Entwicklung der Innenstadt  Emden will sich gegen Leerstand in der Innenstadt stemmen

Heiko Müller
|
Von Heiko Müller
| 10.11.2022 19:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Einer der größten Leerstände in der Emder Innenstadt ist die ehemalige Filiale der Drogeriekette dm an der Neutorstraße. Sie umfasst eine Verkaufsfläche von etwa 700 Quadratmeter. Foto: Päschel
Einer der größten Leerstände in der Emder Innenstadt ist die ehemalige Filiale der Drogeriekette dm an der Neutorstraße. Sie umfasst eine Verkaufsfläche von etwa 700 Quadratmeter. Foto: Päschel
Artikel teilen:

Leere Läden sind ein Problem und gleichzeitig Chance für etwas Neues. Die Stadt Emden geht jetzt einen neuen Weg, um das Zentrum mit neuen Angeboten zu beleben.

Emden - Emden will sich gegen den zunehmenden Leerstand in der Innenstadt stemmen. Die städtische Tochtergesellschaft Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing entwickelt dafür gegenwärtig ein neues Konzept, um leer stehende Ladenflächen attraktiv zu vermarkten. Es soll nach Möglichkeit noch in diesem Jahr umgesetzt werden, teilte Innenstadt-Koordinatorin Julia Lüder dieser Zeitung auf Nachfrage mit.

Was und warum

Darum geht es: den Leerstand in der Emder Innenstadt und was die Stadt dagegen tun will

Vor allem interessant für: alle, die in der Emder Innenstadt einkaufen oder bummeln gehen und diejenigen, die sich für die Entwicklung der Innenstädte interessieren

Deshalb berichten wir: Wir hatten von einem neuen Konzept gegen den Leerstand in der Emder Innenstadt gehört und deshalb ein Gespräch mit Innenstadt-Koordinatorin Julia Lüder geführt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Wirtschaftsförderung & Stadtmarketing GmbH erstellt dafür in Zusammenarbeit mit einer Emder Werbeagentur ein Exposé. Darin soll jedes leer stehende Geschäft unter anderem mit Lage, Größe, Kaltmiete und Fotos steckbriefartig dargestellt werden. Das Stadtmarketing will diese Zusammenstellung ganz gezielt streuen.

Die neue Strategie braucht Zeit

Nach eigenen Angaben steht Lüder dazu auch im engen Kontakt mit den Eigentümern und Vermietern der Immobilien. Die Innenstadt-Koordinatorin setzt zwar viel Hoffnung auf die offensive Vermarktung des Leerstandes, weiß aber auch, dass es Zeit braucht, bis das Erfolg haben könnte. „In ein paar Monaten ist das nicht zu schaffen“, sagt sie.

Das Exposé soll unter anderem an potenzielle Interessenten gehen, die dem Stadtmarketing und der Wirtschaftsförderung der Stadt bereits bekannt sind. Aber auch Einzelhandelsketten, die in Emden noch nicht vertreten sind, sollen angesprochen werden. „Die brauchen wir in Emden auch“, sagt Lüder. Denn sie zögen Menschen in die Innenstadt.

Es soll auch „Raum für neue Ideen“ geben

„Wir wollen aber auch neuen Ideen Raum geben“, so die City-Managerin mit Blick auf innovative Projekte, die die Innenstadt beleben können. Das Stadtmarketing denkt nämlich nicht nur an längerfristige Ansiedlungen, sondern auch an Zwischenlösungen, die in den vergangenen Jahren überall in Deutschland an Bedeutung gewonnen haben.

Vor allem in Großstädten wurden sogenannte Pop-up- und Concept-Stores zum Trend, also Läden, die zunächst für einen begrenzten Zeitraum öffnen. Zwei solcher Pop-up-Stores für Wohnaccessoires und Holzspielzeug gab es während der Corona-Pandemie vorübergehend auch in Emden. Das Stadtmarketing registriert laut Lüder aber immer wieder auch Anfragen beispielsweise von Künstlern, die Läden suchen.

Es gibt schon ein gutes Beispiel

Aktuelles Beispiel für eine aus Sicht der Expertin sinnvolle Zwischennutzung sind die neuen Räume des Emder Bunkermuseums in der Fußgängerzone Große Straße. Die Museumsbetreiber haben dort jüngst eine Außenstelle für die Zeit eingerichtet, in der der Bunker in der Altstadt wegen mangelnden Brandschutzes geschlossen bleiben muss.

Innenstadt-Koordinatorin Julia Lüder will etwas gegen den Leerstand in der Emder Innenstadt unternehmen. Foto: Stadt Emden
Innenstadt-Koordinatorin Julia Lüder will etwas gegen den Leerstand in der Emder Innenstadt unternehmen. Foto: Stadt Emden

Eigentümer des Ladens ist der Discounter Aldi, der einen Umbau seines Komplexes zwischen der Großen Straße und der Lookvenne plant und deshalb die etwa 60 Quadratmeter große Fläche nicht längerfristig vermieten kann. Aldi kommt dem Bunkermuseum deshalb entgegen und verlangt von den neuen Mietern nur die Nebenkosten. „Davon profitieren alle“, sagt Lüder, die zwischen Aldi und den Museumsbetreibern vermittelt hatte. Indirekt werde dadurch auch die Fußgängerzone belebt.

Im engeren Stadtzentrum stehen elf Läden leer

Nach Angaben der City-Managerin stehen im engeren Stadtzentrum gegenwärtig elf Läden leer. Diese Zählung bezieht sich vor allem auf die Fußgängerzonen; die Randbereiche sind nicht eingeschlossen. Dichtgemacht hatten zuletzt vor allem Geschäfte aus der Textilbranche. Hingegen sind einige neue Anbieter aus den Bereichen Gastronomie und Dienstleistungen hinzugekommen.

Dennoch ist der Branchenmix aus Sicht der Expertin bei der Betrachtung der gesamten Innenstadt „noch im Gleichgewicht“. In einzelnen Straßen seien Handel, Gastronomie und Dienstleistungen hingegen ungleichmäßig verteilt. „Es ist viel Wandel drin“, sagt Lüder.

Der Wandel in der Innenstadt setzt sich fort

Dieser Wandel wird sich im kommenden Jahr fortsetzen, wenn der Kaufmann Wilko Gröttrup sein Damen- und Herrenmodegeschäft Kings & Queens an der Ecke Zwischen Beiden Sielen/Ecke Neutorstraße und sein Damenbekleidungsgeschäft Lieblingsstück am Stadtgarten schließen wird. Das hatte Gröttrup bereits im Juni gegenüber dieser Zeitung angekündigt.

Der Kaufmann kehrt voraussichtlich im Frühjahr an den ursprünglichen Standort des Familienunternehmens an der Neutorstraße zurück. Er will dort ein großes Haus für Damenmode eröffnen und lässt dafür gemeinsam mit seinem Bruder Bernd Gröttrup das Gebäude zurzeit aufwendig sanieren. Die Verkaufsfläche soll insgesamt etwa 900 Quadratmeter auf zwei Etagen umfassen.

Neues Modehaus ist ein Gewinn

Der mittlerweile verstorbene Vater der beiden Brüder, Dirk Gröttrup aus Leer, hatte die Immobilie 1994 gekauft, das darin befindliche Modehaus de Wall übernommen und als Modehaus Gröttrup bis 2006 weiter betrieben. Danach zog C&A dort ein. Die Filiale war Ende Juli 2020 geschlossen worden.

Ein Modehaus in dieser Größe sei ein Gewinn für Emden, meint Julia Lüder. Große Sorgen, dass die bisherigen beiden Ladengeschäfte von Wilko Gröttrup lange leer stehen, macht sie sich indes nicht. „Beide Flächen liegen in sehr guten Lagen“, sagt sie. Deshalb sei sie zuversichtlich, dass die schnell wieder belegt werden können.

Ähnliche Artikel