation zudem entspannen. Noch in diesem Monat soll der Stadtring wieder für den Verkehr freigegeben werden. Das gelte dann aber nur für Autos. Die Schäden an einer der Brücken seien so schwerwiegend, dass der Stadtring für LKW gesperrt bleiben muss. Ebenso wie die Ledabrücke und die Südringbrücke wird der Stadtring eine Gewichtsbegrenzung erhalten. Für Lastwagen kann also auch künftig der ungünstige Fall eintreten, dass sie sich in der Bremer Straße stauen. Da auch die Schließzeiten der Bahn so bleiben sollen, wie bisher, werden einige Probleme also trotzdem bleiben.

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