Berlin  Experte warnt: Warum die Ölpreise in Europa weiter steigen könnten

Jakob Patzke
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Von Jakob Patzke
| 15.11.2022 16:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Laut Einschätzung eines Experten könnten die Rohölpreise in Europa noch weiter steigen. Foto: dpa/Lino Mirgeler
Laut Einschätzung eines Experten könnten die Rohölpreise in Europa noch weiter steigen. Foto: dpa/Lino Mirgeler
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Die Verbraucher in Deutschland ächzen unter den hohen Energiekosten. Nach Einschätzung eines Rohstoff-Experten ist der Gipfel jedoch noch nicht erreicht. Im Gegenteil: Die Preise insbesondere für Öl könnten noch höher steigen.

Wann sinken die Preise für Öl, Gas und Strom wieder? Sehnsüchtig warten die Verbraucher in Deutschland auf ein Ende der Energiekrise. Nach Einschätzung von Jeff Currie, Rohstoff-Experte beim US-amerikanischen Investmentunternehmen Goldman Sachs, dürfte es bis zur erlösende Nachricht allerdings noch dauern.

Im Interview mit dem TV-Sender CNBC sagte Currie, dass er Ende dieses Jahres nochmals einen Preisanstieg bei den Ölpreisen für den europäischen Markt erwartet. Da die Europäische Union russisches Öl verbieten will und die westlichen Länder darüber hinaus eine Preisobergrenze anpeilen, könne es bei der Ölversorgung zu Engpässen kommen.

Ein Anstieg der Ölpreise sei in diesem Zusammenhang nicht unwahrscheinlich, zumal man mit einer russischen Vergeltung angesichts der europäischen Energiepolitik rechnen müsse, so Currie. Hinzu kämen Faktoren wie die Loslösung Chinas von seiner Abschottungspolitik, die langsame Ölproduktion in den USA sowie das Ende der Freigabe der strategischen Erdölreserven aus Amerika.

Weiterlesen: Alle Entwicklungen der Energiekrise in unserem Liveblog

„Wenn man alles zusammennimmt, wird es Ende dieses Jahres und Anfang nächsten Jahres bullisch [es werden steigende Preise erwartet, Anm. d. Red.]“, zitiert der „Business Insider“ den Rohstoff-Experten. Er warnt davor, dass die Ölpreise schon im Dezember in den Fokus rücken könnten. Eine frühere Goldman-Schätzung, wonach die Rohölsorte Brent einen Preis von 111 Euro pro Barrel erreicht, könnte sich demnach bestätigen.

Komplett pessimistisch möchte Currie aber nicht in die europäische Energiezukunft blicken. Die EU habe ihre Erdgasvorräte aufgestockt und mehr Flüssiggas eingekauft. Dies könne dabei helfen, die durch den Ukraine-Krieg ausgelösten Versorgungsengpässe zu verkleinern. „Man wird nie von einem Zug überfahren, den man kommen sieht. Europa hat sich darauf vorbereitet, es hat sich damit befasst“, so der Experte.

Für problematisch hält Currie allerdings die langfristigen Folgen der Energiekrise. „Europa hat sich noch nicht mit dem Problem des nächsten Sommers und des darauffolgenden Winters auseinandergesetzt. Es gibt also immer noch ein strukturelles Problem, mit dem sie umgehen müssen.“ Man sei mittel- oder längerfristig gesehen noch nicht über den Berg.

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