Bis zu 3000 Euro  Manche freuen sich über Inflationsprämie, andere gehen leer aus

Tobias Rümmele
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Von Tobias Rümmele
| 11.11.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine Inflationsprämie ins Spiel gebracht. Foto: Dittrich/DPA
Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie hat die IG Metall eine Inflationsprämie ins Spiel gebracht. Foto: Dittrich/DPA
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Im Kampf gegen die Inflation soll eine Sonderzahlung die Arbeitnehmer entlasten. Doch ob sie fließt, entscheiden allein die Arbeitgeber.

Landkreis Leer - Die Inflation jagt von Rekord zu Rekord. Im Oktober wurde erstmals seit mehr als 70 Jahren die Zehn-Prozent-Marke geknackt. Wer 1500 Euro netto verdient, hat damit binnen eines Jahres einen Kaufkraftverlust von etwa 150 Euro monatlich erlitten. Vor allem die hohen Preise für Strom und Gas belasten viele Privathaushalte. In Verhandlungen zwischen Bundesregierung, Arbeitgebern und Gewerkschaften wurde als eine Maßnahme gegen die derzeitige Teuerung die „Inflationsausgleichsprämie“ aus der Taufe gehoben.

Was und warum

Darum geht es: Die Unternehmen reagieren unterschiedlich auf die Möglichkeit zur Zahlung einer steuerfreien Inflationsprämie.

Vor allem interessant für: Arbeitnehmer und Unternehmer

Deshalb berichten wir: Die Sonderprämie kann ab sofort gezahlt werden und soll gegen die Belastungen der Inflation helfen.

Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de

Das Konzept: Ab dem 26. Oktober 2022 können Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuer- und abgabenfrei einen Betrag bis zu 3000 Euro gewähren. Die Prämie kann bis Ende 2024 ausgezahlt werden. Eine Auszahlung in mehreren Schritten ist möglich. Das Problem: Arbeitnehmer können die Prämie nicht einfordern. Sie ist eine freiwillige Leistung der Arbeitgeber. Sie entscheiden, ob ihre Mitarbeiter von der Sonderregelung profitieren.

Mitarbeiter an Betrieb binden

Im Landkreis Leer dürfen sich wohl trotzdem bald einige über eine Sonderzahlung freuen, wie Thomas Gelder von der IG Metall Leer-Papenburg berichtet. „Es ist mittlerweile angekommen, dass wir in schwierigen Zeiten leben“, sagt er. Manche Arbeitgeber hätten sich bereits zur Zahlung der Prämie bereit erklärt. Bei anderen Betrieben liefen derzeit Verhandlungen. „Die Beschäftigten brauchen das Geld. Das haben die Arbeitgeber verstanden“, sagt Gelder. Zudem profitiere auch der Chef von der Zahlung. „Es geht darum, die Mitarbeiter an den Betrieb zu binden.“

Derzeit verhandelt die IG Metall über einen neuen Flächentarifvertrag in der Metall- und Elektrobranche. Das betrifft im Landkreis Leer etwa Angestellte, die bei den Leda Werken oder der Meyer Werft arbeiten. Ein wichtiger Teil der Gespräche drehe sich auch um eine Inflationsprämie, verrät Gelder. „Eine solche Zahlung wird Teil des Ergebnisses sein. Davon gehe ich aus.“

Arbeitgeber betonen Freiwilligkeit

Nicht nur die Arbeitnehmer leiden derzeit unter den drastisch gestiegenen Preisen. Und so ist aus Sicht der Arbeitgeber die Zahlung oftmals kaum zu leisten, betont Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Ostfriesland. „Die momentane Lage lädt nicht zu Jubelarien ein“, sagt er. Viele Unternehmen seien sehr stark von den hohen Energiepreisen betroffen. „Deshalb ist der Umgang mit der Prämie ganz unterschiedlich und individuell – je nach Firma“, so Doden.

Derzeit erreichten den Verband aber viele Anfragen zu dem Thema und etwa zu der Frage, wie genau die Auszahlung erfolgen kann. „Man kann etwa auch sagen: ‚Ich zahle pro Monat 50 Euro mehr Lohn – bis zum 31.12.2024“, erklärt er. Doch er warnt auch: Nach der steuer- und abgabenfreien Lohnerhöhung drohe ein Gewöhnungseffekt und schließlich ein böses Erwachen, sobald der Zeitraum der Sonderzahlung auslaufe.

Schon bei der Verkündung der Maßnahme hatte Bundeskanzler Olaf Scholz betont: „Das ist ein Angebot. Tarif­verhandlungen werden nicht im Kanzleramt geführt.“ Die Freiwilligkeit der Zahlung betont auch der ostfriesische Arbeitgeber-Chef. Arbeitnehmer hätten keinen Anspruch darauf. „Es geht nicht darum, den Angestellten etwas vorzuenthalten“, sagt Doden. Wer bis auf weiteres leer ausgehe, könne vielleicht auf eine spätere Zahlung hoffen. „Wenn es aktuell nicht geht, gibt es die Hoffnung, dass es gegebenenfalls im Jahr 2023 oder 2024 klappt.“

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