Berlin  Der römische Soldat Sankt Martin und warum wir den Martinstag feiern

Maria Lentz
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Von Maria Lentz
| 11.11.2022 13:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Zum Martinstag finden in katholischen Gemeinden häufig Prozessionen statt. Foto: dpa/Uwe Anspach
Zum Martinstag finden in katholischen Gemeinden häufig Prozessionen statt. Foto: dpa/Uwe Anspach
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Laternen, Gänse und ein Mantel: Am 11. November ist Martinstag in Deutschland. Gewisse Bräuche dürfen da nicht fehlen. Doch woher kommen sie? Und wer war eigentlich dieser Sankt Martin?

Sie ziehen scharenweise durch die Straßen und erhellen den dunklen Novemberabend: Kinder mit ihren bunten, oft liebevoll gestalteten Laternen. So ist es Brauch am Martinstag, der in Deutschland am 11. November gefeiert wird. Doch die Laternenumzüge sind längst nicht die einzige Tradition an diesem Tag. Ihre Entstehung ist eng verknüpft mit Sankt Martin, an den wir am Martinstag erinnern.

Der römische Soldat Martin ist zwischen 314 und 317 nach Christus geboren. Historiker sind sich bis heute nicht ganz einig, was sein Geburtsjahr betrifft. Beim Geburtsland hingegen herrscht Einigkeit: Die römische Provinz Pannonien, das heutige Ungarn.

Später wurde er bekannt als Martin von Tours, das heute in Frankreich liegt. Er war dort 30 Jahre lang Bischof und soll in dieser Zeit zahlreiche guten Taten und sogar Wunder vollbracht haben. Nach seinem Tod wurde er heilig gesprochen.

In der katholischen Kirche gilt Sankt Martin als Schutzpatron – unter anderem für die Berufsgruppen der Winzer, Weber und Schneider. Am 11. November wird an ihn gedacht, weil an diesem Tag seine Grablegung stattgefunden haben soll.

Der Legende nach ritt Martin an einem kalten Wintertag an einem Bettler vorbei, der nur dünn bekleidet war und schrecklich fror. Martin stieg daraufhin von seinem Pferd, teilte den roten Soldaten-Umhang mit seinem Schwer und gab eine Hälfte dem frierenden Mann. In der Nacht soll ihm dann der Bettler im Traum erschienen sein und offenbart haben, dass er Jesus ist.

Heute wird diese Szene noch oft am Martinstag nachgespielt. Der Umhang wird in der Nacherzählung dabei meist als Mantel bezeichnet.

Martin habe sich nach diesem Erlebnis der christlichen Taufe unterzogen und sei von dort an gläubig gewesen. Später sollte er auf Wunsch der Einwohner Bischof der Stadt Tours werden, in der er lebte. Doch Martin war ein bescheidener Mann und wollte das nicht.

Um der Weihe zum Bischof zu entgehen, soll sich der ehemals römische Soldat in einem Gänsestall versteckt haben. Doch die Gänse haben ihn durch ihr Geschnatter verraten und er wurde schließlich doch zum Bischof. Als Gedenken daran, wird heute am Martinstag traditionell Gänsebraten zubereitet – vor allem in katholischen Regionen. Andernorts werden Martinsgänse in Form von Hefeteiggebäck gegessen. Oder aber sogenannte Weckmänner, Kiepen- oder Stutenkerle – ebenfalls aus Hefeteig.

Neben der Legende gibt es aber auch eine historische Erklärung dafür, warum wir am 11. November den Martinstag feiern. So war der 11. November lange der Tag, an dem die Lehensabgaben der Bevölkerung, also eine Art Steuer, fällig waren. Dabei wurde oft nicht in Form von Geld bezahlt, sondern in Naturalien. Es war üblich, auch Gänse dafür abzugeben.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Menschen früher am 11. November noch einmal einen deftigen Gänsebraten zubereiteten, ehe sie in die Fastenzeit starteten. Denn dieser Tag war der letzte vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten.

Die heutigen Laternenumzüge zum Martinstag beruhen ebenfalls auf historischen Gegebenheiten: Lichtprozessionen waren schon bei den frühen Christen üblich. So könnte es sein, dass sie mit diesen Sankt Martin gedacht haben.

Auch für diese Tradition gibt es aber eine zweite Erklärung: Im November machten die Menschen auf den bereits abgeernteten Feldern häufig Feuer. Damit verabschiedeten sie symbolisch das Erntejahr.

Apropos Feuer: In einigen Regionen ist es Brauch, am Martinstag ein Feuer zu entzünden. Nach dem Laternenumzug versammeln sich Menschen dann darum. Der Hintergrund ist, dass es Licht in die dunkle Jahreszeit bringen soll – im übertragenen Sinn wie Martins gute Tat als er den Mantel teilte.

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