Folgen der Krise Zwei Traditionsbetriebe in Leeraner Innenstadt schließen
Die Leeraner Innenstadt ist im kommenden Jahr um zwei inhabergeführte Unternehmen ärmer. Das hat auch mit der Energiekrise zu tun.
Leer - Ihre Fassaden sind in Leer vielen bekannt, ihre Logos auch über die Stadt hinweg ein Begriff, dennoch werden die beiden Traditionsunternehmen Juwelier Hurdelbrink und Schuhhaus Bockstiegel zum Jahresende schließen. Beide Unternehmen werben derzeit mit hohen Nachlässen auf ihre Produkte. Die Gründe, warum die beiden inhabergeführten Unternehmen schließen, sind allerdings sehr unterschiedlich.
Was und warum
Darum geht es: Zwei traditionsreiche Geschäfte werden in Leer demnächst schließen.
Vor allem interessant für: Kunden und Kundinnen der Leeraner Innenstadt
Deshalb berichten wir: Der Einzelhandel leidet unter den Folgen der Energiekrise. Erste Geschäfte schließen. Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de
Bereits seit einigen Wochen ist bekannt, dass das Schuhhaus Bockstiegel zum Jahresende schließt. Die Lager werden geräumt. Cornelius Uphoff blickt zwiegespalten auf das Ende seines Unternehmens. „Ich habe das Rentenalter erreicht“, sagt er. Einen Nachfolger habe er nicht gefunden. „Meine Tochter ist zwar in einer ähnlichen Branche tätig, allerdings möchte sie aus familiären Gründen nicht zurück nach Ostfriesland ziehen“, sagt Uphoff. So blieb ihm nur die Schließung.
Er ist allerdings optimistisch, dass sich in seinen Räumen wieder ein Schuhhändler ansiedelt. Dennoch seien die vergangenen Jahre für sein Geschäft nicht einfacher geworden. Auch wirtschaftlich habe er genau rechnen müssen. „Der Onlinehandel macht vielen mittelständischen Händlern zu schaffen“, sagt er. Auch er habe versucht, mitzumachen. „Ich habe allerdings die Erfahrung gemacht, dass 57 Prozent der bestellten Schuhe wieder zurück geschickt werden“, sagt er. Großer Freund von Onlineangeboten sei er nicht geworden. „Die großen Onlinehändler haben zwar eine große Angebotspalette, allerdings ist da auch viel Schrott dabei. Viele dieser Schuhe würden wir nicht verkaufen“, sagt Uphoff. Jetzt verkauft er sein komplettes Sortiment. Er peilt die Schließung gegen Ende des Jahres an. „Wenn allerdings alles verkauft ist, ist Schluss.“
Schließung aus wirtschaftlichen Gründen
Bis zum 31. Dezember will Britta Kloss weitermachen. Sie ist Inhaberin von Juwelier Hurdelbrink. Die Gründe für ihre Geschäftsaufgabe sind anders: „Es ist ganz klar die wirtschaftliche Lage“, sagt die 52-Jährige. Es sei schon vor der Corona-Pandemie für den stationären Einzelhandel schwieriger geworden. „Dann kam die Pandemie, die haben wir auch noch überstanden“, sagt sie. Doch mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise sei Schluss gewesen. „Die Leute kaufen einfach weniger, sie wollen sparen“, sagt die Juwelierin.
Uhren, Ringe und Ketten seien Luxusprodukte, die die meisten bereits hätten. Darauf könne man am ehesten verzichten. „Wir sind ja nicht die Einzigen. Es ist insgesamt weniger in der Stadt los“, sagt sie. Zuletzt habe ihr Geschäft nur noch aus Reparaturen und Batteriewechseln bestanden. „Es ist mir nicht leicht gefallen. Aber ich muss nach vorne sehen“, sagt sie. Drei Mitarbeiter verlieren dadurch ihren Job, auch Kloss werde sich jetzt wieder festanstellen lassen. „Ich komme aus Varel. Ich kann mir dann die Pendelei sparen, das ging zuletzt auch ins Geld“, sagt sie.
„Stadt wird sich erholen“
Dass die Zeiten für den Einzelhandel schwieriger werden, beobachtet Andreas Fricke, Vorsitzender der Leeraner Werbegemeinschaft. „Ich gehe davon aus, dass es noch mehr Geschäftsaufgaben und Leerstände in Leer geben wird“, sagt er. Gerade bei den inhabergeführten Unternehmen sei das ein Verlust. Allerdings ist Fricke optimistisch. „Für die Mitarbeiter sehe ich gute Chancen, im Einzelhandel eine neue Anstellung zu finden. Motivierte Leute werden gesucht“, sagt er. Auch die Stadt werde sich wieder erholen, Leerstände könnten wieder mit Leben gefüllt werden. „Ich mache mir keine Sorgen um die Leeraner Innenstadt. Wir haben eine gute Zugkraft“, sagt er. Die Mischung zwischen Filialisten und inhabergeführten Geschäften in Leer sei für die Kunden attraktiv. Man müsse sich den Wandel eingestehen. Daraus könne Neues und Positives entstehen.
Die Politik stehe da an der Seite der Gewerbetreibenden. „Wir erarbeiten gerade Zukunftsmodelle“, sagt er. Die Entwicklungsschiene sei auf einem guten Kurs. „Es ist viel in Bewegung, um die Innenstadt von Leer zu stärken“, so Fricke.